MASSERIA GIANFERRANTE
 Weltweit | Europa | Italien | Apulien | Provinz Lecce | Ugento, Fraktion Torre Mozza


Quelle: Antonazzo, Luciano - Guida di Ugento. Storia e arte di una città millenaria | Congedo, 2005 | S. 143
Klicken Sie in das jeweilige Bild, um es in voller Größe ansehen zu können!
Allgemeine Informationen
Lage Geografisch liegt die Masseria fortificata Gianferrante im flachen Hinterland des Südsalento (Apulien).
Topografisch befindet sich der befestigte Gutshof inmitten jahrhundertealter Olivenhaine an der strategischen Verbindungsstraße (SP332) zwischen Acquarica del Capo und dem Küstenort Torre Mozza.
In diesem küstennahen Gebiet, nur rund 3,5 Kilometer landeinwärts der ionischen Küste, fungierte die wehrhafte Turmmasseria (Masseria turrita) als primärer Verteidigungs- und Signalstützpunkt im territorialen Befestigungsring.
Die Hauptaufgabe der küstennahen Wehranlage bestand darin, feindliche Bewegungen frühzeitig ins Landesinnere zu melden und dank einer autarken Infrastruktur langwierigen Belagerungen standzuhalten.
Nutzung Agriturismo und Bio-Bauernhof
Bau/Zustand Die Masseria fortificata Gianferrante ist ein herausragendes und architektonisch außergewöhnlich altes Beispiel für die ländlichen Wehrbauten Apuliens.
Als eine der ältesten dokumentierten Hofanlagen im Raum Ugento vereint sie hochmittelalterliche Wehrtechnik mit funktionalen landwirtschaftlichen Strukturen.
Befestigte Komplexe dieser Art wurden im Hinterland der salentinischen Küste errichtet, um die herrschaftliche Präsenz zu sichern und die agrarische Produktion sowie die Bevölkerung vor plötzlichen Sarazenen- und Piratenangriffen zu schützen.
Die wehrhafte Architektur der Masseria Gianferrante schützte ein über Jahrhunderte hocheffizientes, herrschaftliches Agrarzentrum, das primär auf die Produktion von Getreide und biologischem Olivenöl ausgerichtet war.

Der bauliche Zustand der Anlage ist hervorragend, im Kern solide und vollständig revitalisiert. Im Zuge der modernen Umnutzung zu einem Biovorzeigebetrieb wurde das gesamte Bauensemble denkmalgerecht saniert.
Das historische Mauerwerk der Wehrstrukturen, die Trockenmauern sowie der normannische Hauptturm befinden sich in einem baulich einwandfreien, gesicherten Zustand.

Agrarhistorische Funktion & Territorialer Befestigungsring:
Die wehrhafte Architektur der Masseria Gianferrante schützte ein über Jahrhunderte hocheffizientes, herrschaftliches Agrarzentrum, das primär auf die Produktion von Getreide und biologischem Olivenöl ausgerichtet war.
Zusammen mit den Nachbarbauten bildete die Anlage eine dichte Verteidigungskette im südlichen Umland von Ugento.
Masseria Tunna (1553): Der direkte, wehrtechnisch eng verwandte Nachbarhof im antiken Feudalbezirk Pompignano, der sich durch seine seltenen, kreisrunden Wachtürme auszeichnet.
Masseria Volpi: Das funktionale Gegenstück – ein minimalistisches, befestigtes Haus für die dezentrale Punktverteidigung an derselben Verbindungsstraße.
Masseria Colombo: Ein befestigter Großgutshof des 16. Jahrhunderts zur Absicherung der agrarischen Logistik im ionischen Sektor.
Typologie Masseria fortificata (befestigter Bauernhof / Wehrmasseria)
Bei der Anlage handelt es sich um eine Turmmasseria (Masseria turrita), basierend auf einem normannischen Wehrturm mit einer wehrhistorisch seltenen, vollständig integrierten Innenzisterne.
Sehenswert
  • Die Masseria Gianferrante stellt eine massive und baugeschichtlich seltene hochmittelalterliche Ausbaustufe der salentinischen Wehrarchitektur dar.
  • Der normannische Wehrturm (Kernbau):
    Das wehrtechnische Zentrum bildet ein wuchtiger, zweistöckiger Verteidigungsturm (Torrione), dessen Fundamente auf das Jahr 1200 zurückgehen. Besonders markant sind die bis heute prachtvoll erhaltenen ornamentalen Kronenmotive an der Dachbrüstung – insbesondere an der strategisch wichtigen Ostfassade.
  • Innere Zisterne:
    Eine wehrhistorische Besonderheit ist die vollständig im Turminneren angelegte Zisterne (Cisterna interna) zur autarken Wasserversorgung. Im Gegensatz zu den meisten Masserien der Region, deren Brunnen im offenen Innenhof oder außerhalb der Mauern lagen, ermöglichte diese geschützte Wasserquelle den Bewohnern eine außergewöhnlich lange Widerstandskraft bei Belagerungen.
  • Befestigter Innenhof:
    Die Anlage wird von massiven, Trockensteinmauern umschlossen, die als äußere Barriere dienten. Dem alten Turm wurden in späteren Jahrhunderten zusätzliche Wirtschaftsflügel und Ställe angegliedert, die sich schutzsuchend um den inneren Hof gruppieren.
Bewertung Die Masseria Gianferrante ist ein herausragendes und architektonisch außergewöhnlich altes Beispiel für die ländlichen Wehrbauten Apuliens.
Als eine der ältesten dokumentierten Hofanlagen im Raum Ugento vereint sie hochmittelalterliche Wehrtechnik mit funktionalen landwirtschaftlichen Strukturen.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 39°53'08.2" N, 18°11'22.7" E
Höhe: 107 m ü. NN
Topografische Karte/n
Masseria Gianferrante auf der Karte von OpenTopoMap
Kontaktdaten
Masseria Gianferrante | SP332 | I-73059 Ugento
Tel: +39 0348 4942294 | E-Mail: info@masseriagianferrante.it
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Privatbesitz!
Bitte achten Sie die Privatsphäre der Bewohner.
Anfahrt mit dem PKW
Die Masseria Gianferrante ist über die Regionalstraße SP332 erreichbar.
Von Ugento beziehungsweise Gemini aus folgt man der Straße rund 10 Kilometer in südöstlicher Richtung durch die Olivenhaine, woraufhin das historische Tor direkt an der Straße erscheint.
Reist man von der Küste an, biegt man bei Torre Mozza landeinwärts auf die SP332 ab und erreicht den restaurierten Gutshof nach etwa 3,5 Kilometern.
Parkmöglichkeiten sind am Eingangstor der Masseria vorhanden.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Es gibt keine direkte Haltestelle am Objekt. Die verbleibende Strecke von den Bahnhöfen oder Bushaltestellen im Ortskern von Presicce-Acquarica (ca. 9 km) beziehungsweise vom Küstenort Torre Mozza (ca. 3,5 km) muss zu Fuß oder per Taxi zurückgelegt werden.
Bahn:
Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich im rund 9 Kilometer entfernten Ortskern von Presicce-Acquarica (Bahnstrecke Novoli–Gagliano del Capo).In den Sommermonaten verkehren zudem die Linien des regionalen Bussystems Salento in Bus zwischen Ugento und dem Strandort Torre Mozza.
Bus:
In den Sommermonaten verkehren zudem die Linien des regionalen Bussystems Salento in Bus zwischen Ugento und dem Strandort Torre Mozza.
Wanderung zur Burg
Die Masseria lässt sich im Rahmen einer Wanderung durch das südsalentinische Hinterland erkunden.
Die Route startet am Strandort Torre Mozza und führt über flache, verkehrsarme Wirtschaftswege rund 3,5 Kilometer nach Nordosten ins Landesinnere.
Die Strecke verläuft entlang typisch salentinischer Trockensteinmauern und jahrhundertealter Olivenhaine.
Öffnungszeiten
Nur Außenbesichtigung möglich.
Da sich die Anlage in Privatbesitz befindet und als landwirtschaftlicher Betrieb genutzt wird, ist das Innere des Turms nicht öffentlich zugänglich.
Die Masseria kann im Rahmen eines Aufenthalts im angeschlossenen Agriturismo besichtigt werden.
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
Agriturismo Masseria Gianferrante
Link zur Webseite der Unterkunft
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer erreichbar.
Bilder
Klicken Sie in das jeweilige Bild, um es in voller Größe ansehen zu können!
Grundriss
keine Grundriss verfügbar
Historie
um 1200 Bau des normannischen Wehrturms im Auftrag von Monsignore Giovanni Ferrante, dem Bischof von Ugento. Integration der internen Zisterne.
16. / 17. Jh. Erweiterung des Komplexes um die geschlossene Ringmauer und landwirtschaftliche Nutzflügel zur Abwehr von Sarazeneinfällen.
1806 Aufhebung der Feudalrechte. Das napoleonische Dekret löst die Bindung der Masseria an die Diözese und die Barone. Übergang in eine rein privatwirtschaftliche Nutzung.
1982–1995 Bauhistorische Erfassung des mittelalterlichen Turms und Klassifizierung der Innenzisterne durch die apulische Wehrbauforschung.
2026 Die Anlage wurde sorgfältig restauriert und dient heute als bio-nachhaltiger Vorzeigebetrieb.
Quelle: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente.
Literatur
  • Antonazzo, Luciano - Guida di Ugento. Storia e arte di una città millenaria | Congedo, 2005 | S. 143
  • Daquino, Cesara - Masserie del Salento | Lecce, 2008 | S. 116
Webseiten mit weiterführenden Informationen
Änderungshistorie dieser Webseite
  • [02.09.2026] - Neuerstellung.
zurück nach oben | zurück zur letzten besuchten Seite Download diese Seite als PDF-Datei
Alle Angaben ohne Gewähr! | Die Bilder auf dieser Webseite unterliegen dem Urheberrecht! | Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02.09.2026 [CR]