BURG URSTEIN
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Allgemeine Informationen
Stark überwachsene Mauerreste einer grösstenteils in die Urnäsch-Schlucht abgestürzten Wehranlage aus dem 13. Jhdt. Die 1225 erwähnte Familie von Urstein war mit den Herren von Rorschach eng verwandt. Vermutlich errichtete sie ihre Burg an derselben Stelle, an der 1080 der st. galler Abt Ulrich II. die Burg Rachenstein als sichere Zuflucht im Investiturstreit gründet hatte.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 23' 05.95" N, 09° 19' 26.32" E
Höhe: 690 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 742.350 / 249.950
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A1 bei St. Gallen-Winkeln verlassen und in südlicher Richtung weiter auf der Hauptstrasse 8. Nach ca. 1,7 km links in die Kasernenstrasse einbiegen. Im Ortsteil Moosberg wiederum links in die Saumstrasse einbiegen und dieser über die Weiler Saum und Obere Bleichi bis nach Hinterhof folgen. Wenige Parkmöglichkeiten vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Regelmässige Bahnverbindung von St. Gallen nach Herisau. Ab hier weiter mit der Buslinie 172 bis zur Endhaltestelle Herisau, Saum.
Wanderung zur Burg
Vom Weiler Saum aus zunächst nach Süden bis Obere Bleichi, ab hier der Saumstrasse in östlicher und dann in südlicher Richtung bis zum Hinterhof folgen. Hier biegt ein markierter Wanderweg in Richtung Nordosten ab und führt über Weideflächen hinunter zum Waldrand, wo er sich verzweigt. Von dieser Wegkreuzung führt ein kurzer Pfad in östlicher Richtung hinunter zur Ruine. Eine genaue Landkarte ist empfehlenswert (Landeskarte 1:25'000, Blatt 1094).
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Urstein
Quelle: Steinmann, Eugen - Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band I: Der Bezirk Hinterland | Basel, 1973 | S. 225 | überarbeitet von O. Steimann, 2014
Historie
Die Chronik des Klosters St. Gallen erwähnt, dass im Jahr 1080 der königstreue Abt Ulrich II. von Eppenstein auf einem Felsen namens «Rachinstein» eine Burg errichten liess. Der Ort sei von Natur aus bereits gut geschützt, und in der Burg habe der Abt während des Investiturstreits Zuflucht vor seinen Feinden gesucht. Über die Lokalisierung dieser Burg Rachenstein war man sich lange uneinig. Die ältere Forschung vermutete sie in Schwende (Innerrhoden). Doch in der neueren Liuteratur sieht man in Rachenstein den Vorläufer der Burg Urstein, die sich östlich von Herisau auf dem sehr schmalen Grat zwischen der Urnäsch und dem Stösselbach erhob. Noch heute heisst jener Teil der Urnäsch-Schlucht «Rachentobel». Und bei Grabungen hat man im Burgareal tatsächlich eine Topfscherbe gefunden, die dem 11. Jhdt. zugewiesen werden kann.

Die Burg Rachenstein findet in keinem anderen mittelalterlichen Text Erwähnung. Doch im 13. Jhdt. wurden ins Totenbuch des Klosters St. Gallen eine Bertha und ein Rudolf von Urstein eingetragen. Bertha von Urstein dürfte gemäss einer Urkunde aus dem Jahr 1225 die Mutter von Ritter Rudolf von Rorschach gewesen sein. Damit lässt sich Urstein der gleichen Adelssippe zuordnen, die auch die beiden anderen Burgen bei Herisau, Rosenburg und Rosenberg, besass. Vermutlich errichteten diese Dienstleute der Abtei St. Gallen an der Stelle der älteren, wohl aus Holz- und Erdwerk bestehenden Anlage die neue Burg Urstein.

1272 kam es im Kloster St.Gallen zu einer doppelten Abtwahl. Ulrich von Güttingen rief im Kampf gegen seinen Widersacher Heinrich von Wartenberg den Grafen Rudolf von Habsburg (den späteren König) zu Hilfe. Rudolf riet dem Abt, die klösterlichen Lehen neu an habsburgtreue Adlige zu vergeben. Davon war offenbar auch der Burgherr zu Urstein, Rudolf von Rorschach, betroffen. Im Kampf gegen den habsburgisch gesinnten Ulrich von Ramschwag wurde Urstein um 1275 zerstört.
Danach verschwindet die Burg aus den schriftlichen Quellen. Die 1970 bis 1976 vorgenommene archäologische Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass sie auch im 14. Jhdt. noch bewohnt war. Der Grund für ihre Auflassung ist unklar. Möglicherweise wurde sie wie die benachbarten Burgen Rosenberg und Rosenburg um 1403 durch die aufständischen Appenzeller zerstört. Vielleicht musste sie aber auch wegen der fortschreitenden Geländerutschungen aufgegeben werden.

Die heute noch sichtbaren Mauerreste stellen nur einen Bruchteil der einstigen Burganlage dar – weite Teile des Areals sind in den vergangenen Jahrhunderten abgerutscht und für immer verschwunden. Noch zu erkennen ist, dass das Gelände südseitig durch einen Halsgraben geschützt war. Bergseitig stand offenbar ein massiver Wohnturm oder Bergfried, von dem heute noch ein Mauerrest mit schön behauenen Sandsteinquadern erhalten ist. Die Bauweise ist eindeutig dem 13. Jhdt. zuzuweisen. Nördlich davon erhob sich ein etwas jüngeres Wohngebäude. Zu den Kleinfunden von Urstein zählen Werkzeuge, Tierknochen, Hausgeräte, Geschirrkeramik und Becherkacheln von Öfen. Brandschutt zwischen den Siedlungsschichten weist darauf hin, dass die Burg im Laufe ihrer Geschichte mehrmals in Flammen aufgegangen sein muss.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin 1995 | Nr. 49
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. S. 110 und 146
  • Felder, Gottlieb - Die Burgen der Kantone St. Gallen und Appenzell, 1. Teil [47. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen] | St. Gallen, 1907 | S. 45
  • Obrecht, Jakob / Reding, Christoph / Weishaupt, Achilles - Burgen in Appenzell [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 32] | Basel, 2005 | S. 38-39 und 42
  • Steinmann, Eugen - Die Kunstdenkmäler des Kantons Appenzell Ausserrhoden, Band I: Der Bezirk Hinterland | Basel, 1973 | S. 223-232
Webseiten mit weiterführenden Informationen
    k.A.
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