BURG SCHWANAU
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Allgemeine Informationen
Die im frühen 13. Jhdt. durch einen unbekannten Bauherrn – wahrscheinlich die Grafen von Kyburg – errichtete Burg Schwanau war nur wenige Jahrzehnte lang bewohnt und ging dann in Flammen auf. Die sagenumwobene Ruine steht auf der gleichnamigen Insel im Lauerzersee und ist nur mit einer kleinen Fähre erreichbar. Sichtbar sind der massive Sockel des Turms, der Bering und die Grundmauern des Wohntrakts.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 01' 56.96" N, 08° 35' 50.89" E
Höhe: 469 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 688.080 / 209.700
Kontaktdaten
Inselrestaurant Schwanau | CH-6424 Lauerz
Tel: +41 (0)41 811 17 57 | E-Mail: insel@schwanau.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A4 bei den Ausfahrten Goldau oder Schwyz verlassen und anschliessend der Kantonsstrasse 2 (Gotthardstrasse / Seestrasse) dem Südufer des Lauerzersees entlang bis zur Anlegestelle der Schwanau-Fähre. Parkplätze vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab dem Bahnhof Schwyz mit der Buslinie 1 in Richtung Lauerz bis zur Haltestelle Lauerz, Schwanau.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Die Fähre zur Insel fährt von Mittwoch bis Sonntag ab 11:00 Uhr jede Viertelstunde.
Eintrittspreise
Hin- und Rückfahrt mit der Fähre:
Erwachsene: 4 CHF
Kinder: 2 CHF
(Stand 2015)
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Inselrestaurant Schwanau: www.schwanau.ch
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
bis zum Restaurant möglich (vorher anmelden!)
Bilder
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Grundriss
Grundriss Schwanau
Quelle: weitgehend neu gezeichnet von O. Steimann, 2015 | auf Basis von: Schneider, Hugo - Die archäologische Untersuchung der Schwanau | In: Meyer, Werner et alt. - Die bösen Türnli: Archäologische Beiträge zur Burgenforschung in der Urschweiz [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 11] | Olten/Freiburg i. Br., 1984 | S. 131
Historie
Schwanau ist eine idyllische, nur etwa 180 Meter lange Insel nahe dem Südufer des Lauerzersees und heute ein beliebtes Ausflugsziel. Gemäss den archäologischen Untersuchungen war sie bereits um 1200 v.Chr zeitweise besiedelt. Im frühen 13. Jhdt. wurde dann auf dem höchsten Punkt der Insel von einem unbekannten Bauherrn eine starke Burg errichtet.
Offenbar wurde die Wehranlage in nur einer Bauphase fertiggestellt. In ihrer Südwestecke entstand ein starker Turm, für dessen Sockel grosse Granitfindlinge vom Festland auf die Insel geschafft wurden. Im Grundriss misst er 10,5 x 10,05 Meter bei einer maximalen Mauerstärke von 3 Metern. Die einzige Öffnung im Sockel ist eine schmale Scharte auf der Nordseite. Der Turm trug ursprünglich wohl einen hölzernen Aufbau und war über einen heute nicht mehr sichtbaren Hocheingang zugänglich. Auf seiner Nordwestseite befand sich das Burgtor, dahinter erstreckte sich ein weiter Burghof. Dessen hinterer Teil war durch einen inneren Graben zusätzlich geschützt. Den östlichen Abschluss der Anlage bildete der Wohntrakt. Hier wurden Fragmente von Röhrenkacheln gefunden, was auf die frühe Version eines Ofens schliessen lässt. Auf der Nordseite existierte direkt vor dem Wohntrakt ein kleines Nebentor als Ausfallpforte.

Die Höfe in der Ebene zwischen Arth und Schwyz gehörten im späten 12. Jhdt. den Grafen von Lenzburg. Nach deren Aussterben (1173) gelangten diese Güter und Rechte an die Grafenhäuser der Kyburger, Frohburger und Habsburger. Welche dieser drei Familien die Burg Schwanau errichtet hat, ist unklar. Zeitstellung und bauliche Ausgestaltung deuten aber am ehesten auf die Grafen von Kyburg hin.
Schwanau war nur kurz bewohnt und wurde baulich nie verändert. Bereits um die Mitte des 13. Jhdts. wurde die Anlage durch ein Feuer gründlich zerstört. Die wenigen Funde – Ofenkacheln, eine Zange, Hufeisen, Bolzen, Pfeileisen und eine kleine Glocke – lassen darauf schliessen, dass die Burg davor gründlich ausgeräumt worden war. Vielleicht zogen die Bewohner aus und zerstörten danach die Anlage. Oder sie wurde von unbekannten Angreifern erobert, geplündert und dann abgebrannt. Es ist nicht auszuschliessen, dass das Ende von Schwanau mit dem Aussterben der Kyburger (1264) in Zusammenhang steht.
Die frühen Chronisten der Eidgenossenschaft wiesen Schwanau eine Rolle in der Befreiungsgeschichte der Innerschweiz zu. 1450 wird das «castro Lowertz» erstmals in den Schriftquellen genannt, und der Name «Swandöw» findet im «Weissen Buch von Sarnen» (um 1470) Erwähnung. Es kann aufgrund der archäologischen Untersuchungen aber ausgeschlossen werden, dass Schwanau bis in die Entstehungszeit der Eidgenossenschaft bewohnt war.

Nach der Zerstörung der Burg blieb die Insel lange Zeit unbesiedelt. Erst im 17. Jhdt. liessen sich Eremiten auf Schwanau nieder, 1684 wurde mit Unterstützung des Klosters Einsiedeln eine kleine Kapelle eingerichtet. Sie wurde 1806 durch eine Flutwelle zerstört, die der grosse Bergsturz im benachbarten Goldau versursachte. Auch die nordseitige Ringmauer der Burg wurde bei diesem Ereignis schwer beschädigt.
Die Kirchgemeinde Schwyz verkaufte die Insel zwei Jahre später an den Söldnerkommandanten Ludwig Auf der Maur, der sich fortan «Baron de Schwanau» nannte. Mit dem Verkauf war die Auflage verbunden, die Insel niemals an einen Nicht-Schwyzer zu veräussern und die 1809 neu erbaute Kapelle und die Burgruine in gutem Zustand zu bewahren. Trotzdem mussten um 1850 die obersten Geschosse des alten Turms wegen Baufälligkeit abgebrochen werden.

Erst 1959/60 konnte die Burg gründlich untersucht und anschliessend konserviert werden. Dabei liess sich auch eine Behauptung aus dem 16. Jhdt. widerlegen, dass auf der kleinen Nebeninsel von Schwanau eine zweite Burg bestanden habe. Nach Abschluss dieser Arbeiten erwarb 1967 der Kanton Schwyz Burg und Insel von der Familie Auf der Maur für 35'000 Franken. 1971 wurde Schwanau unter Bundesschutz gestellt und 1999 fällte der Schwyzer Regierungsrat den Grundsatzentscheid, die Insel nicht mehr zu veräussern. In der Folge wurde ein Gesamtsanierungskonzept ausgearbeitet und 2009 umgesetzt. Auch die Burgruine wurde erneut gesichert. Im Zuge dieser Arbeiten erhielt der Turm einen neuen Treppenzugang und eine Aussichtsplattform.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Birchler, Linus - Die Burgen und Schlösser der Urschweiz: Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden | Basel, 1929 | S. 62-66
  • Birchler, Linus - Die Kunstdenkmäler des Kantons Schwyz, Bd. II: Gersau, Küssnacht und Schwyz | Basel, 1930 | S. 342-347
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 556
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 6: Urschweiz (Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden) und Glarus | Kreuzlingen, 1970 | S. 74-78
  • Hochbauamt Kanton Schwyz (Hg.) - Insel Schwanau: Gesamtsanierung und Neukonzeption | Schwyz, 2012
  • Landolt, Oliver - Die mittelalterliche Burg Schwanau zwischen Tatsache und Mythos | In: Mitteilungen des historischen Vereins des Kantons Schwyz, Bd. 100 | Schwyz, 2008 | S. 160-163
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 1: Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug | Zürich, 1981 | S. 54-56
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 108-110
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 68-69
  • Schneider, Hugo - Die archäologische Untersuchung der Schwanau | In: Meyer, Werner et alt. - Die bösen Türnli: Archäologische Beiträge zur Burgenforschung in der Urschweiz [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 11] | Olten/Freiburg i. Br., 1984 | S. 129-141
Webseiten mit weiterführenden Informationen
    -
Sonstiges
  • Burgsage: Gemma von Arth
    Gemma von Arth

    Auf Burg Schwanau hauste vor langer Zeit ein böser Vogt der Habsburger, der gerne Frauen entführte. Als er aber die junge, schöne Gemma aus Arth geraubt und auf seiner Burg geschändet hatte, brach der Volkszorn aus. Die Schwyzer stürmten die Burg in der Neujahrsnacht, zerstörten sie und erschlugen den Vogt. Gemma aber stürzte sich aus Verzweiflung über ihre Schande in den See und ertrank. Seither ertönt jedes Jahr in der Neujahrsnacht über der stillen Insel ein Donnerschlag, gefolgt von fürchterlichem Geheul aus dem alten Turm. Ein gewappneter Ritter flieht rings um die Mauern, verfolgt von einem Mädchen in einem weissen Gewand, das eine Fackel trägt. Schliesslich stürzt sich der Ritter verzweifelt in den See, und das Mädchen verschwindet für ein Jahr.

    Quelle: vereinfacht nach: Birchler, Linus - Die Burgen und Schlösser der Urschweiz: Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden | Basel, 1929 | S. 62-63
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