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MASSERIA TUNNA
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Apulien
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Provinz Lecce
| Ugento, Fraktion Gemini |
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Informationen für Besucher |
Bilder |
Grundriss |
Historie |
Literatur |
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Allgemeine Informationen
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| Lage |
Geografisch liegt die Masseria fortificata Tunna im flachen, stark von Olivenmonokulturen geprägten Hinterland des Südsalento.
Topografisch befindet sich die Anlage nordwestlich der Masseria Gianferrante im historischen Feudalbezirk Pompignano.
Im territorialen Befestigungsring des ionischen Sektors bildete sie ein wichtiges Bindeglied zwischen den küstennahen Vorposten und dem befestigten Stadtkern von Ugento.
Ihre primäre strategische Aufgabe bestand darin, den landwirtschaftlichen Reichtum vor Plünderungen zu schützen und als schwer einnehmbarer Rückzugsort für die Landbevölkerung der umliegenden Felder zu dienen. |
| Nutzung |
Viehhaltung, leerstehend |
| Bau/Zustand |
Die Masseria fortificata Tunna ist ein imposantes und wehrtechnisch sehr spezifisches Beispiel für die ländliche Verteidigungsarchitektur des 16. Jahrhunderts im Salento.
Der kreisrunde Wehrturm entstand 1553 zunächst als isolierter, taktischer Wachposten auf dem offenen Land zwischen der Küste und den bewohnten Zentren im Hinterland.
Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich der Turm zum baulichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Gutshofs. Er diente fortan als Wohnhaus für den Gutsverwalter (Massaro).
Um diesen befestigten Kern herum wurden im Laufe der Jahrhunderte Ställe, Schafställe, Lager und Hütten angeordnet.
Im Zuge der im regionalen Kontext intensivierten Sarazeneneinfälle errichtet, repräsentiert sie eine wehrhafte Anlage, bei der die agrarische Großproduktion und ein ausgeklügeltes Verteidigungssystem mit zentralisierten Turmbauten Hand in Hand gingen.
Im herrschaftlichen Befestigungsgürtel um Ugento sicherte die Anlage den ertragreichen Feudalbezirk Pompignano ab.
Der bauliche Zustand der Masseria Tunna präsentiert sich historisch authentisch, jedoch in Teilen als sanierungsbedürftig.
Während der zentrale, größere Rundturm im Kernbereich der Anlage strukturell noch gut lesbar ist, zeigen einige der angegliederten Wirtschaftsflügel, Stallungen und der kleinere Turmtrakt deutliche Verfallserscheinungen und strukturelle Schäden.
Agrarhistorische Funktion & Territorialer Befestigungsring:
Die wehrhafte Architektur der Masseria Tunna schützte ein über Jahrhunderte aktives Agrarzentrum, das neben der Viehhaltung und Olivenölproduktion stark auf den Weinbau ausgerichtet war.
Im territorialen Befestigungsring bildete die Gesamtanlage zusammen mit den Nachbarbauten eine dichte Verteidigungskette im südlichen Umland von Ugento:
Masseria Gianferrante (um 1200): Der hochmittelalterliche Nachbarhof an der SP332, berühmt für seinen normannischen Kernbau und die geschützte Innenzisterne.
Masseria Volpi: Das funktionale Gegenstück – ein minimalistisches, befestigtes Kleinbauernhaus (Wehr-Kate) für die dezentrale Punktverteidigung an derselben Verbindungsstraße.
Masseria Colombo: Ein kompakter, befestigter Großgutshof zur Absicherung der agrarischen Logistik im küstennahen Bereich.
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| Typologie |
Masseria fortificata (befestigter Bauernhof / Wehrmasseria) - Masseria turrita (Turmmasseria)
Die typologische Besonderheit liegt im Verteidigungskonzept, das auf zwei Rundtürmen unterschiedlicher Dimensionierung innerhalb des Komplexes basiert.
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| Sehenswert |
- Die Masseria fortificata Tunna zeigt eine deutliche evolutionäre Weiterentwicklung der Wehrarchitektur im Vergleich zu älteren hochmittelalterlichen Einzel-Wehrtürmen.
- Der Wehrturm:
Das markanteste Merkmal des Komplexes ist der Rundturm. Ein Zugang führt in das erste Obergeschoss. Die ursprüngliche, hölzerne Leitertreppe, die weiter auf die Dachterrasse (den Ausguck) führte, fehlt heute – die Einstiegsluke ist jedoch im Mauerwerk deutlich sichtbar.
- Der kleinere Rundturm:
Ein zweiter, kleinerer Rundturm ist versetzt in die Anlage integriert und unterstützte die Verteidigung des Areals durch die Möglichkeit zur flankierenden Überwachung.
- Das Wirtschaftsgelände:
Die Wirtschaftsflügel und Stallungen gruppieren sich um einen zentralen Hof, dessen massiver Zugangsbereich im Ernstfall als erste Barriere gegen Angreifer fungierte.
Auf dem Gelände befinden sich die Überreste eines imposanten Backofens von außergewöhnlich großen Dimensionen, der sich heute in beklagenswertem Zustand befindet.
Eine Besonderheit der Anlage ist die Aia (der Dreschplatz für das Getreide). Im Gegensatz zu den üblichen gepflasterten Plätzen wurde sie hier direkt aus dem anstehenden Felsgestein heraus gehauen.
Ein großer Brunnen versorgte die gesamte Anlage. Um ihn herum sind noch heute die mächtigen Steintränken (Vasche) für das Vieh erhalten.
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| Bewertung |
Die Masseria Tunna stellt ein hochkarätiges Zeugnis der regionalen Militär- und Agrargeschichte des Salento dar.
Ihre Entstehung fällt in die Kernphase der osmanischen Bedrohung im 16. Jahrhundert.
Das Objekt dokumentiert eindrucksvoll den evolutionären Wandel von einem rein militärischen Zweckbau – einem isolierten Küstenvorfeld-Wachposten – hin zu einem befestigten, autarken Wirtschaftszentrum (Masseria fortificata).
Seltene Turmgeometrie:
Im Gegensatz zu den im späteren Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts dominierenden viereckigen Wehrtürmen (mit oft massiven Böschungsmauern), besitzt die Masseria Tunna einen der selteneren, kreisrunden Wehrtürme.
Seine exakte Datierung durch die erhaltene Inschrift verleiht ihm den Status eines wichtigen chronologischen Referenzobjekts für die Erforschung des apulischen Wehrbaus dieser Epoche.
Der dekorative Zierknauf (Pinnacolo) im Scheitelpunkt des Innengewölbes unterstreicht zudem, dass trotz des rein funktionalen Wehrcharakters auch architektonische Gestaltungsansprüche des Cinquecento einflossen.
Hohe historische Authentizität:
Durch das Ausbleiben moderner, touristischer Überformungen im Innenbereich bewahrt die Anlage das raue, funktionale Gesicht eines frühneuzeitlichen Festungshofs, an dem sich die logistischen Abläufe eines historischen Großbetriebs gut ablesen lassen.
Stellenwert im Befestigungsring:
Innerhalb der Verteidigungskette im südlichen Umland von Ugento sicherte die Masseria Tunna den strategisch wichtigen Feudalbezirk Pompignano ab.
Sie funktionierte als Fluchtburg im Hinterland und stand in direktem funktionalen Bezug zur hochmittelalterlichen Masseria Gianferrante, dem befestigten Kleinbauernhaus Masseria Volpi sowie der Großanlage Masseria Colombo. |
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Informationen für Besucher
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Geografische Lage (GPS)
WGS84:
39°52'52.5" N, 18°12'52.5" E
Höhe: 96 m ü. NN |
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Topografische Karte/n
Masseria Tunna auf der Karte von OpenTopoMap |
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Kontaktdaten
k.A. |
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Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Privatbesitz!
Da sich die historische Anlage in privater Nutzung befindet und die Bausubstanz in einigen Wirtschaftstrakten strukturell instabil ist, besteht beim eigenmächtigen Betreten Einsturzgefahr.
Das Betreten des Innenhofs und der Gebäude ohne Erlaubnis der Eigentümer ist rechtlich nicht gestattet, da das Objekt als landwirtschaftlicher Privatbesitz geführt wird. |
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Anfahrt mit dem PKW
Die Masseria Tunna ist über ein Netz von unbefestigten landwirtschaftlichen Nutzwegen erreichbar.
Von Ugento aus folgt man der Hauptstraße beziehungsweise den nach Süden abzweigenden Wirtschaftswegen rund 6 Kilometer in Richtung des Feudalbezirks Pompignano, woraufhin die markanten Rundtürme inmitten der Olivenhaine erscheinen.
Reist man von der Küste an, nutzt man von Torre Mozza oder Lido Marini aus die landeinwärts führenden Feldwege und erreicht den Gutshof nach etwa 7 Kilometern.
Parkmöglichkeiten am unbefestigten Fahrbahnrand oder den angrenzenden Feldwegen möglich. |
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Anfahrt mit Bus oder Bahn
Es gibt keine direkte Haltestelle am Objekt.
Die verbleibende Strecke von den Bahnhöfen oder Bushaltestellen im Ortskern von Ugento (ca. 6 km) beziehungsweise von Presicce-Acquarica (ca. 8 km) muss zu Fuß, per Fahrrad oder per Taxi zurückgelegt werden.
Bahn:
Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich im rund 6 Kilometer entfernten Ortskern von Ugento (Bahnstrecke Casarano–Gallipoli) beziehungsweise in Presicce-Acquarica.
Bus:
In den Sommermonaten verkehren die Linien des regionalen Bussystems Salento in Bus in den umliegenden Hauptorten. |
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Wanderung zur Burg
Die Masseria Tunna lässt sich im Rahmen einer Wanderung durch das südsalentinische Hinterland erkunden.
Die Route startet am historischen Ortskern von Ugento und führt über flache, verkehrsarme Wirtschaftswege rund 6 Kilometer nach Süden.
Die Strecke verläuft entlang typisch salentinischer Trockensteinmauern und jahrhundertealter Olivenhaine.
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Öffnungszeiten
Nur Außenbesichtigung möglich.
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Eintrittspreise
kostenlos
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Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
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Gastronomie auf der Burg
keine
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Öffentlicher Rastplatz
keiner |
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Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
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Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine |
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Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer nur Fernsicht möglich. |
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Bilder
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Grundriss
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Quelle: Costantini, Antonio - Le masserie del Salento. Dalla masseria fortificata alla masseria-villa | Galatina, 1995 | S. 156
(durch Autor leicht aktualisiert)
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Historie
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1553
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Errichtung des Kernbaus. Bau der Turmmasseria mit dem charakteristischen Rundturm im Zuge des allgemeinen Ausbaus der Küsten- und Hinterlandverteidigung gegen osmanische Seeräuber.
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17. / 18. Jh.
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Ausbau der Wirtschaftsflügel und Ställe um den zentralen Hof (Corte) zur umfassenden Bewirtschaftung des Feudalbezirks Pompignano.
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1806
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Das napoleonische Dekret beendet die feudalen Privilegien des Adels im Salento. Übergang der Masseria in bürgerlichen Privatbesitz.
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2026
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Die historische Struktur ist in ihren wehrhaften Kernbereichen erhalten, bedarf jedoch in Teilen einer kontinuierlichen baulichen Sicherung.
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Quelle: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente.
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Literatur
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- Constantini, Antonio - Guida alle Masserie del Salento | Martina France, 2006 | S. 183 f.
- Costantini, Antonio - Le masserie del Salento. Dalla masseria fortificata alla masseria-villa | Galatina, 1995 | S. 156
- Daquino, Cesara - Masserie del Salento | Lecce, 2008 | S. 111
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