LETZI SPISSI (SPISSEN)
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Allgemeine Informationen
Südwestlich von Wimmis versperrte im 13. und 14. Jhdt. eine etwa 500 Meter lange Wehranlage den Zugang ins Simmental. Sie bestand aus einem älteren Wall und einer später errichteten, 1,8 Meter dicken Mauer. Mit dieser Letzi versuchten die Freiherren von Weissenburg, ihre Gebiete gegen Bern abzugrenzen. Doch 1334 eroberten die Truppen der Stadt die Letzi Spissi, die daraufhin zerstört wurde.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 40’ 03.30“ N, 07° 37’ 44.80“ E
Höhe: 735 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 614.580 / 168.500
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Wimmis verlassen und der Hauptstrasse ins Dorf hinein folgen. Kurz nach dem Kreisverkehr am Ortseingang rechts in die Bachtelestrasse einbiegen, an deren Ende rechts der Oberdorfstrasse folgen, die nach den letzten Häusern zur Burgfluhstrasse wird. Dieser nun bergauf folgen bis zur Letzi. Parkmöglichkeiten vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Mit der Bahn ab Bern bis Spiez, dann mit dem Regionalzug R11 (in Richtung Zweisimmen) bis nach Wimmis fahren. Vom Bahnhof dem ausgeschilderten Wanderweg in südlicher Richtung bis unterhalb der Burg folgen, dann der Burgfluhstrasse aufwärt ins südwestlicher Richtung bis zur Letzi (Zustieg ca. 25 Min.).
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
stellenweise möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Letzi Spissi
Quelle: gezeichnet von O. Steimann, 2026
Historie
Die Zugänge ins Simmental im Mittelalter
Südwestlich von Wimmis versperrt die felsige Anhöhe der Burgfluh den Eingang ins Simmental. Auf ihrer Nordseite zwängt sich die Simme durch einen engen Einschnitt, durch den heute auch die Talstrasse und die Eisenbahnlinie führen. Auch im Mittelalter scheint hier bereits ein Weg existiert zu haben, der bei der sogenannten Port im Müllerried auf eine Letzimauer stiess. Deren letzte Reste wurden 1902 beim Eisenbahnbau beseitigt.
Der bequemere Talzugang führte aber südlich an der Burgfluh vorbei über einen breiten Sattel, die sogenannte Spissi. Hier sind noch schwache Spuren einer weit grösseren, rund 500 Meter langen Letzimauer mit vorgelagertem Wall erkennbar.

Der Landhag beim Zug der Berner von 1288
Archäologisch konnten für die grosse Grenzbefestigung drei Bauphasen nachgewiesen werden. Im 13. Jhdt., sehr wahrscheinlich vor 1275, entstand eine erste Mauer, von der aber nicht klar ist, ob sie eine Wehrfunktion hatte oder einfach die Häuser von Wimmis vor Murgängen und Überschwemmungen schützen sollte. Es scheint aber wahrscheinlich, dass sie zumindest eine Herrschaftgrenze zwischen Gebieten der Freiherren von Strättingen oder Weissenburg und der Grafen von Neu-Kyburg markierte.
In einer zweiten Phase wurde diese Mauer wieder abgebrochen und an selbiger Stelle unmittelbar danach ein Wall aufgeschüttet. Er trug wahrscheinlich einen Palisadenzaun und hatte eindeutig eine Wehrfunktion. In der um 1420 angefertigten Justinger-Chronik wird berichtet, wie Truppen der Stadt Bern 1288 gegen Rudolf III. von Weissenburg zogen. Die Burg Wimmis konnten sie zwar nicht erobern, aber sie «gewunnen den hag; darnach erst wart die lantmur gemacht, die darnach aber von den von bern gebrochen wart». Die Berner erstürmten also die Befestigung, die später in Stein neu aufgeführt wurde.

Die Eroberung der steinernen Letzi im Jahr 1334
Gemäss den Grabungsergebnissen wurde in einer dritten Bauphase tatsächlich eine neue, 1,8 Meter dicke Mauer errichtet. Diese steinerne Letzi stand 14 Meter taleinwärts von der älteren Anlage und erstreckte sich von den Wänden der Burgfluh bis an die südseitige Talflanke. Entlang ihrer Innenseite verlief einen gepflästerter Weg. Vermutlich wurde diese Mauer bereits kurz nach 1300 erbaut. Denn damals begann Rudolf III. von Weissenburg mit Raubzügen ins Gebiet um Thun und provozierte 1303 einen zweiten Kriegszug der Berner gegen das Simmental.
Mit Sicherheit existierte die steinerne Letzi beim dritten Zug Berns gegen Rudolfs Sohn Johann I. von Weissenburg im Jahr 1334. Dieser endete mit der Unterwerfung der Weissenburger unter die Hoheit Berns. Die Letzimauer wurde daraufhin grösstenteils abgetragen. Nur einen Teil der bergseitigen Mauerschale liess man offenbar stehen – vermutlich, um weiterhin einen Schutz gegen Naturgefahren zu haben.

Vermuteter Standort der «Kramburg»
Unklar ist bis heute, ob dort, wo die Burgfluhstrasse die Letzi quert, früher eine befestigte Toranlage stand. Gemäss lokaler Überlieferung sollen hier südlich der Strasse noch bis um 1960 die Fundamente eines Rundturms mit etwa 10 Metern Durchmesser zu sehen gewesen sein. Falls er zu einer ausgebauten Torbefestigung gehörte, könnte es sich dabei um die sogenannte «Kramburg» handeln, die gemäss einer Urkunde im Berner Staatsarchiv an der Burgfluh stand.

Archäologische Untersuchung der Letzi
Im zweiten Weltkrieg wurde die Talenge bei Spissi erneut befestigt. 370 Meter südwestlich der alten Letzimauer entstand eine Panzersperre, ergänzt durch einen Infanteriebunker und eine flankierende Stellung an der Burgfluh. Reste davon sind heute noch sichtbar.
Die Letzi selbst wurde 2011 bei der Erneuerung eines Wasserreservoirs erstmals archäologisch untersucht. Dabei wurden kurze Abschnitte von Wall und Mauer freigelegt, später aber wieder zugedeckt. Der Verlauf der mittelalterlichen Talsperre ist im Gelände auch heute noch klar erkennbar.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Die Letzinen von Reichenbach, Mülenen und Wimmis, Spissi | Infobroschüre | Bern, 2025
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Fundberichte | In: Archäologie Bern 2009 | Bern, 2009 | S. 46
  • Liechti, Erich - Burgen, Schlösser und Ruinen im Simmental | Thun, 2021 | S. 48-49
  • Moll, Heinz J. - Ruinen von Burgen und Sakralbauten im Kanton Bern | Norderstedt, 2019 | S. 253-255
  • Wulf, Detlef - Die Letzi in Wimmis, Spissi: Schutzmauer, Grenzbefestigung oder Grenzzeichen? | In: Archäologie Bern 2012 | Bern, 2012 | S. 205-219
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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