LENZBURG
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Allgemeine Informationen
Weitläufige, historisch bedeutsame Höhenburg auf felsigem Hügelzug über der Stadt Lenzburg. Die Anlage wurde über die Jahrhunderte mehrfach umgestaltet, sie beherbergt heute ein Schlossmuseum und Räume für kulturelle Veranstaltungen. Im Hof werden auch Mittelaltermärkte abgehalten. Die zwei grossen Sääle im Ritterhaus können für Privatanlässe gemietet werden.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 23' 14.13" N, 08° 11' 07.18" E
Höhe: 505 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 656.380 / 248.760
Kontaktdaten
Stiftung Schloss Lenzburg | Schloss Lenzburg | CH-5600 Lenzburg
Tel: +41 (0)62 888 48 80 | E-Mail: info@schloss-lenzburg.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Hunde sind auf dem Burgareal nicht zugelassen.
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A1 bei der Ausfahrt Lenzburg verlassen und in südlicher Richtung bis zur Kreuzung mit der Kantonsstrasse 1 fahren. Nun geradeaus weiter auf der Brauereistrasse und beim zweiten Abzweiger rechts in den Steinbrüchliweg einbiegen. Bei der folgenden Verzweigung links halten (Ellsworthweg). Parkplätze unterhalb des Burghügels.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Lenzburg ist ab Aarau oder Zürich gut per Bahn erreichbar. Vom Bahnhof weiter mit der Buslinie 391 bis Lenzburg, Schloss.
Wanderung zur Burg
Lenzburg liegt am Aargauer Schloss- und Kulturweg.
Öffnungszeiten
Die Burg ist jeweils vom 1. April bis zum 31. Oktober von Dienstag bis Sonntag täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet.
Montags geschlossen (Ausnahmen: Ostermontag und Pfingstmontag).
Zweiter Freitag im Juli geschlossen.
Eintrittspreise
Mit Museumsbesuch:
Erwachsene 14 CHF / Kinder (4-16 J.) 8 CHF (Familien vergünstigt)
Ohne Museum:
Erwachsene 5 CHF / Kinder (4-16 J.) 2.50 CHF
(Stand 2014)
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
in den Aussenräumen ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Burgcafé im Rosengarten
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
In die Ausstellung ist ein Kindermuseum mit zahlreichen Aktivitäten integriert.
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
teilweise möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Lenzburg
Quelle: Stettler, Michael / Maurer, Emil - Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg | Basel, 1953 | S. 125 | Bauphasen eingefügt durch O. Steimann, 2006
Historie
Die Lenzburg ist nicht nur eine der bekanntesten, sondern auch eine der ältesten Höhenburgen der Deutschschweiz. Ihre Anfänge sind archäologisch nicht restlos geklärt, doch dürften sie bis ins 10. Jhdt. zurückreichen. Damals stand auf dem felsigen Höhenzug vermutlich eine Festung aus Holzbauten. Die Familie der späteren Grafen von Lenzburg wird um die Mitte des 10. Jhdts. fassbar, sie war vor allem im Gasterland (Kanton St. Gallen) begütert. Ihr Aufstieg begann mit Arnold, der die Erbtochter des letzten Aargaugrafen Bero geheiratet hatte. 976 war er bereits Reichsvogt in Zürich und erbte mit den grossen Gütern seines Schwiegervaters wohl auch dessen Grafentitel. Ob zur Erbmasse auch die Lenzburg gehörte, oder ob Arnold und seine Nachfahren die Burg erst später als neues Herrschaftszentrum erbauten, ist unklar.

Arnolds Sohn, Ulrich I., nannte sich ab 1036 «Graf von Lenzburg». Die Burg muss damals also bereits existiert haben. Durch eine geschickte Heirats- und Kolonisationspolitik mehrten die Lenzburger stetig ihren Besitz und stiegen zu einem der mächtigsten Adelsgeschlechter im Gebiet der heutigen Schweiz auf. Ihre wichtigsten Stützpunkte neben dem Stammsitz waren die Burg Stein zu Baden und die königliche Pfalz in Zürich. Gerade die Architektur der grossen Zürcher Pfalz dürfte ein Vorbild gewesen sein, als die Lenzburg gegen Ende des 11. Jhdts. erste Steinbauten erhielt. Wie in Zürich wurden auch hier zwei Bergfriede errichtet, dazu ein turmartiger Palas, der dendrochronologisch auf das Jahr 1100 datiert werden konnte.
Im Investiturstreit waren die Lenzburger Anhänger der kaiserlichen Partei, Graf Ulrich II. hielt im «castellum Lenciburg» 1077 sogar einen päpstlichen Legaten gefangen. Auch zu Zeiten der Hohenstaufen waren die Grafen treue Parteigänger des Kaisers. Ulrich IV. begleitete seinen Freund Friedrich I. Barbarossa auf verschiedenen Kriegszügen, und als er 1173 als letzter seiner Familie starb, fiel sein Erbe dem Kaiser zu.

Friedrich I. kam im Februar 1173 persönlich auf die Lenzburg, um das Erbe anzutreten. Die Burg und den Grafentitel übertrug er auf seinen Sohn Otto, der fortan hier residierte. Nach dem baldigen Tod des Staufers waren es aber die Grafen von Kyburg, verwandt mit einer lenzburgischen Seitenlinie, die ihre Erbansprüche durchsetzen konnten. Die Kyburger waren es auch, die am Fuss der Lenzburg die gleichnamige Siedlung mit Marktrecht gründeten. Nach ihrem Aussterben 1264 fiel die Burg mit dem grössten Teil der gewaltigen Erbmasse an Graf Rudolf von Habsburg. Dieser hielt 1275, zwei Jahre nach seiner Wahl zum deutschen König, auf der Lenzburg einen glanzvollen Hoftag ab. Die Burg wurde nun ein wichtiger Verwaltungssitz und von den Habsburgern zur neuen Residenz in ihren alten Stammlanden ausgestaltet. Um 1340 begann man unter Herzog Friedrich II. mit dem Bau eines riesigen neuen Palas, der neben zwei repräsentativen Säälen auch Wohngemächer für die herzogliche Familie umfasste. Weil Friedrich II. aber bereits 1344 starb, blieb der Bau vorerst unvollendet.
Es nahmen nun auch habsburgische Dienstleute Wohnsitz auf der Burg, so die Freiherren von Aarburg, später jene von Hallwyl, ab 1361 die Turchsessen von Wolhusen und von 1369 an die Familie Ribi von Seengen, die auch das Schultheissenamt der mittlerweile recht bedeutenden Stadt Lenzburg innehatte.

Im Guglerkrieg von 1375 wurde die Burg erfolglos angegriffen. Die wichtigste Bewährungsprobe kam jedoch 1415, beim Einmarsch der Eidgenossen in den Aargau. Während nahezu alle habsburgischen Städte und Burgen rasch eingenommen wurden, belagerten die Berner die Lenzburg monatelang erfolglos. Schliesslich erhielt der damalige Burgherr Hans Schultheiss (aus der Familie Ribi) von König Sigismund eine Bestätigung seiner Rechte, die Eidgenossen zogen ab.
In den Jahren 1433 bis 1444 konnte die Stadt Bern die Grafschaft Lenzburg käuflich erwerben. Fortan residierte ein Landvogt auf der Burg, die in den nachfolgenden 350 Jahren bedeutend erweitert, mit neuen Toranlagen, Wohnbauten und im Dreissigjährigen Krieg auch mit artilleriegerechten Bastionen versehen wurde. Auch das Ritterhaus - der mächtige Saalbau Herzogs Friedrichs II. - wurde in Stand gestellt und neu ausgestattet.

In der helvetischen Revolution von 1798 wurde der letzte Landvogt abgezogen, 1804 wurde die Burg dem neu gegründeten Kanton Aargau zugeschlagen. Dieser veräusserte die weitläufige Anlage, für die er keine Verwendung hatte, bald an Private. Um die Mitte des 19. Jhdts. war darin ein Erziehungsheim des deutschen Pädagogen Christian Lippe untergebracht. Nach 1893 liess die damalige amerikanische Besitzerfamilie Jessup die Bauten durchgehend in Stand stellen.
Letzter privater Besitzer war der Polarforscher Lincoln Ellsworth. Auf der Lenzburg soll er zusammen mit Roald Amundsen Expeditionen geplant haben. Aus seinem Erbe konnten 1956 der Kanton Aargau und die Stadt Lenzburg die Anlage zurückkaufen. Sie gründeten die «Stiftung Schloss Lenzburg», welche die Anlage bis heute verwaltet, und richteten in der Burg ein historisches Museum ein. Von 1978 bis 1987 wurden umfassende Restaurierungsarbeiten durchgeführt und im südöstlichen Teil der Anlage unterirdisch ein moderner Schutzraum für Kulturgüter erstellt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Ball, Daniela U. et alt. - Schloss Lenzburg, Lenzburg Castle | Lenzburg, 2000
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. II | Neuenburg, 1966 | S. 94-96
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin 1995 | Nr. 26
  • Bosch, Reinhold - Die Burgen und Schlösser des Kantons Aargau | Aarau, 1949 | S. 86-91
  • Dürst, Hans - Schloss Lenzburg | Lenzburg, 1987
  • Frey, Peter - Die Lenzburg, eine Residenz der Habsburger | In: Argovia: Jahresschrift der Historischen Gesellschaft des Kantons Aargau, Bd. 120 | Baden, 2008 | S. 156-166
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 3: Aargau | Kreuzlingen, 1967 | S. 85-88
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 185-186
  • Merz, Walther - Die Lenzburg | Aarau, 1904
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 8: Kantone Luzern und Aargau | Zürich, 1982 | S. 86-87
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 270-271
  • Moosbrugger, André et alt. - Schloss Lenzburg | Lenzburg, 2001
  • Stettler, Michael / Maurer, Emil - Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. II: Die Bezirke Lenzburg und Brugg | Basel, 1953 | S. 121-136
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