BURG MARSCHLINS
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Allgemeine Informationen
Gut erhaltene, wenn auch baulich stark veränderte ehemalige Wasserburg mit weitläufigem Grabensystem. Marschlins wurde im 13. Jhdt. wahrscheinlich durch den Bischof von Chur errichtet. Mit ihrem Grundmuster des carré savoyard (Rechteck mit vier Rundtürmen) ist die Anlage im rätischen Raum ein Unikum.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 57' 16.50" N, 09° 35' 04.60“ E
Höhe: 533 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 763.330 / 202.620
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Im Rheintal die Autobahn A13 bei der Ausfahrt Landquart verlassen und in südöstlicher Richtung weiter nach Igis fahren. Am Ortseingang links in die Stationsstrasse einbiegen und bei der nächsten Kreuzung geradeaus weiter auf der Kreuzwiesenstrasse. Dann links auf die Gandastrasse einbiegen, die zur rund 1 km vom Dorf entfernten Burg führt.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Bahnhof Landquart mit dem Bus in Richtung Untervaz bis zur Haltestelle Igis, Kreuzwiese. Ab hier zu Fuss in rund 15 Min. über Kreuzwiesen- und Gandastrasse zur Burg.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Die Burg ist in Privatbesitz und kann nur von aussen besichtigt werden.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Marschlins
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 304 | bearbeitet von O. Steimann, 2005
Historie
Die Ursprünge der aussergewöhnlichen Burganlage von Marschlins sind unklar. Der Name lässt sich auf die Bezeichnung «marcidus» (sumpfiger Boden) zurückführen; eine Benennung, die für eine ältere Anlage sprechen würde. Regionale Sagen siedeln ihre Gründung gar in karolingischer Zeit an. Die heute sichtbare Burg ist jedoch mit Sicherheit erst um die Mitte des 13. Jhdts. entstanden. Sie entspricht ziemlich exakt dem Typus des carré savoyard, einem im Herrschaftsgebiet der Grafen von Savoyen damals beliebten Grundriss: Ein rechteckiger Bau mit Flankierungstürmen an allen Ecken, wobei einer als stärkerer Donjon ausgeführt ist. Wie diese Bauform aus dem burgundisch/westschweizerischen Raum nach Rätien gelangte, lässt sich nur vermuten. Von 1233 bis 1237 war Ulrich IV. von Kyburg Bischof von Chur. Sein Bruder, Graf Hartmann IV., war verheiratet mit Margarethe von Savoyen. Vielleicht orientierte sich Ulrich als Bauherr damals am savoyischen Raum.

Dass keine lokale Adelsfamilie mit dem Namen der Burg bezeugt ist, spricht ebenfalls für eine bischöfliche Gründung. Möglicherweise mit Bauleuten aus dem westschweizerischen Raum wurde das Mauerrechteck von 34 auf 39 Meter errichtet und mit vier Türmen bestückt, wovon der südliche mit seinen rund 11 Metern Durchmesser eindeutig als Hauptturm oder Donjon anzusprechen ist. Auf der Nordseite lehnte sich inwendig an die Mauer der älteste Wohntrakt an. Die Kernburg wurde von zwei ebenfalls rechteckigen Gräben umgeben, die im Mittelalter mit Wasser gefüllt waren. Dieses wurde wohl aus Quellen an der nur 250 Meter entfernten Bergflanke zugeleitet. Der Zugang erfolgte von Westen her vermutlich über eine Ziehbrücke, die später durch eine steinerne Brücke ersetzt worden ist.

Erst 1324 erfolgt die erste schriftliche Erwähnung der Burg als «castrum Marzhenins». 1336 stritten sich der Churer Bischof und Graf Ulrich von Montfort um den Besitz von Marschlins und einigten sich darauf, diese bis zur Schlichtung der Auseinandersetzung dem Hug Tumb von Neuburg anzuvertrauen. Der Bischof scheint danach recht bekommen zu haben, denn bereits 1337 konnte er Herzog Albrecht von Österreich mit Marschlins belehnen.
Für Habsburg-Österreich sassen nun die Herren von Stadion auf der Burg, bis der Herzog diese 1354 als Lehen an Graf Friedrich von Toggenburg vergab, um sich vorübergehend dessen Unterstützung gegen Zürich und die Eidgenossen zu sichern. Nach dem Aussterben der Toggenburger (1436) kam das Lehen Marschlins an die Familie Brandis, welche die Burg um 1442 an Heinrich von Sigberg verpfändete. Oberster Lehnsherr blieb allerdings der Bischof von Chur.
Um 1460 kam es aus ungeklärten Gründen zu einem Brand auf der Burg. Über die Kosten der Reparatur gerieten die Brandis und die Sigberg in Streit. Abgeordnete der Drei Bünde entschieden deshalb, dass die Brandis das Pfand Marschlins auslösen und die Repatarurkosten zwischen beiden Parteien geteilt werden sollen.

1462 überging der Herzog von Österreich die Lehnshoheit des Bischofs und verkaufte Marschlins an Ulrich von Brandis, der als sein Vogt in Feldkirch amtete. 1467 schenkte er ihm dazu noch Güter und Leute in Malans, Untervaz und Valzeina. Die Brandis wollten die Herrschaft 1498 offenbar veräussern, doch scheint der ausbrechende Schwabenkrieg diesen Handel verhindert zu haben. Die Kriegskosten wurden später unter allen Orten und Gemeinden aufgeteilt, doch Johann von Brandis wollte oder konnte seinen Anteil nicht bezahlen. Deshalb musste er die Burg Marschlins um 1509 an Ulrich Goeldin verpfänden. 1518 wurde das Pfand bei einer weiteren Handänderung für 800 Gulden eingelöst, fortan gehörten Burg und Herrschaft Marschlins der Familie Gugelberg.
1633 kam die Burg nach weiteren Besitzerwechseln an einen Zweig der Familie von Salis, der sich bald darauf von Salis-Marschlins zu nennen begann. Ab 1771 befand sich eine Erziehungsanstalt in der Burg, später auch eine Tabakfabrik und eine Seidenspinnerei. Während der französischen Besetzung – einer Zeit, in welcher im Alpenraum immer wieder gekämpft wurde – diente Marschlins als Heerlager. Glaubt man manchen Darstellungen, so sollen von März 1799 bis Dezember 1800 insgesamt 10000 französische Soldaten und 3000 Pferde hier Quartier bezogen haben.

1905 liessen die Salis Marschlins schlossartig umbauen. Die Planung übernahm der Architekt Eugen Probst, der umstrittene Gründer des Schweizerischen Burgenvereins (SBV). Wie bei anderen Umbauprojekten (z.B. Burg Ehrenfels oder Burg Reichenstein) kümmerte sich Probst wenig um die historische Bausubstanz und das verbliebene mittelalterliche Erscheinungsbild der Anlage. Dem Hauptturm wurde ein zusätzliches Stockwerk aufgesetzt, zahlreiche neue Fenster wurden ausgebrochen und das Schloss historisierend verziert. Die Salis verkauften die Anlage 1934, sie befindet sich bis heute in Privatbesitz.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 1 | Neuenburg, o. J. | S. 110-111
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 289
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 304-307
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden) | 2. überarb. und erg. Aufl. | Kreuzlingen, 1981 | S. 91-97
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 281
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 166-168
  • Poeschel Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. VII: Chur und der Kreis Fünf Dörfer | Basel, 1948 | S. 378-386
  • Schmid, Martin - Marschlins | In: Ribi, Hilde et al. - Graubündens Schlösser und Paläste, 1. Teil | Chur, 1969 | S. 7-26
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 41-44
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