MASSERIA CAGGIANO
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Allgemeine Informationen
Lage Die Anlage befindet sich in der Region Apulien im Umland von Bari. Sie liegt unmittelbar am Rand des landschaftlich prägenden Lama Balice, einer für Apulien typischen, eiszeitlich geformten Karstschlucht.
Der Wehrbau ist strategisch auf einem Felsplateau über dem Einschnitt platziert, um das Umland zu kontrollieren.
Das Areal liegt im geschützten Regionalpark Parco Naturale Regionale Lama Balice.
Die Kernstadt von Bari und die adriatische Küste befinden sich in direkter nördlicher Erreichbarkeit, während historische Nachbarbauten wie die Masseria Maselli-Alberotanza und die Masseria Triggiano die ländliche Verteidigungslinie entlang der Schlucht vervollständigen.
Nutzung leerstehend
Bau/Zustand Die Masseria fortificate Caggiano gilt architektonisch als die „Königin“ unter den ländlichen Festungsbauten der Region und ist der größte historische Gutshof entlang der Lama Balice.
Bedingt durch die ständige Bedrohung der apulischen Küsten durch sarazenische und nordafrikanische Piraten sowie lokale Räuberbanden im 15. und 16. Jahrhundert reichte ein einfacher Agrarbetrieb nicht mehr aus. Großgrundbesitzer bauten ihre Höfe zu autarken Festungen aus.
Die Masseria verfügt über einen massiven, geschlossenen Wehrcharakter. Der älteste Teil besteht aus einem zentralen, wuchtigen Festungsturm.
Zu den Verteidigungselementen zählen ausgeprägte Gusslöcher über den Toren, Schießscharten sowie eine aufgesetzte Schilderhäuschen-Erkerwarte an der Hauptfassade zur Fernaufklärung.
Ein unterirdischer Fluchttunnel ermöglichte den Bewohnern bei erfolgreicher Stürmung das Entkommen in die Schlucht.

Die äußere Wehrmauer ist stellenweise durchbrochen, die Grundsubstanz der Verteidigungsarchitektur (Scharten, Erker) ist jedoch in ihrer Struktur stabil geblieben.

Agrarhistorische Funktion & Territorialer Befestigungsring:
Der Komplex vereinte Wohn- und Wirtschaftsbauten. Kern der Produktion waren Olivenhaine sowie Getreideanbau im fruchtbaren Umland. Im Inneren befanden sich historische Ölmühlen, Zisternen zur Wasserversorgung sowie Stallungen für das Vieh.

Im territorialen Befestigungsring bildete die Gesamtanlage zusammen mit den Nachbarbauten eine dichte Verteidigungskette im Umland von Bari.
Masseria Maselli-Alberotanza (historisch Gironda): Das befestigte Hauptquartier des östlichen Quadranten, bekannt für seine wuchtigen, geschlossenen Wehrmauern und barockisierten Wohnflügel.
Masseria Triggiano: Das funktionale Gegenstück – ein wehrhafter, barockzeitlich überformter Komplex mit bedeutendem, in den Kalksteinfels gehauenen Frantoio-Ipogeo (Ölmühle) und massiven Wehrelementen.
Masseria Scorcia: Der nördliche Vorposten – eine stark befestigte Anlage, die direkt an der strategisch wichtigen Flanke der Lama Balice positioniert war, um herannahende Truppen oder Plünderer frühzeitig entlang des Talbettes abzufangen.
Masseria Misciagna: Der landeinwärtige Signal-Knotenpunkt – ausgestattet mit einer exponierten Dachterrasse auf dem zentralen Wehrturm, die als primäre Plattform für optische Signalfeuer (focari) im rückwärtigen Murgia-Vorland diente.
Typologie Masseria fortificata (befestigter Bauernhof / Wehrmasseria) - Masseria turrita (Turmmasseria)
Innerhalb des regionalen Festungssystems nimmt sie die Rolle einer landeinwärts gelegenen Fluchtburg ein.
Sehenswert
  • Der Wehrturm:
    Wuchtiges Mauerwerk des 15. Jahrhunderts mit unregelmäßigen Anschlusslinien zu späteren Anbauten.
  • Verteidigungserker (Garitta):
    Selten gut erhaltenes steinernes Wachhäuschen an der Dachkante der Hauptfassade.
  • Wehr-Loggia:
    Elegante, barocke Bogenloggia der Familie Caggiano aus dem 18. Jahrhundert an der Frontseite.
  • Gusslöcher (Caditoie):
    Vertikale Abwurfeinrichtungen direkt über den ehemaligen Zugangstoren zur Abwehr von Angreifern.
  • Strategische Sichtachsen:
    Die bauliche Ausrichtung der oberen Wehrplattformen, die exakt auf die Verteidigungslinie zu den benachbarten Posten abgestimmt war.
Bewertung Die Masseria Caggiano besitzt einen hohen wissenschaftlichen und wehrhistorischen Stellenwert für die Erforschung der ländlichen Fortifikation in Süditalien.
Sie dokumentiert idealtypisch die Transformation von einer rein defensiven Fluchtburg des Spätmittelalters zu einem barocken Repräsentationsgut.
Im Verbund mit ihren Nachbarbauten bildet sie ein herausragendes Anschauungsobjekt für das defensive Zusammenwirken dezentraler Wehrhöfe im Umland von Bari.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 41°08'01.8" N, 16°47'34.8" E
Höhe: 9 m ü. NN
Topografische Karte/n
Masseria Caggiano auf der Karte von OpenTopoMap
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Privatbesitz!
Wegen des stark vernachlässigten Bauzustands in mehreren Flügeln besteht akute Einsturzgefahr von Dächern, Gewölben und Deckenplatten.
Das ungesicherte Betreten der unterirdischen Frantoio-Räume und der maroden Treppenanlagen ist lebensgefährlich.
Anfahrt mit dem PKW
Von Bari über die Hauptverkehrsachsen in Richtung Westen/Südwesten ins Umland abbiegen.
Die Zufahrt erfolgt über die SP 156 (Bari-Bitonto bzw. Bitonto–Aeroporto Palese) oder die SP Palese–Quartier San Paolo, von denen die ländlichen Nebenwege (Strada Rurale del Torrente / Strada Rurale Piscinella della Scala) direkt in den Agrargürtel außerhalb der Stadtgrenze abzweigen.
Es gibt keine offiziellen, befestigten Besucherparkplätze an der Masseria.
Fahrzeuge müssen an geeigneten Ausweichbuchten der öffentlichen Zufahrtswege außerhalb des direkten Geländes abgestellt werden, ohne landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge zu behindern.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Es gibt keine direkte Haltestelle am Objekt.
Von den Haltestellen bzw. Bahnhöfen verbleibt ein längerer Fußweg über unbefestigte Agrarwege und Trampelpfade des Parks bis zur Masseria.
Bahn:
Anreise bis zum Hauptbahnhof Bari Centrale. Von dort mit den Nahverkehrszügen oder Vorortbahnen (z.B. in Richtung Bari-Palese / Bitonto) bis zur nächstgelegenen Station am Rande des Naturparks Lama Balice.
Bus:
Lokale Buslinien der AMTAB (Verkehrsbetriebe Bari) bedienen die äußeren Stadtteile im Westen.
Wanderung zur Burg
Die Masseria ist in das kulturhistorische Wegenetz des Parco Lama Balice eingebunden. Feste Wanderschuhe sind zwingend erforderlich.
Eine empfehlenswerte Route startet an den offiziellen Parkzugängen und führt entlang des Betts der alten Karstschlucht.
Der Weg verbindet verschiedene verlassene Höfe und Felsenhöhlen und bietet spektakuläre Fotomotive auf die hochgelegene Festungsfront und den Kaminaufbau des Keller-Frantoios auf der Rückseite.
Öffnungszeiten
Nur Außenbesichtigung möglich.
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer nur Außenansicht möglich.
Bilder
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Grundriss
keine Grundriss verfügbar
Historie
15. / 16. Jh. Errichtung des wehrhaften Kernbaus zum Schutz der Landbevölkerung vor Plünderern und zur Agrarsicherung im Hinterland von Bari.
um 1754 Ausbau durch die namensgebende Adelsfamilie Caggiano (ursprünglich aus Massa Lubrense, ansässig in Barletta).
Wichtigster Vertreter: Francesco Saverio Caggiano, königlicher Präfekt der apulischen Häfen. Hinzufügung barocker Stilelemente und des Wappens (Löwe im blauen Feld, von der Sonne bestrahlt).
19. Jh. Übergang der Anlage nacheinander an die apulischen bzw. süditalienischen Familien Fraggiacomo, Serravalle und Federici.
Die Masseria behält trotz der Besitzerwechsel dauerhaft den Namen Caggiano.
1936 Kauf der Anlage durch den Textilhändler Giacinto Lamacchia.
1940–1945 Das Areal wird von den alliierten Truppen beschlagnahmt. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Flächen wird für den Bau und die Erweiterung des nahen Flughafens Bari enteignet.
Nachkriegszeit Eigentümer Giacinto Lamacchia öffnet den Gutshof für Studenten und Forscher der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bari.
Spätes 20. Jh. Vollständige Einstellung des landwirtschaftlichen Betriebs; Einleitung des bis heute andauernden, schweren strukturellen Verfallsprozesses.
2026 Die Anlage befindet sich im Besitz einer zerstrittenen Erbengemeinschaft aus acht Parteien.
Aufgrund der enormen Sanierungskosten bleibt das Objekt ungenutzt und ist Vandalismus sowie schwerem Verfall ausgesetzt.
Quelle: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente.
Literatur
  • Calderazzi, Antonella - L'aspetto tipologico-architettonico della masseria. In: Le trasformazioni del territorio in Terra di Bari nell'età moderna. | Bari, 1984
  • Calderazzi, Antonella - L'architettura rurale in Puglia. Le masserie. Schena Editore, Fasano, 2003 | S. 84–91
  • Cataldo, G. & Serpenti, S. - Programma di salvaguardia del patrimonio storico architettonico del territorio di Bari. Analisi, acquisizione e recupero | Bari, 1989 | S. 112–115
  • Varricchio, Enzo - L'antica masseria. Caggiano" nel Parco Naturale di Lama Balice | Bari, 2000
Webseiten mit weiterführenden Informationen
  • k.A.
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  • [21.09.2026] - Neuerstellung.
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