OBERE BURG GRENCHEN (BETTLESCHLOSS)
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Allgemeine Informationen
Als Mittelpunkt einer frühen Rodungsherrschaft wurde die obere Burg Grenchen im späten 10. Jhdt. auf der Schlossfluh über Bettlach errichtet. Die Anlage bestand zunächst aus Erdwerken, Holz- und Fachwerkbauten. Um 1150 wurde sie jedoch durch eine Steinburg mit massivem Wohnturm ersetzt. Diese Anlage war der Wohnsitz der edefreien Herren von Grenchen und wurde um 1200 nochmals erweitert. Nach dem Aussterben der Familie in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. gelangte sie an die Grafen von Neuenburg-Strassberg, wurde aber bereits um 1270 verlassen. In den Jahren 1959 und 1961 wurde die Ruine ausgegraben und konserviert. Ungeklärt ist die Funktion der unteren Burg, die rund 150 Meter tiefer lag.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 13’ 08.76“ N, 07° 24’ 12.96“ E
Höhe: 951 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 597.350 / 229.800
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Gutes Schuhwerk ist notwendig: Gebirgsgelände mit steilen Abhängen und Felswänden.
Anfahrt mit dem PKW
Ab Solothurn auf der Hauptstrasse 5 (Solothurnstrasse) in westlicher Richtung nach Bettlach fahren. Am Kreisel im Ort rechts abbiegen und der Dorfstrasse bergauf bis zum Dorfplatz folgen. Nun geradeaus weiter und auf der Allmendstrasse hinauf bis zum Schiessstand Lauacher. Kostenlose Parkplätze vor Ort. Ab hier zu Fuss den Wanderwegweisern in Richtung Bettlachberg folgen bis zur Abzweigung Burg Grenchen (Wanderung ca. 45 Min.).
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Solothurn mit dem Regionalzug in Ruchtung Biel/Bienne bis nach Grenchen Süd. Vom Bahnhof aus fährt jeweils am Mittwoch, Samstag und Sonntag die Buslinie 38 (in Richtung Grenchenberg) bis zur Haltestelle Bettlachrank. Ab hier dem Wanderwegweiser zur Burg Grenchen folgen (ca. 15 Min.). An den anderen Wochentagen den Regionalzug bereits in Bettlach verlassen und ab hier mit der Buslinie 31 (in Richtung Allmend) bis zur Haltestelle Bergstrasse fahren. Anschliessend gleicher Zustieg wie bei der Anfahrt mit dem Auto (siehe oben).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss obere Burg Grenchen
Quelle: Meyer, Werner - Die Burg Grenchen: Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung | In: Historischer Verein des Kantons Solothurn (Hg.) - Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, Bd 36 | Solothurn, 1963 | S. 198 | Infotafeln auf der Burg | bearbeitet und Bauphasen eingefügt von O. Steimann, 2017
Historie
Am felsigen Berghang über dem Dorf Bettlach, auf dem Felsvorsprung der Schlossfluh, entstand gegen Ende des 10. Jhdts. eine der frühesten Rodungsburgen des Jura. Das durch einen Graben vom Berg getrennte Burgareal wurde durch einen langen Wall geschützt, auf dessen Kuppe sich ein geflochtener Zaun befand (2012 teilweise rekonstruiert). Hinter dem Wall wurde das Gelände stellenweise terrassiert. Die Fundgegenstände aus dieser frühen Besiedlungsperiode umfassen neben Keramik auch Pfeileisen, Messerklingen und Hufeisen. Im südwestlichen Teil des Areals wurden Steine freigelegt, die als Unterlage für die Balkenkonstruktion eines kleinen Hauses (ca. 5 x 5 Meter) gedient haben dürften.
Über die Bauherrschaft und das genauere Aussehen dieser frühen Burganlage aus Holz- und Fachwerkbauten lassen sich nur Vermutungen anstellen. Es wird allgemein angenommen, dass die Vorfahren der Herren von Grenchen hier ihren Wohnsitz hatten.

Dieses edelfreie Geschlecht taucht mit «Chono de Granechun» (Kuno von Grenchen) 1131 erstmals in einer Schriftquelle auf. Kuno war Zeuge bei der Stiftung des Klosters Frienisberg (BE). Vielleicht schon unter ihm, spätestens aber unter dem ab 1175 auftauchenden Ritter Hesso von Grenchen wurde die alte Holzburg abgebrochen und durch eine kompaktere, steinerne Anlage ersetzt. Deren Hauptbau war ein grosser Wohnturm mit quadratischem Grundriss (11,5 Meter Seitenlänge). Südöstlich davon erstreckte sich der Burghof, der damals mit einer ersten Ringmauer umgeben wurde.
Um 1200 erfolgte die letzte Bauphase. Der Bering wurde neu gebaut um umfasste nun eine grössere Fläche. Zwischen dieser neuen Mauer und der Ostecke des Turms errichtete man zudem einen Backofen. Weiter Gebäude aus Fachwerk entstanden im Burghof, wurden aber kurz nach ihrer Fertigstellung durch ein Feuer zerstört. Gemäss den archäologischen Untersuchungen wurden sie unmittelbar danach wieder aufgerichtet.

Die letzte bekannte Vertreterin des Hauses Grenchen war Berta II., verheiratet mit Graf Rudolf I. von Neuenburg-Nidau. Von vier Grundstücken «sub castro de Granges» (unterhalb der Burg Grenchen) stiftete sie 1225 eine Jahrzeit zu ihrem Seelenheit im Kloster Erlach. Mit ihr starb die Familie in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. aus. Nun fiel die Herrschaft Grenchen dem Strassberger Zweig der Neuenburger zu. Dieser scheint die Anlage nicht mehr intensiv genutzt zu haben, sondern liess sie wahrscheinlich durch Dienstleute verwalten. Der Fundlage zufolge wurde sie ab etwa 1270 nicht mehr ständig bewohnt.
1309 führte eine Erbteilung dazu, dass die Burg vom Grenchener Gebiet getrennt und mit Besitzungen in Bettlach verknüpft wurde – beides gehörte zum Erbteil von Berchtold von Strassberg. Als diese Güter und Rechte 1347 erbweise Graf Rudolf IV. von Neuenburg-Nidau zufielen, wird die Burg nochmals erwähnt, war damals aber mit Sicherheit schon eine Ruine.

1583 wurde vom Solothurner Rat der Auftrag erteilt, «das alt Burgstall von Bettlach» abzubrechen, um Steine für den Bau eines Gefängnisturms in Grenchen zu gewinnen. Dies führte dazu, dass die Ruine nahezu gänzlich verschwand. Gemäss einem Bericht von 1865 waren damals nur noch «mürbe, mit Tannenholz überwachsene Trümmer eines unbedeutenden Gebäudes» zu erkennen. Aufsehen erregte die Burg Grenchen, als 1930 ein Einwohner von Bettlach hier einen bedeutenden Münschatz aus dem 14. Jhdt. entdeckte. Dieser umfasste 300 Silberschrötlinge, ein paar fertige Münzen sowie je einen Silber- und Eisenbarren.
Auf Betreiben der Museumsgesellschaft Grenchen wurde die Kernburg in den Jahren 1959 und 1961 ausgegraben und konserviert. Dabei musste man leider feststellen, dass das Innere des Wohnturms bereits früher von Raubgräbern ausgeräumt worden war. Bisher nicht wissenschaftlich untersucht wurde die untere Burg Grenchen. Sie stand südwestlich der oberen Burg auf der 150 Meter tiefer gelegenen Hofacherfluh. Die Burgstelle besteht aus einem langen, durch einen Graben geschützten Plateau mit wenigen Fundamentspuren.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Amiet, Bruno - Die Burgen und Schlösser des Kantons Solothurn | Basel, 1930 | S. 30-32
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 528
  • Fischer, Eduard / Allemann, Otto - Solothurnische Burgen | Solothurn, 1962 | S. 61-62
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 7: Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Solothurn | Kreuzlingen, 1971 | S. 125-127
  • Meyer, Werner - Die Burg Grenchen: Ein Beitrag zur wissenschaftlichen Burgenforschung | In: Historischer Verein des Kantons Solothurn (Hg.) - Jahrbuch für Solothurnische Geschichte, Bd. 36 | Solothurn, 1963 | S. 142-219
  • Tauber, Jürg - Herd und Ofen im Mittelalter [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 7] | Olten/Freiburg i.Br., 1980 | S. 222-227
Webseiten mit weiterführenden Informationen
Sonstiges
  • Burgsage: Der Teufel vom Bettleschloss
    Der Teufel vom Bettleschloss

    Einst hauste auf der Burg Grenchen ein übler Tyrann, der das Volk bedrückte und aussaugte. Ein benachbarter Burgherr hatte Mitleid mit dessen Untertanen und beschloss, sie von ihrem Leid zu erlösen. Dazu überredete er die Schlossmagd von Grenchen, ihm zu helfen. Eines Abends, als der Tyrann in seiner Burg hinter dem Bierhumpen sass, brachte die Magd ein Licht herein und stellte es gegenüber dem Tisch ins Fenster. Von dort kam kurz darauf ein Bolzen hereingeschossen und traf den bösen Burgherrn ins rechte Auge, worauf er tot vom Stuhl fiel. Sein Geist aber kam nicht zur Ruhe und irrte fortan in Teufelsgestalt durch die Ruine. In einer grossen Kiste bewachte er in einem unterirdischen Gang einen Schatz. Alle Schatzgräber, die diesen zu heben versuchten, verloren ihr Werkzeug und mussten froh sein, wenn sie mit dem Leben davon kamen. Und wenn der Wind jeweils von Norden wehte, kam der Teufel heraus auf die Rothenfluh und jauchzte und johlte, dass niemand des Lebens mehr sicher sei. Auch die Sennen plagte er oft und führte sie auf Irrwege. Seit dem Einmarsch der Franzosen hat man ihn zwar nicht mehr gesehen. Doch wenn der Wissbach in schlimmen Regentagen grosse Steine und Tannäste mitriss, sagte man sich auch später noch, dass der Schlossteufel wieder regiere.

    Quelle: gekürzte Fassung auf Basis von: Strub, Werner - Heimatbuch Grenchen | Solothurn, 1949 | wiki.stadtgeschichte-grenchen.ch
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