BURG SCHWANDEGG
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Allgemeine Informationen
Malerisch gelegene ehemalige Burg aus dem 13. Jhdt. auf einem flachen Hügel über Waltalingen. Bis ins frühe 15. Jhdt. war Schwandegg der Stammsitz der gleichnamigen Ministerialenfamilie. Auf der vielfach umgestalteten Anlage sind aus dem Mittelalter noch Teile des Wohnturms und der Schildmauer erhalten.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 37' 24.07" N, 08° 46' 36.00" E
Höhe: 461 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 700.580 / 275.600
Kontaktdaten
Restaurant Schloss Schwandegg | CH-8468 Waltalingen
Tel: +41 (0)52 745 18 27 | E-Mail: info@schloss-schwandegg.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A4 zwischen Winterthur und Schaffhausen bei der Ausfahrt Kleinandelfingen verlassen. Anschliessend der Hauptstrasse in östlicher Richtung über Ossingen und Gisenhard nach Waltalingen folgen. Kurz vor dem Ortseingang zweigt links eine Strasse zur Burg ab, die auf einem Hügel über dem Dorf thront.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Mit der S-Bahn (Linie 33) ab Winterthur nach Andelfingen. Ab hier mit dem Bus in Richtung Oberstammheim bis zur Haltestelle Waltalingen fahren. Die Burg steht unweit nordwestlich der Haltestelle.
Wanderung zur Burg
Der Stammertal Rundweg führt an der Burg vorbei.
Öffnungszeiten
Burghof tagsüber frei zugänglich. Das Betreten der Gebäude ist den Gästen der Herberge und des Restaurants Schloss Schwandegg vorbehalten.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Restaurant auf der Burg, im Sommerhalbjahr täglich ausser am Mittwoch, im Winterhalbjahr täglich ausser am Mittwoch und Donnerstag geöffnet.
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
einfache Hotelzimmer verfügbar
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Schwandegg
Quelle: Drack, Walter - Schloss Schwandegg | In: Zürcher Denkmalpflege - 10. Bericht: 1979-1982, I. Teil | Zürich, 1987 | S. 235 | gemäss weiteren Plänen vollständig überarbeitet von O. Steimann, 2005/2016
Historie
Der Flurname Schwandegg, mit Sicherheit älter als die Burg selbst, bezieht sich auf einen Hügel, auf dem man den ursprünglichen Baumbestand durch das Abschälen der Rinde und anschliessendes Austrocknen (schwenden) gerodet hat. Die kaum 30 Meter hohe Geländeerhebung nordwestlich über Waltalingen bot für eine Burg nicht viel natürlichen Schutz. Es ist deshalb anzunehmen, dass beim Bau der Anlage in der zweiten Hälfte des 13. Jhdts. die leicht zugängliche nordwestliche Seite durch einen heute verschwundenen Graben geschützt wurde. Das Zentrum der Burg bildete der teilweise erhaltene Wohnturm, dessen Mauerdicke mit 1,2 Metern auffallend schwach ist. An ihn anschliessend schützte eine Ringmauer die Hügelkuppe, die auf der Westseite schildmauerartig verstärkt wurde.
Schwandegg war die Stammburg einer gleichnamigen Familie, deren Angehörige wie ihre Nachbarn auf der nahen Burg Girsberg ursprünglich Dienstleute der Grafen von Kyburg gewesen sein dürften. 1288 wird mit Ritter Heinrich von Schwandegg, Gefolgsmann des Hauses Habsburg, ein erster Vertreter der Familie bezeugt. Durch seine 1292 erfolgte Heirat mit Katharina, Witwe des habsburgischen Vogts Konrad von Tillendorf, gingen die namhaften Einkünfte des Kornhauses Zürich in seinen Besitz über.

Die Herren von Schwandegg konnten dank ihrer guten wirtschaftlichen Basis Habsburg-Österreich immer wieder Geld leihen, was sie in den Besitz verschiedener Pfänder brachte. Daneben verfügten sie über Lehen des Klosters St. Gallen und traten ins Bürgerrecht der Stadt Diessenhofen ein. Als die benachbarten Herren von Girsberg ausstarben, erhielt Burkhard von Schwandegg auch noch die Burg Girsberg als Lehen des österreichischen Herzogs. Mit Wolf von Schwandegg starb 1413 allerdings auch seine Familie plötzlich aus.
Über eine weibliche Linie vererbte sich die Burg Schwandegg um 1419 an Hans von Münchwil, einen Dienstmann des Abtes von St. Gallen. Sein Enkel verkaufte diesen Besitz 1470 an die Familie von Schönau. Von dieser erwarb 1502 Gregorius von Roggwil, Obervogt zu Konstanz, die Burg und erregte einiges Aufsehen, weil er in der Burgkapelle noch über die Reformation Zwinglis hinaus Altar und Bilder beibehielt. Nächster Besitzer der Burg war ab 1537 der Bauer Anton Hermann, der die Anlage zwar noch bewohnte, sie aber trotzdem teilweise dem Zerfall, teilweise einem gezielten Abbruch preisgab.

Weil er eine sichere Zuflucht benötigte, kaufte 1553 der Konstanzer Bürgermeister Thomas Blarer Schwandegg. Er bewahrte die Burg vor dem Untergang, indem er sie wieder herrichten und erweitern liess. Die heute noch sichtbaren Treppengiebel dürften teilweise auf diesen Umbau zurückgehen, ebenso wie ein heute wieder verschwundener Rundturm am östlichen Ende des Burgareals. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu vielen weiteren Besitzerwechseln, bis Schwandegg 1614 vom Kaufmann Tobias Schmelz aus Kempten im Allgäu erworben wurde. Er liess die Anlage durch Bauleute aus seiner Heimat ein weiteres Mal umgestalten. Bei dieser Gelegenheit entstand der markante Südostflügel mit dem sogenannten «Kaisersaal»: Ein langgezogener, dreiseitig mit grossen Fenstern versehener Raum, auf dessen Wänden zwölf römische Imperatoren dargestellt sind.

Es folgten weitere Besitzerwechsel, 1677 konnte Hans Kaspar Escher die ehemalige Burg von der Stadt Zürich erwerben und vereinte als Letzter Schwandegg und Girsberg in einem Besitz. Nach weiteren Wechseln kam Schwandegg 1770 an den Zürcher Rittmeister Hans Konrad Bürkli, der die Anlage wiederum baulich veränderte, indem er den Nordwestflügel mit einem mächtigen Walmdach versah. Nach ihm wechselten die Eigentümer wieder in rascher Folge, bis Karl Fierz-Landis 1890 Schwandegg samt einer darin befindlichen wertvollen Sammlung der Stadtbürgergemeinde Zürich schenkte. Die Stadt behielt die Sammlung, veräusserte aber das Schloss bereits acht Jahre später wieder. Nun sah Schwandegg nahezu jedes Jahr neue Inhaber kommen und gehen. 1933 kam es zu einem Brand, dem der Nordwestflügel zum Opfer fiel. Er wurde 1935 durch den heute sichtbaren Neubau ersetzt. 1974 konnte der Kanton Zürich Schwandegg erwerben und liess die Anlage gründlich sanieren. Die Burg dient heute als Herberge und Gaststätte.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 820
  • Drack, Walter - Schloss Schwandegg | In: Zürcher Denkmalpflege - 10. Bericht: 1979-1982, I. Teil | Zürich, 1987 | S. 233-240
  • Fietz, Hermann - Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Bd. I: Die Bezirke Affoltern und Andelfingen | Basel, 1938 | S. 412-414
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 4: Zürich, Schaffhausen | Kreuzlingen, 1968 | S. 104-107
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 233
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 5: Kantone Zürich und Schaffhausen | Zürich, 1982 | S. 76-85
  • Niederhäuser, Peter - «Kaisersaal» auf Schloss Schwandegg | In: Böhmer Roland et al. (Hg.) - Vom Grabhügel zur Ökosiedlung: Zürcher Baugeschichten [Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 74] | Zürich, 2007 | S. 324-325
  • Zeller-Werdmüller, Heinrich - Zürcherische Burgen | In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jhrg. | Zürich, 1894-1895 | S. 367-368
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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