STADTBEFESTIGUNG ST. GALLEN
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Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 215
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Allgemeine Informationen
Die Stadt St. Gallen, entstanden aus der Siedlung vor dem bedeutenden gleichnamigen Reichskloster, wurde bereits im 10. Jhdt. befestigt. Nach verschiedenen Verstärkungen und Erweiterungen wurde die Stadtbefestigung bis 1879 weitgehend abgebrochen. Erhalten geblieben sind das Karlstor mit einem Rest der Stadtmauer, der Runde Turm und ein Stück der Scheidemauer zwischen Stadt und Stiftsbezirk.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 25' 26.96" N, 09° 22' 35.07" E
Höhe: 675 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 746.200 / 254.400
Kontaktdaten
St. Gallen-Bodensee Tourismus | Bahnhofplatz 1a | CH-9001 St. Gallen
Tel: +41 (0)71 227 37 37 | E-Mail: info@st.gallen-bodensee.ch
www.st.gallen-bodensee.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
St. Gallen ist die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons und liegt an der Autobahn A1. Altstadt und ehmaliges Kloster liegen nahe dem Bahnhof, mitten im Zentrum.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
St. Gallen ist ab allen grösseren Städten der Schweiz per Bahn bequem und schnell erreichbar. Der Bahnhof liegt unmittelbar neben der Altstadt.
Wanderung zur Burg
St. Gallen wird auf der 1. Etappe der ViaJacobi durchquert.
Öffnungszeiten
Die erhalten gebliebenen Befestigungsbauten können nur von aussen besichtigt werden.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
in der Altstadt weitgehend möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Stadtbefestigung St. Gallen
Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 214 | überarbeitet und ergänzt von O. Steimann, 2009
Historie
Um 612 gründete der irische Missionar Gallus im oberen Steinachtal, mitten im wilden Arboner Forst, eine Einsiedelei. Um seine kleine Zelle bildete sich bald eine religiöse Gemeinschaft, und 744 wird erstmals ein Monasterium unter Führung des ersten Abts Otmar erwähnt. Unter Abt Gozbert (816-837) wurde das Kloster bedeutend ausgebaut, wobei der berühmte St. Galler Klosterplan aus jener Zeit wohl nur eine schematische Orientierungshilfe darstellte. Unter den karolingischen Königen erlebte die Abtei ihre erste grosse Blütezeit. Ihre Äbte waren gleichzeitig hohe Beamte bei Hofe und unter Grimald (841-872) wurde in St. Gallen eine prächtige Abtspfalz errichtet, die vermutlich auch der Königsgastung diente. Von Karl III. (883) bis zu Friedrich III. (1442) beehrten zahlreiche Kaiser und Könige das zur Reichsabtei erhobene Kloster mit einem Besuch.

Bereits im 9. Jhdt. entstand vor der Klosteranlage eine Siedlung. Zusammen mit der Abtei wurde diese geplündert und zerstört, als St. Gallen 926 von den Ungaren überfallen wurde. Auch die Sarazenen stiessen aus dem Alpenraum bis hierher vor und 937 wütete ein Grossbrand im Kloster. Es war der 953 zum Gegenabt gewählte Anno, der mit der Errichtung einer ersten Stadtbefestigung begann. Diese als «vallos urbis» bezeichneten Bauten umfassten bereits das Gebiet der späteren Altstadt. Unter Abt Notker (971-975) wurde die bestehende Wallanlage durch eine Stadtmauer mit 13 Türmen und mehreren Toranlage ergänzt.

Im Investiturstreit wurden Stadt und Kloster mehrfach in kriegerische Ereignisse verwickelt. Vor allem, nachdem Kaiser Heinrich IV. Abt Ulrich III. von St. Gallen zum Gegenabt des Klosters Reichenau ernannt hatte. Der dortige Abt, Ekkehard von Nellenburg, überfiel 1080 St. Gallen gleich zweimal und zerstörte Teile der Abtei. Sein Bruder, Graf Burkhard von Nellenburg, tat es ihm 1084 gleich und plünderte das Kloster, um es anschliessend in Brand zu stecken. Auch die Herzöge von Zähringen überfielen in diesem Zusammenhang St. Gallen – eine Häufung von Angriffen, welche am Reichtum und der Macht der Fürstabtei zehrten.

Spätestens im 12. Jhdt. verfügte St. Gallen über ein Marktrecht und entwickelte sich zu einem Zentrum der Leinenweberei. Die Stadt wurde 1215 durch einen Brand erneut zerstört, und in den nachfolgenden Jahrzehnten, insbesondere während dem Interregnum, kam es erstmals zu ernsthaften Konflikten zwischen den nach mehr Selbstbestimmung strebenden Stadtbewohnern und dem Fürstabt. 1281 sprach König Rudolf von Habsburg den Bürgern einen Teil der erwünschten Freiheiten zu. Der Konflikt schwelte jedoch weiter und führte 1404 sogar dazu, dass sich die Stadt im Appenzellerkrieg mit den Aufständischen gegen den Abt verbündete. Aber erst 1457 konnte sich St. Gallen für 7000 Gulden endgültig freikaufen und als freie Reichsstadt dem Bund der Eidgenossenschaft beitreten.

Von den einzelnen Bauten der Stadtbefestigung werden 1319 und 1359 das Spiser- und das Irertor erwähnt. 1331 fanden Aushubarbeiten für den bis zu 25 Meter breiten und 6 Meter tiefen Stadtgraben statt. Nach einem Brand wurde das St. Gallertor 1368 durch einen Rundturm ersetzt. Erst jetzt machte die Siedlungsentwicklung auch eine Stadterweiterung notwendig. Im Laufe des 14. Jhdts. entstand die Irer Vorstadt, mit deren Befestigung aber erst gegen Ende des 15. Jhdts. begonnen wurde.
In der zweiten Hälfte des 16. Jhdts. unterzog man die gesamte Stadtbefestigung einer gründlichen Erneuerung und Verstärkung. An der südlichsten Ecke, neben dem ehemaligen St. Gallertor, wurde ein Zwinger angelegt, den man in einer zweiten Bauphase um 1623 auffüllte und zur Geschützbastion umfunktionierte.
Auch die Areale von Kloster und Stadt wurden neu definiert und nach 1566 durch den Bau einer neuen Scheidemauer klar voneinander abgegrenzt. Der Abt erhielt das Recht, ein eigenes Tor zu erbauen – das heute noch erhaltene Karlstor, das im Sommer 1570 fertiggestellt wurde.

Im 17. und 18. Jhdt. entwickelte sich die Abtei St. Gallen mit ihren nach wie vor grossen Untertanengebieten mehr und mehr zu einem absolutistischen Kleinstaat. Dieser wurde erst 1805 durch die Aufhebung des Klosters endgültig beseitigt. Wenige Jahrzehnte später setzte die Entfestigung der Stadt und der alten Reichsabtei ein. Das Müller- und das Brühltor beispielsweise wurden bereits 1836, das Spisertor hingegen erst 1879 abgebrochen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Duft, Johannes - Geschichte des Klosters St. Gallen im Überblick vom 7. bis zum 12. Jahrhundert | In: Ochsenbein, Peter (Hg.) - Das Kloster St. Gallen im Mittelalter | Stuttgart, 1999
  • Ehrenzeller, Ernst - Geschichte der Stadt St. Gallen | St. Gallen, 1988
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 213-216
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 3: Abgrenzungen - Ausgrenzungen in der Stadt und um die Stadt | Zürich, 1999 | S. 107-115
  • Poeschel, Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen, Bd. II: Die Stadt St. Gallen, Erster Teil | Basel, 1957 | 70-92
  • Steimann, Oliver - Castrum, villa, palatium: Pfalzen und andere Aufenthaltsorte der Könige des Früh- und Hochmittelalters im Gebiet der heutigen Schweiz | Unveröff. Liz. Univ. Zürich | Zürich, 2000 | S. 79-105
  • Thürer, Georg - St. Galler Geschichte: Kultur, Staatsleben und Wirtschaft in Kanton und Stadt St. Gallen von der Urzeit bis zur Gegenwart | 2 Bde. | St. Gallen, 1953/1972
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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