STADTBEFESTIGUNG NEUCHÂTEL | NEUENBURG
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Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.). - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 195
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Allgemeine Informationen
Von der Befestigung der um 1200 entstandenen Stadt Neuchâtel sind neben den dem Wehrbezirk der Grafenburg zugehörigen Teilen noch zwei Türme erhalten. Sie gehören zur ältesten Stadtmauer, während von den Erweiterungen des 13. bis 15. Jhdts. keine Reste mehr sichtbar sind.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 59' 28.08" N, 06° 55' 32.89" E
Höhe: 450 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 560.990 / 204.580
Kontaktdaten
Tour des Prisons | Rue Jehanne-de-Hochberg | CH-2000 Neuchâtel
E-Mail: service.batiments@ne.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Neuchâtel/Neuenburg, Hauptort des gleichnamigen Kantons, liegt am Nordufer des Neuenburgersees an der Autobahn A5. Kostenpflichtige Parkplätze am Rand der Altstadt.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Regelmässige Bahnverbindungen ab diversen Schweizer Städten nach Neuchâtel.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Von den beiden erhaltenen Türmen der Stadtbefestigung ist der Tour des Prisons vom 1. April bis zum 31. Oktober jeweils von 10.00 bis 18.00 Uhr zugänglich.
Eintrittspreise
Tour des Prisons: 2 CHF (Drehkreuz)
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
für Aussenbesichtigung möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Stadtbefestigung Neuchâtel
Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 196 | überarbeitet und Bauphasen eingefügt von O. Steimann, 2007
Historie
Im rudolfingischen Königreich Hochburgund (888 bis 1032) scheint Neuchâtel/Neuenburg ein wichtiger Stützpunkt der Krone gewesen zu sein. Zwar lässt sich kein einziger Aufenthalt eines Herrschers direkt nachweisen, doch schenkte Rudolf III. das als königliche Residenz bezeichnete «novum castellum» 1011 seiner Gattin Irmengard. Beim Kampf um die burgundische Krone war Neuchâtel ein Stützpunkt der Anhänger des Grafen Odo von der Champagne. Im Winter 1033/34 belagerte Kaiser Konrad II. die Festung erfolglos.

Dass auf dem Burghügel der Grundriss eines grossen rudolfingischen Saalbaus nachgewiesen werden konnte, stärkt die Vermutung, dass Neuchâtel tatsächlich eine Königspfalz war. Der zugehörige Königshof wird an der südwestlichen Ecke des Burgbezirks beim Tour du Prisons vermutet. Entlang der südlichen Flanke der Burg entstand denn auch in den folgenden zwei Jahrhunderten die erste städtische Siedlung.
Die Grafen von Neuenburg, etwa ab dem Jahr 1100 vorherrschend über den Ort, förderten dessen Entwicklung. 1214 stellte Graf Ulrich III. für Neuchâtel ein Stadtrecht aus. Um die gleiche Zeit oder kurz zuvor wurde der Ort befestigt. Die erste Mauer umfasste den alten Hof und die Siedlung zwischen Burg und See. Teile dieser Befestigung sind der Tour des Prisons im Westen und der Tour de Diesse im Osten, die ursprünglich je ein Tor bewachten.

Die erste Ummauerung scheint schon bald zu eng geworden zu sein. Noch in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. erfolgte die erste Erweiterung, die östlich der Burg bis hinunter ans damalige Ufer des Seyon reichte. Der genaue Verlauf dieser zweiten Stadtbefestigung ist nicht bekannt. Im Norden scheint sie durch einen Turm (Tour Mègechien) und ein Tor (Porte des Moulins) abgeschlossen worden zu sein, im Süden durch weitere kleine Tore und den Tour du Seyon. Einen Übergang über den Seyon bewachte offenbar der 1353 erwähnte Tour du Grand Pont. Der Verlauf dieser Stadtmauer ist nordöstlich der Burg noch sichtbar und konnte im Bereich des ehemaligen Cour Marval archäologisch nachgewiesen werden.
Zweimal wurde Neuchâtel im 13. Jhdt. von Brandkatastrophen heimgesucht: 1249 war es das Verschulden von Anhängern des Bischofs von Basel, 1269 ein unabsichtlich verursachtes Feuer. Dennoch wurde die Stadt noch vor 1300 über den Seyon hinaus beträchtlich nach Osten erweitert. Durch vier weitere Türme (Tour du Râteau, Tour des Chavannes, Tour au Chien, Porte de l'Hôpital) wurde diese neue Mauer verstärkt. Bauherr war möglicherweise Graf Rollin, der 1290 zusammen mit den Bürgern von Neuchâtel ein Bündnis mit der Stadt Fribourg schloss.

Die letzte Stadterweiterung erfolgte erst nach dem Aussterben der Grafen von Neuenburg (1373). Im 15. Jhdt. wurden die äussersten Enden der Stadtmauer im Westen und Osten bis ans damalige Seeufer hinunter verlängert. Es folgten weitere Brandkatastrophen: 1434 legte ein grosses Feuer den unteren Teil der Stadt in Schutt und Asche, 1450 liess ein Grossbrand sogar nur 13 Häuser unbehelligt.

Die Befestigungsanlagen ausserhalb des Burgbezirks sind heute weitgehend verschwunden. Ab dem 17. Jhdt. tolerierten es die Stadtherren, wenn direkte Anwohner kleine Fenster in die Stadtmauern brachen. Für jene Zeit sind auch die letzten Reparaturarbeiten belegt, doch im 18. Jhdt. verlor die Befestigung ihre fortifikatorische Bedeutung endgültig. Durch die Umleitung des Seyon (1844) und die Absenkung des Seespiegels (1888) hat sich das Stadtbild massiv verändert. Im 19. Jhdt. wurden etliche der noch erhaltenen Bauwerke abgerissen, 1865 beispielsweise der Tour des Chavannes.
Noch vorhanden sind die zwei Türme der ersten Stadtmauer: Der gut erhaltene Tour des Prisons, so genannt wegen eines 1826 gleich nebenan errichteten Gefängnisses, und der vielfach umgestaltete Tour de Diesse, der im 16. Jhdt. einer gleichnamigen Familie gehörte.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente inkl. der Infotafeln bei den beiden Türmen
Literatur
  • Bujard, Jacques / De Reynier, Christian - Les châteaux et les villes du Pays de Neuchâtel au Moyen Age: Apports récents de l'archéologie | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins | 11. Jhg., Nr. 2 | Basel, 2006 | S. 69-102
  • Courvoisier, Jean - Les monuments d'art et d'histoire du canton de Neuchâtel, Tome I: La ville de Neuchâtel | Basel, 1955 | S. 22-47
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 195-199
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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