BURG OBERGURZELEN
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Allgemeine Informationen
Die Burg Obergurzelen wurde im 12. oder 13. Jhdt. von einer unbekannten Adelsfamilie errichtet und war Zentrum einer kleinen Herrschaft. Erste gesichtere Besitzer um 1259 waren die Freiherren von Strättligen. 1344 wurde die Herrschaft endgültig mit Niedergurzelen zusammengelegt, die Burg aufgegeben und dem Zerfall überlassen. 2010 konnten die spärlichen Reste von Turm und Ringmauer archäologisch untersucht werden.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 46’ 32.30“ N, 07° 32’ 28.30“ E
Höhe: 641 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 607.830 / 180.500
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Thun-Nord verlassen und dem Autobahnzubringer (221) in westlicher Richtung bis nach Seftigen folgen. Kurz nach dem Dorfausgang links abbiegen und die Bahnlinie unterqueren in Richtung Gurzelen. Nach 400 m wiederum links abbiegen und im Ort erneut links in Richtung Obergurzelen halten. Die Reste der Burg befinden sich im südlichen Dorfteil beim Haus Burg Nr. 6 direkt an der Strasse.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Thun mit der Bahn (S44 in Richtung Sumiswald-Grünen) bis nach Uetendorf. Ab hier weiter mit der Buslinie 57 nach Gurzelen, Haltestelle Obergurzelen. Die Reste der Burg befinden sich 200 m südwestlich der Haltestelle beim Haus Burg Nr. 6.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Die wenigen Mauerreste befinden sich auf einem Privatgrundstück, sind von aussen aber einsehbar.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Obergurzelen
Quelle: gezeichnet von O. Steimann, 2026 | u.a. auf Basis von: Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Archäologie Bern 2010 | Bern, 2010 | S. 85
Historie
Zwei Kleinherrschaften aus dem Hochmittelalter
Gurzelen bestand ursprünglich aus zwei unabhängigen Herrschaften, beide mit Adelssitz und Pfarrkirche. In (Nieder-) Gurzelen bildete die Festi (Burg Bennenwil) den Herrschaftmittelpunkt, in Obergurzelen war es die 1254 erstmals direkt erwähnte Turmburg. Vermutlich war eine der beiden Wehranlagen der Wohnsitz des bereits 1230 genannten Ritters «H. de Gurcellun».

Die Burganlage im 13. Jhdt.
Das Entstehungsdatum der Burg Obergurzelen konnte trotz archäologischer Sondierungen bisher nicht genau festgelegt werden. Möglicherweise stand auf dem unauffälligen Geländesporn mitten in der Siedlung bereits im 12. Jhdt. eine Anlage aus Holz, die dann spätestens in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. durch steinerne Bauten ersetzt wurde. Kern der Anlage war ein Wohnturm mit einem quadratischen Grundriss von 9,25 x 9,25 Metern und einer Mauerstärke von 1,7 Metern. Das Zweischalenmauerwerk bestand aus unbehauenen Kieselbollen und war mit einem «Rasa-Pietra»-Verputz versehen, der die Kuppen der einzelnen Steine sichtbar hervorstehen liess.
Etwa 4 Meter nördlich des Turms sind noch die Überreste einer Ringmauer erkennbar, ebenfalls 1,7 Meter dick und im gleichen Stil erbaut. Sie stiess offenbar an die nördliche Turmecke an – der weitere Verlauf und somit auch die Grösse des ursprünglichen Burgareals sind nicht bekannt. Einziges Indiz für eine Vorburg ist ein kurzer Mauerrest, der nochmals etwa 8 Meter weiter nördlich nachgewiesen werden konnte. Er gehörte zu einem Gebäude mit in den Hang gegrabenem Kellerraum.

Besitzerwechsel und Umbau im 14. Jhdt.
Noch vor 1259 befand sich die Burg Obergurzelen im Besitz von Freiherr Rudolf von Strättligen, der zusammen mit den Herren von Burgistein auch die Herrschaft Niedergurzelen übernehmen konnte. Bis 1263 schenkten die beiden Familien die zwei Kirchen samt Vogteien und zugehörigen Gütern dem Kloster Interlaken. Dieses fusionierte 1272 die beiden Pfarreien und degradierte die Kirche Obergurzelen zur Kapelle.
Spätestens um 1300 konnte Laurenz Münzer, der kurz darauf Schultheiss von Bern wurde, alle Herrschaftsrechte in Gurzelen auf sich vereinen. So wurden nun auch die beiden Gerichte zusammengelegt. Trotzdem wurde die Burg Obergurzelen im 14. Jhdt. nochmals ausgebaut. Die Turmwände erhielten inwendig eine 0,6 Meter dicke, glatt verputzte Vormauerung. Grund dafür könnte der Einbau eines Gewölbes im Sockelgeschoss gewesen sein. Entlang der Nordwand entstand zeitgleich ein breiterer Mauerblock, über den eine Treppe ins Obergeschoss führte. Ausserdem erhielt der Innenraum einen neuen, gemörtelten Fussboden. Auch das Gebäude nordseits der Kernburg erhielt eine Vormauerung im gleichen Stil.

Auflassung, Zerfall und archäologische Untersuchung
Laurenz Münzer vererbte die vereinigte Herrschaft Nieder- und Obergurzelen seiner Tochter Anna, verheiratet mit dem Berner Bürger Werner Huter. Als dieser verstarb, versuchte Annas Bruder Kuno Münzer, sich Rechte in Gurzelen anzueignen. Die Witwe verkaufte die Herrschaft deshalb 1344 an die Angehörigen ihrer Schwester Geppa, die Familien von Bennenwil und von Lindach.
Die neuen Besitzer entschieden sich für die Festi in Niedergurzelen als Sitz der Herrschaft, die Burg Obergurzelen verlor damit ihre Bedeutung und wurde in den Schriftquellen fortan nicht mehr erwähnt. Es ist davon auszugehen, dass sie bereits um die Mitte des 14. Jhdts. dem Zerfall überlassen wurde. Mehrere Flur- und Strassennamen in Obergurzelen erinnern allerdings bis heute an die mittelalterliche Wehranlage. 2010 konnte die Berner Kantonsarchäologie Sondiergrabungen vornehmen und die Reste von Turm und Ringmauer genauer untersuchen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Baeriswyl, Armand / Eichenberger, Pierre - Gurzelen, Obergurzelen, Burg 6: «mansum situm in Gurzillon et turrim ibidem»; Die Turmburg von Obergurzelen | In: Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Archäologie Bern 2010 | Bern, 2010 | S. 84-87
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 126
  • Dubler, Anne-Marie - Die Region Thun-Oberhofen auf ihrem Weg in den bernischen Staat (1384-1803) | In: Berner Zeitschrift für Geschichte um Heimatkunde, Bd. 66 | Bern, 2004 | S. 105-107
  • Dubler, Anne-Marie - Gurzelen (BE) | In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Stand vom 06.07.2026: hls-dhs-dss.ch
  • Schmid, Bernhard / Moser, Franz - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau, I. Teil | Basel, 1942 | S. 104
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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