BURG STRÄTTLIGEN (STRÄTTLIGTURM)
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Allgemeine Informationen
Kompakte, vermutlich im 12. Jhdt. errichtete Burganlage, die als ursprünglicher Wohnsitz der Freiherren von Strättligen betrachtet wird. Letztere zählten im 13. und frühen 14. Jhdt. zu den dominierenden Adelssippen im Berner Oberland. 1332 wurde die Burg im Gümmenenkrieg durch Bern zerstört und blieb Ruine. Lediglich der Turm wurde ab 1699 neu aufgebaut und als Pulver- und Munitionsdepot genutzt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 42’ 46.10“ N, 07° 37’ 41.90“ E
Höhe: 656 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 614.500 / 173.530
Kontaktdaten
Amt für Stadtliegenschaften | Postfach 145 | CH-3602 Thun
Tel: +41 (0)33 225 83 37 | E-Mail: vermietung@thun.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Thun-Süd verlassen und in westlicher Richtung bis zum nächsten Kreisverkehr fahren, wo die Kantonsstrasse 6 (Pfandernstrasse) nach Süden abzweigt. Dieser unter der A6 hindurch bis ins Quartier Gwatt folgen. Auf der Spiezstrasse in südöstlicher Richtung fahren, bis nach etwa 600 Metern rechts die Hauptstrasse 227 (Gwattstutz) abzweigt. Dieser nun bergauf folgen bis kurz vor die erneute Querung der A6. Parkmöglichkeit unmittelbar vor der Brücke auf der rechten Strassenseite. Von hier führt ein Fussweg ein Stück zurück und dann links bergauf zur Burg (Zustieg ca. 12 Min.).
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Bahnhof Thun mit der Buslinie 55 (in Richtung Wimmis) bis zur Haltestelle Gwatt, Gwattstutz. Der Hauptstrasse ein kurzes Stück weiter bergauf folgen, bis rechts der markierte Wanderweg zur Burg abbiegt (Zustieg ca. 13 Min.).
Wanderung zur Burg
Die Burg liegt direkt an der ViaJacobi, der ViaBerna und am Panorama Rundweg Thunersee.
Öffnungszeiten
Nur Aussenbesichtigung möglich. Die Stadt Thun vermietet die Burg jedoch für private Anlässe (siehe unter Kontakt).
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Strättligen
Quelle: gemäss Infotafel auf der Burg neu gezeichnet von O. Steimann, 2026
Historie
Vermutliche Gründung im 12. Jhdt.
Kurz bevor die Kander in den Thunersee mündet, durchschneidet sie zwischen Gwatt und Einigen einen letzten Höhenrücken, auf dessen nördlichem Teil die Burg Strättligen steht. Obwohl sie erst im Spätmittelalter Erwähnung findet, wird die Anlage allgemein als namensgebender Wohnsitz der Freiherren von Strättligen betrachtet. Über das Aussehen der ursprünglichen, wohl im 12. Jhdt. errichteten Burg ist wenig bekannt. Auf sie dürften die beiden Gräben im Nordwesten und Südosten der Anlage zurückgehen, möglicherweise auch der rund 1,5 Meter starke Bering. Am Ort des neuzeitlichen Turms mit seinem Grundriss von etwa 8 x 13 Metern stand im Mittelalter ein Vorgängerbau.

Die Ursprünge der Freiherren von Strättligen
Die Herkunft des bedeutenden Adelsgeschlechts ist sagenumwoben. So behauptete der spätmittelalterliche Chronist Conrad Justinger, die Strättliger würden vom burgundischen Königshaus der Rudolfinger abstammen. Tatsächlich wird die Familie aber erst ab 1175 mit «dominus Henricus de Stretelingen» urkundlich fassbar.
Ihr Kernbesitz umfasste zahlreiche Güter und Rechte westlich und südlich des Thunersees und im Simmental, aber auch im Zürcher Unterland. Einiges deutet darauf hin, dass sie mit der Adelssippe der Rapperswiler verwandt waren. Sie waren Gefolgsleute der Herzöge von Zähringen und später der Grafen von Savoyen. Als solche konnten die Strättliger ihre Stellung im Berner Oberland bedeutend ausbauen: Sie wurden Vögte von Wimmis und erbauten wahrscheinlich die dortige Burg, sie waren aber auch Burgherren zu Spiez und in Diemtigen.

Machtentfaltung und Niedergang der Strättliger
Den Höhepunkt ihrer Macht erreichte die Familie um die Mitte des 13. Jhdts. unter Freiherr Heinrich II. und dessen Sohn Heinrich III. Bis heute ist umstritten, welcher von beiden als Minnesänger im berühmten Codex Manesse (Grosse Heidelberger Liederhandschrift) verewigt wurde. Johann III. von Strättligen wanderte um 1300 nach England aus und begründete dort eine Seitenlinie, die bis ins 18. Jhdt. existierte. Im Berner Oberland begann um die gleiche Zeit aber der ökonomische Abstieg der Familie. Heinrich IV. von Strättligen gelangte im 14. Jhdt. zwar in den Besitz der Burg Laubegg und des Reichslehens Mannenberg, musste 1336 aber beides wieder veräussern. Mit seinem Onkel Johannes IV. wird die Familie 1349 letztmals in den Schriftquellen erwähnt.

Zerstörung der Burg und Neubau des Turms
Die Burg Strättligen war zu jenem Zeitpunkt bereits zerstört. Truppen der Stadt Bern hatten sie 1332 im sogenannten Gümmenenkrieg erobert und gebrandschatzt. Vermutlich kam die Ruine zusammen mit der Herrschaft Spiez 1338 durch Kauf in die Hände der Herren von Bubenberg. Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte sie 1590 schliesslich an Bern, was an ihrem Zustand vorerst aber nichts änderte.
1699 erteilte die Berner Regierung den Auftrag, auf den mittelalterlichen Mauerresten den heute sichtbaren, fünfstöckigen Turm aufzubauen, um diesen als Pulver- und Munitionsdepot nutzen zu können. Diese Arbeiten wurden 1701 abgeschlossen. Später wurde das Bauwerk durch einen Blitzeinschlag zerstört, aber bald wieder hergerichtet. Die Munitionslagerung im Turm wurde 1883 aus Sicherheitsgründen aufgegeben, 1977 schenkte der Kanton Bern die Burg der Stadt Thun. Umfangreiche Instandsetzungsmassnahmen wurden zuletzt 2014 durchgeführt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 169
  • Hälg-Steffen, Franziska - von Strättligen | In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Stand vom 01.05.2026: hls-dhs-dss.ch
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 10: Bern 1 | Kreuzlingen, 1974 | S. 122-124
  • Liechti, Erich - Burgen, Schlösser und Ruinen im Simmental | Thun, 2021 | S. 32-33
  • Von Fischer, Rudolf - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Berner Oberland, II. Teil | Basel, 1939 | S. 30-34
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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