BURG NIDAU
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Allgemeine Informationen
Imposante ehemalige Wasserburg, die durch Umbauten über die Jahrhunderte einen Teil ihrer Wehrhaftigkeit eingebüsst hat. Heute beherbergt sie ein Museum mit Ausstellungen zu regionalen Themen. Vom mittelalterlichen Baubestand sind noch der Bergfried, grosse Teile der Ringmauer, der Sodbrunnen sowie zwei Rundtürme erhalten. Zur Burg, dem Stammsitz der Grafen von Nidau, gehörte das unmittelbar südlich davon gelegene befestigte Städtchen.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 07' 39.92" N, 07° 14' 24.53" E
Höhe: 434 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 584.940 / 219.660
Kontaktdaten
Schloss Museum Nidau | Hauptstrasse 6/Schloss | CH-2560 Nidau
Tel: +41 (0)31 635 25 00 | E-Mail: info@schlossmuseumnidau.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A5 bei der Ausfahrt Biel-Ost verlassen und anschliessend der E27 in südwestlicher Richtung bis ins Zentrum von Biel folgen. Auf der zentralen Kreuzung geradeaus weiter in Richtung Nidau. Nachdem die Hauptstrasse die Zihl überquert hat, befindet sich unmittelbar auf der rechten Seite die Burg. Kostenplichtige Parkplätze etwas weiter südlich im Ortskern.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Die Burg ist vom Bahnhof Biel aus zu Fuss oder mit der Buslinie 4 (Haltestelle Nidau, Schloss) erreichbar.
Wanderung zur Burg
Der Seeland-Solothurn-Weg führt direkt an der Burg vorbei.
Öffnungszeiten
Der Burghof ist tagsüber frei zugänglich.
Museum:
Montag bis Freitag: 08.00 - 18.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 10.00 - 16.00 Uhr
Führungen auf Anfrage
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
für Aussenaufnahmen ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
teilweise möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Nidau
Quelle: Moser, Andres - Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landband III: Der Amtsbezirk Nidau, 2. Teil | Bern, 2005 | S. 42-43 | überarbeitet und ergänzt von O. Steimann, 2008
Historie
Im unteren Berner Seeland konnten sich die Herren von Fenis schon früh eine herausragende Stellung sichern. Spätestens im 12. Jhdt. erwarben sie einen neuen Titel und nannten sich fortan Grafen von Neuenburg. Der Titel übertrug sich auf die zahlreichen Seitenlinien des Geschlechts, so auch auf die Gründer von Nidau.
Der Adelssitz wurde nahe dem Seeufer als Wasserburg errichtet, geschützt durch künstlich angelegte Gräben und den Lauf der Zihl. Bei archäologischen Untersuchungen wurde die Balkenunterlage eines hölzernen Turms gefunden, der am Ort des späteren Bergfrieds stand. Die dendrochronologische Datierung verweist diesen Vorgängerbau in die Jahre 1140 bis 1180. Auf diese Anlage aus Holz dürfte sich auch die erste Erwähnung der Burg aus dem Jahr 1196 beziehen.

Zu Beginn des 13. Jhdts. wurde der neue, steinerne Hauptturm aus rohen Kalsteinblöcken errichtet. Er misst im Grundriss 11,2 Meter im Quadrat bei einer maximalen Mauerstärke von 2,8 Metern. Der ursprüngliche Hocheingang wird im 2. Stockwerk vermutet.
Als Bauherren kommen Graf Ulrich III. oder sein Sohn Rudolf I. von Nidau in Frage. Sie konnten ihre Herrschaft im frühen 13. Jhdt. auf das Nordufer des Bielersees ausdehnen, als hier alte burgundische Krongüter unter den Grafen und dem Fürstbistum Basel aufgeteilt wurden. Um seine Stellung abzusichern, gründete der Bischof gleich nördlich von Nidau die Stadt Biel. Die Grafen zogen gleich und gründeten spätestens 1338 südlich von ihrer Burg die Stadt Nidau. Auch die Grafenresidenz selbst wurde mehrfach erweitert. Eine weitläufige, hohe Ringmauer schützte die Anlage, im Spätmittelalter verstärkt durch ursprünglich drei Rundtürme. 1368 wird erstmals eine Burgkapelle erwähnt - sie war vermutlich im Palas untergebracht.

Der letzte Graf von Nidau, Rudolf IV., fiel 1375 im Kampf gegen die Gugler, die Söldner des Enguerrand de Coucy, der sich seinen Anteil am habsburgischen Erbe im Mittelland sichern wollte. Nun besetzte der Basler Bischof Johann von Venningen Nidau. Er konnte seine Ansprüche jedoch nicht durchsetzen, denn im Gefecht bei Schwadernau unterlag er Ende 1376 den rechtmässigen Erben der Nidauer, den Grafen von Neu-Kyburg. Rudolf von Kyburg veräusserte Nidau 1379 zusammen mit Büren an die Habsburger. Ausgerechnet der streitbare Enguerrand de Coucy wurde dann 1387 über ein Unterpfand an Nidau durch die Habsburger für das entgangenen Erbe entschädigt.
Im Sempacherkrieg zogen im Mai 1388 Truppen aus Bern und Solothurn vor Nidau und belagerten Burg und Stadt über sieben Wochen. Die Burg, mit Belagerungsmaschinen attackiert, nahm dabei grösseren Schaden, doch hatten auch die Angreifer hohe Verluste zu beklagen. Schliesslich musste die Besatzung unter Jean de Rosay aufgeben. 1393 wurde Nidau vertraglich den Bernern zugesprochen, die Burg wurde für 400 Jahre zum Sitz der gleichnamigen Landvogtei. Grössere Umbauten veränderten nun das Aussehen der Wasserburg nachhaltig. Insbesondere wurde der alte Palas neben dem Bergfried im 17. Jhdt. durch das stattliche Landvogteihaus ersetzt. Auch der Hauptturm selbst wurde um rund 13 Meter aufgestockt und 1628 mit einem neuen Dach versehen. Da er nun als Getreidelager gebraucht wurde, erhielten die oberen Stockwerke hofseitig eine Toröffnung.

In der helvetischen Revolution wurde die Landvogtei 1798 aufgehoben, doch bereits 1803 wurde Nidau wieder zum Sitz eines Oberamtmanns bestimmt. Seither befinden sich Büros des Amtsbezirks in der Burg. Im 19. Jhdt. wurde deren Wehrhaftigkeit weiter beeinträchtigt, als die Gräben zugeschüttet und grosse Teile der südlichen Ringmauer samt dem Pulverturm abgerissen wurden. Seit der Jurawässerkorrektion (ab 1868), bei welcher der Bielersee deutlich abgesenkt wurde, kann Nidau nicht mehr als Wasserburg gelten. Im 20. Jhdt. wurde die nun meist als Schloss bezeichnete Anlage mehrfach saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Sie beherbergt heute ein Museum zum Berner Seeland.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Aeschbacher, Paul - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Jura und Seeland, II. Teil | Basel, 1936 | S. 6-18
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 2 | Neuenburg, 1966 | S. 72-75
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 146
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 11: Bern 2, Neuenburg, Freiburg | Kreuzlingen, 1975 | S. 52-55
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 134
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 9: Kantone Bern und Freiburg | Zürich, 1983 | S. 28-37
  • Moser, Andres - Die Kunstdenkmäler des Kantons Bern, Landband III: Der Amtsbezirk Nidau, 2. Teil | Bern, 2005 | S. 40-51
  • Moser, Andres - Nidau BE [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 439/440] | Bern, 1988
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 138-139
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