CHÂTEAU DE TOURBILLON
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Allgemeine Informationen
Eindrückliche, weitläufige Ruine der einstigen Burg der Bischöfe von Sion/Sitten auf einem felsigen Hügel über der Altstadt. Sie wurde um 1300 wahrscheinlich am Standort einer älteren Wehranlage erbaut. Mit dem benachbarten Valeria zusammen bildet Tourbillon das Wahrzeichen von Sion. Sichtbar sind eine vorgelagerte Sperrmauer mit Tor und die Hauptburg mit Mauern, Toren und Türmen, das Wachthaus und der Palas sowie die Burgkapelle mit gotischen Fresken.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 14’ 11.31“ N, 07° 22’ 00.18“ E
Höhe: 658 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 594.450 / 120.560
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A9 bei der Ausfahrt Sion-Est verlassen und dann der Beschilderung ins Zentrum folgen. Kostenplichtiges Parkhaus la Planta in der Innenstadt (an der Avenue de la Gare). Die Burg liegt gut sichtbar über der Altstadt und ist von dieser her zugänglich.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Sion/Sitten ist per Bahn gut erschlossen. Vom Bahnhof aus in nördlicher Richtung in die Altstadt gehen, von wo aus die Burg einfach zu finden ist.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Mitte März bis April: täglich 11:00 - 17:00 Uhr
Mai bis September: täglich 10:00 - 18:00 Uhr
Oktober bis Mitte November: täglich 11:00 - 17:00 Uhr
Im Winter bleibt die Burg geschlossen.
(Stand 2017)
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Tourbillon
Quelle: Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis | Zürich, 1981 | S. 94 | ergänzt von O. Steimann, 2006
Historie
Die beherrschende Lage des Burghügels von Tourbillon, der nur von der Südseite her ohne Kletterei bestiegen werden kann, macht es wahrscheinlich, dass dieser bereits sehr früh in die Verteidigunsanlagen der Bischofsstadt Sion/Sitten einbezogen worden ist. Ein Hinweis auf eine erste Burganlage könnten die Spuren eines runden Donjons sein, die bei der heutigen Burgkappelle beobachtet worden sind. Ein Dokument aus der Zeit um 1270 listet ausserdem Namen von Personen auf, die im Kriegsfall die Wachttürme auf dem Hügel zu besetzen hatten.

Als Erbauer der heute noch sichtbaren Anlage gilt Bischof Bonifaz de Challant, der um 1297 mit der Errichtung von Tourbillon begonnen haben dürfte. Auf dem höchsten Punkt des Hügels entstand die weitläufige Kernburg mit wehrhaftem Palas, Wohn- und Wehrtürmen und einer Kapelle. Auch das östlich vorgelagerte Plateau war befestigt, und westlich der Anlage wurde deren einziger Zugang durch eine starke Sperrmauer abgesichert. Der Weg vom äusseren Tor führte einst über eine Zugbrücke beim sogenannten Hundeturm hinüber zur Burg Majoria, dem Sitz der bischöflichen Amtsleute, und von dort hinunter in die Stadt.
Tourbillon war Sitz des bischöflichen Hofstaats und demonstrierte die Macht des Kirchenfürsten, der seit dem Jahr 999 auch die Grafschaftsrechte im Wallis innehatte. Bonifaz konnte sich allerdings nicht lange an seiner neuen Residenz erfreuen: Dendrochronologische Datierungen haben ergeben, dass die wichtigsten Teile von Tourbillon erst gegen 1307 erbaut wurden, der Bischof verstarb 1308. Die Fertigstellung der Burg erfolgte wohl unter seinem Nachfolger, Aymon II. de Châtillon.

Um die Mitte des 14. Jhdts. verlor Tourbillon seinen Rang als bevorzugte Bischofsresidenz, behielt aber seine militärstrategische Bedeutung. Bischof Guichard Tavel (1342-1375) bevorzugte die Burg Seta als Wohnsitz und erwarb 1373 das unterhalb Tourbillons gelegene Majoria, um darin Wohnräume einzurichten. Trotzdem liess er sich 1348 als unbestrittener Besitzer von Tourbillon in einer Urkunde festschreiben. Unter ihm erlebte Sion konfliktreiche Zeiten. Im Oberwallis tobte ein Aufstand gegen die Herrschaft des Bischofs, der von Peter vom Turn angeführt wurde. Graf Amadeus VI. von Savoyen stellte sich auf die Seite des Bischofs und erhielt von diesem dafür Zugang zu den wichtigsten Burgen. Im November 1352 zogen die Aufständischen nach Sion, plünderten und zerstörten die Stadt, belagerten die Burg Tourbillon aber erfolglos. Amadeus VI. liess daraufhin die Befestigungen der Burg noch weiter verstärken, und es wurden auch Wurfmaschinen gebaut, um zukünftige Belagerer abzuwehren. Bischof Guichard hatte davon aber keinen Nutzen, denn 1375 fiel er den Aufständischen unter Anton vom Turn, dem Sohn Peters, in die Hände und wurde von diesen ermordet. Unter seinem Nachfolger, Bischof Eduard von Savoyen, fielen die Aufständischen erneut in Sion ein und eroberten 1384 Tourbillon und Majoria. Graf Amadeus VII. von Savoyen und bernische Truppen mussten dem Bischof zu Hilfe eilen und konnten einen Frieden und die Rückgabe der Burgen erzwingen.

Ab 1386 sassen die Herren von Raron auf dem Bischofsstuhl und behielten diesen wie ein Erbstück in der Familie. Weil sie gleichzeitig die Freiheiten der Walliser Untertanen zu beschneiden versuchten, kam es 1417 zu einem neuen Aufstand. Bischof Wilhelm V. von Raron musste fliehen, Tourbillon und die nahe Burg Montorge fielen in die Hände der Angreifer und wurden in Brand gesteckt. Die stolze bischöfliche Burg wurde weitgehend zerstört, und die Herren von Raron konnten nur mit militärischer Hilfe der Stadt Bern wenigstens einen Teil ihrer Güter und Rechte retten.

In der Zeit von 1440 bis 1450 wurde Tourbillon unter Bischof Wilhelm VI. von Raron wieder hergerichtet und und wohnlicher gemacht. Die Burgkapelle wurde neu gestaltet und mit den heute noch sichtbaren gotischen Fresken ausgemalt. Danach erfuhr Tourbillon keine grossen Veränderungen mehr und wurde bei den Konflikten der nachfolgenden Jahrhunderte kaum noch in Mitleidenschaft gezogen. Obwohl sie nun wieder Sitz des bischöflichen Hofstaats war, verlor die grosse Burg langsam ihre strategische Bedeutung. Beim grossen Stadtbrand vom 24. Mai 1788 fiel sie schliesslich zusammen mit Majoria den Flammen zum Opfer. Das Bistum erwog damals noch den Wiederaufbau, doch machten die Revolutionswirren des späten 18. Jhdts. diese Pläne zunichte, die Burg blieb Ruine. Erste Ausgrabungen und Restaurationsarbeiten fanden 1966 bis 1969 statt, eine zweite Totalsanierung wurde 1993 bis 1996 durchgeführt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 2 | Neuenburg, 1966 | S. 44-46
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 765
  • Donnet, André / Blondel, Louis - Burgen und Schlösser im Wallis | Olten, 1963 | S. 260-262
  • Elsig, Patrick - Le château de Tourbillon [Sedunum Nostrum, Bd. 11] | Sion, 1997
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 26-27
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 12: Waadt, Wallis, Genf | Kreuzlingen, 1976 | S. 150-153
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 99
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis | Zürich, 1981 | S. 93-95
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 127-129
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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