LÖWENBURG
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Allgemeine Informationen
Sehenswerte Ruine in Spornlage über dem abgelegen Tal der Lucelle (Lützel) mit Resten eines runden Bergfrieds, des Palas und verschiedener Tor- und Zwingeranlagen. Die Burg wurde bereits im 10. Jhdt. gegründet und um 1200 durch die Herren von Löwenberg als steinerne Wehranlage neu errichtet. Im 16. Jhdt. kam sie ans Kloster Lucelle, das sie zerfallen liess, dafür aber den nahen Gutshof befestigte und weiterführte.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 25' 45.36" N, 07° 18' 59.17" E
Höhe: 625 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 590.780 / 253.170
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Delémont oder ab Laufen der Hauptstrasse 18 bis nach Soyhières folgen. Hier nach Norden abzweigen und auf der Route de France über Movelier nach Ederwiler fahren. Im Dorfzentrum links abbiegen in Richtung Löwenburg. Parkplätze sind beim Gut Löwenburg vorhanden. Von hier führt ein markierter Wanderweg in ca. 10 Min. hinauf zur Ruine.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Basel SBB mit der Bahn nach Laufen. Von da weiter mit dem Bus bis nach Roggenburg, Haltestelle Abzweiger Löwenburg. Nun zu Fuss dem Strässchen rund 1 km in westlicher Richtung bis zum Gut Löwenburg und dann dem Wanderweg zur Ruine folgen.
Wanderung zur Burg
Die Burg liegt am markierten Wanderweg zwischen Ederswiler und Gut Löwenburg.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Löwenburg
Quelle: Meyer, Werner - Burgen von A bis Z: Burgenlexikon der Regio | Basel, 1981 | S. 172
Historie
Die Löwenburg, Stammsitz der Herren von Löwenberg, bildete das Zentrum einer kleinen Rodungsherrschaft im Lützeltal, dem Grenzgebiet zwischen Sornegau und Sundgau. Wie archäologische Funde belegen, entstand eine erste Burganlage an dieser Stelle bereits im späten 10. Jhdt.. Über die Bauherren ist nichts bekannt, doch dürfte es sich um die Vorfahren der vermutlich eng miteinander verwandten Familien von Löwenberg und von Steinbrunn handeln. Wie die späteren Besitzverhältnisse vermuten lassen, stammte diese edelfreie Sippe ursprünglich aus dem Sundgau, wo sie vor allem im Waldighofertal in der Umgebung von Henflingen zahlreiche Güter besass. Da der Einfluss der hochburgundischen Könige auf das an der Peripherie ihres Reiches gelegene Lützeltal nur gering war, war es dieser Adelfamilie möglich, sich hier nahe einem alten Verbindungsweg vom Elsass ins Jura festzusetzen.

Die Vorgängeranlage der Löwenburg war ein einfacher Bau aus Holz, der auf einem Geländesporn über dem Tal lag. Zu ihr gehörten das noch erhaltene Hofgut und einige Höfe, Wald-, Weide- und Ackerflächen in der näheren Umgebung. Kurz vor 1200 entschlossen sich die Besitzer zum Bau einer neuen Festung aus Stein, die alte Holzburg scheint zu Beginn der Arbeiten in Flammen aufgegangen zu sein. Auf dem Hügel entstand nun eine massive Umfassungsmauer, an die sich inwendig hölzerne Gebäude anlehnten. Das nötige Baumaterial wurde westlich der Anlage im Burggraben ausgebrochen.
1235 wird Heinrich I. von Löwenberg als erster bekannter Vertreter seiner Familie in einer Urkunde genannt. Obwohl er dabei als Zeuge in einer Angelegenheit der Grafen von Pfirt (Ferette) auftrat, scheint er kein Vasall dieser mächtigen Herren gewesen zu sein. Dies änderte sich allerdings bereits unter der nächsten Generation. Heinrich II. und Rudolf I. von Löwenberg treten ab 1250 als treue Gefolgsleute der Pfirter Grafen auf. Und als Graf Ulrich seine Herrschaft 1271 ans Bistum Basel veräusserte, war darin auch die Oberlehnshoheit über die Herrschaft Löwenburg mit eingeschlossen. Weil der Bischof die Pfirter mit ihrer alten Herrschaft belehnte, blieben diese aber weiterhin der wichtigste Bezugspunkt für die Löwenberger. Diese Abhängigkeit, wohl aus machtpolitischen Gründen freiwillig gewählt, brachte den Herren von Löwenberg keinerlei Nachteile, empfingen sie doch von den Grafen etliche weitere Güter als Lehen.

Um die Mitte des 13. Jhdts. wurde die Löwenburg erneut umgestaltet. Im Ostteil des Berings entstand nun ein mächtiger Palas, während der westliche Teil von einem runden Bergfried mit 3 Meter dicken Mauern dominiert wurde. Nach einem Brand um 1270/1280 wurde die Burg wieder hergestellt, im 14. Jhdt. folgte die Erweiterung um den Zwinger mit den vorgelagerten Toranlagen.
Nach dem Aussterben der Grafen von Pfirt gerieten die Löwenberger in Abhängigkeit von Habsburg-Österreich. Dies brachte sie zeitweise in Konflikt mit der immer stärker den Eidgenossen zuneigenden Stadt Basel, in der sie auf dem Leonhardsberg ein Haus besassen. Trotzdem unterhielten sie enge Beziehungen mit dem Stadtadel, beonders mit den Familien der Schaler und der Münch.

1356 wurde die Löwenburg im grossen Basler Erdbeben schwer beschädigt. Die Zisterne wurde verschüttet, der runde Bergfried stürzte ein und wurde danach aufgegeben. Und 1366 starb mit Heinrich IV. der letzte männliche Vertreter der Familie von Löwenberg. Die ältere seiner Töchter, Katharina, hatte Konrad VIII. Münch von Münchenstein geheiratet, weshalb die Herrschaft nun deren Sohn Johans zufiel. Er gründete den bis 1759 existierenden Familienzweig der Münch von Löwenberg.
Diese neue Besitzerfamilie versuchte, sich in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem habsburgtreuen Landadel und der Stadt Basel im 14. und 15. Jhdt. so neutral wie möglich zu verhalten, litt aber dennoch unter den Kriegsfolgen, weil auch ihre Güter wiederholt verwüstet wurden. Als 1465 der burgundische Adel eine Fehde gegen die Stadt Solothurn begann, eroberten die Solothurner bei einer Vergeltungsaktion die Löwenburg, obwohl Hans Münch von Löwenberg auf ihrer Seite stand. Unter fadenscheinigen Gründen hielt die Aarestadt die Festung bis Mitte Januar 1466 besetzt, musste sie dann aber auf Druck des Basler Bischofs wieder zurückgeben.
Der Burgunderkrieg, in welchem die Münch zeitweise auf Seiten der Eidgenossen gegen Herzog Karl den Kühnen kämpften, brachte weitere finanzielle Belastungen, weshalb die Familie ab der zweiten Hälfte des 15. Jhdts. immer mehr ihrer Güter und Rechte verkaufen musste. 1523 entschlossen sich die drei Brüder Hans Thüring II., Jakob I. und Mathias I. Münch von Löwenberg, auch den grössten Teil der Herrschaft Löwenburg für 13'000 rheinische Goldflorins ans benachbarte Kloster Lucelle (Lützel) zu veräussern. Habsburg-Österreich willigte ein, auf seine Lehnshoheit zu verzichten, doch verzögerten ein Brand des Klosters und der Bauernkrieg den Abschluss des Handels bis in den April 1526.

Die Löwenburg wurde nach dem Verkauf aufgegeben und intensiv als Steinbruch genutzt, als das Kloster um 1580 das Hofgut im Tal ausbaute und befestigte. Das restliche Mauerwerk zerfiel rasch. Mit der Aufhebung des Klosters nach der Besetzung durch Frankreich (1792) wurde auch die alte Herrschaft Löwenburg aufgelöst. Ihre Einzelteile wechselten in Privatbesitz über. 1956 erwarb die Christoph Merian Stiftung in Basel das Hofgut samt der Ruine und liess diese von 1959 bis 1967 umfassend ausgraben und restaurieren. Etliche der dabei ausgegrabenen Kleinfunde sind heute im Museum auf Gut Löwenburg zu besichtigen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente inkl. Infotafel im Museum des Gutshofs Löwenburg.
Literatur
  • Aeschbacher, Paul - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Jura und Seeland, I. Teil | Basel, 1934 | S. 25-29
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 398
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 72-74
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 11: Bern 2, Neuenburg, Freiburg | Kreuzlingen, 1975 | S. 44-47
  • Maurer, Emil / Meyer, Werner - Die Löwenburg JU [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 96] | Basel, 1970
  • Maurer, Emil / Meyer, Werner - Die Löwenburg JU [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 96] | 2. überarb. Aufl. | Bern, 1989
  • Meyer, Werner - Burgen von A bis Z: Burgenlexikon der Regio | Basel, 1981 | S. 171-173
  • Meyer, Werner - Die Löwenburg im Berner Jura: Geschichte der Burg, der Herrschaft und ihrer Bewohner [Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft, Bd. 113] | Basel/Stuttgart, 1968
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 7: Kantone Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Neuenburg, Jura und Laufental | Zürich, 1981 | S. 88-89
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 198-199
  • Tauber, Jürg - Herd und Ofen im Mittelalter [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 7] | Olten, 1980 | S. 180-193
Webseiten mit weiterführenden Informationen
    k.A.
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