NEUBURG
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Allgemeine Informationen
Grosse Burgruine auf einer bewaldeten Geländerippe am nördlichen Abhang des Thurgauer Seerückens. Die im späten 13. Jhdt. durch die Herren von Klingen gegründete Anlage wechselte sehr häufig den Besitzer und gehörte ab 1415 für längere Zeit den Herren von Hohenlandenberg. Im 16. und 17. Jhdt. wurde sie erweitert und im 18. Jhdt. schliesslich aufgegeben. Sichtbar sind die markanten Ruinen des Wohnturms, des Palas und der Ringmauern aus verschiedenen Bauphasen.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 38’ 53.98" N, 08° 56’ 23.44“ E
Höhe: 520 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 712.790 / 278.600
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Von der Hauptstrasse 13, die dem Südufer des Untersees entlang führt, zweigt 1,5 km östlich von Mammern bergseits eine markierte Nebenstrasse zur Neuburg ab. Vom Waldrand aus zu Fuss in rund 10 Min. dem ausgeschilderten Weg hinauf zur Ruine folgen.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Von Weinfelden mit der Bahn in Richtung Konstanz bis nach Kreuzlingen fahren. Ab hier weiter mit der S-Bahn (Linie 8, in Richtung Schaffhausen) bis nach Mammern. Vom Bahnhof aus dem markierten Wanderweg in östlicher Richtung in rund 40 Min. zur Burg folgen.
Wanderung zur Burg
Die ViaRhenana führt direkt an der Burg vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Feuerstelle auf der Burg
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Neuburg (TG)
Quelle: Brem, Hansjörg et al. - Die Sanierung der Ruine Neuburg bei Mammern in den Jahren 2001-2003 | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 9. Jhg./Nr. 1 | Basel, 2004 | S. 13 | überarbeitet von O. Steimann, 2005
Historie
Die Neuburg, grösste Burgruine des Thurgaus und eine der bedeutendsten mittelalterlichen Wehranlagen am Untersee, liegt im Einzugsbereich der alten Herrschaft Mammern. Hier stand die Stammburg eines gleichnamigen Adelsgeschlechts, das jedoch im 12. Jhdt. aus der Gegend verschwand. Ulrich III. von Klingen dürfte im Gegensatz zur alten, damals bereits zerfallenen Burg um 1270 auf einem Geländerücken hoch über dem See die Neuburg errichtet und damit eine eigenständige kleine Herrschaft gegründet haben. Im März 1274 stellte er jedenfalls auf einer Burg namens «Nüwenberg» eine Urkunde aus und nannte sich 1280 «dominus castri Nuwenberch». Zusammen mit Hohenklingen (SH) dürfte die neue Burg der Überwachung des Handelsverkehrs auf dem Untersee gedient haben.
Die ursprüngliche Anlage bestand aus dem massiven Bergfried, einer Ringmauer und dem Palas, wobei eine Baufuge im Mauerwerk des Turms in etwa 10 Metern Höhe auf einen längeren Bauunterbruch hinweisen könnte. Bergseits wurde die Burg durch einen tiefen Graben geschützt.

1290 verkaufte Ulrich III. von Klingen die Burg für 113 Mark Silber an die Herren von Castell, die 1319 von der Abtei St. Gallen auch das Dorf Mammern samt Kirchensatz verliehen bekamen. Es folgten nun zahlreiche Besitzerwechsel, wobei Mammern und die Neuburg als st. gallische Lehen nahezu immer in denselben Händen verblieben. Ab 1344 war dies Rudolf von Wolfurt, ab 1389 Johann von Eberhardswil, ab 1405 Konrad von Baustetten und um 1411 Heinrich von Ulm. Dessen Söhne verkauften das Lehen 1415 an die Herren von Hohenlandenberg zu Wellenberg. Im August 1522 veräusserte Hugo von Hohenlandenberg die Neuburg erneut. Der Verkaufsurkunde ist zu entnehmen, dass die Anlage damals einen Vorhof und Scheunen umfasste. Nach weiteren raschen Besitzerwechseln gelangte sie 1540 durch Kauf an Ursula von Hutten aus der in der Ostschweiz reich begüterten Familie Thumb.

Die Thumb behielten die Neuburg bis 1621 und verkauften sie dann an die Familie von Roll aus Altdorf (Kanton Uri). Damals war das Archiv der Herrschaft in einem Gewölbe im Bergfried untergebracht, der alte Adelssitz diente demnach weiterhin als Verwaltungszentrum. Der Umbau der Burg, bereits im 16. Jhdt. begonnen, wurde von den neuen Besitzer vorangetrieben. Der Bergfried erhielt eine neue Geschosseinteilung, grössere Fensteröffnungen und einen neuen Zinnenkranz aus Backsteinen. Die alte Kernburg wurde mit einer zweiten Ringmauer umgeben, deren Bastionen sich an neuen kriegstechnischen Bedürfnissen orientierten. Auch der Palas wurde verändert und repräsentativ zum See hin ausgerichtet. Von einem auf späteren Abbildungen erkennbaren Gebäude auf der Ostseite der Kernburg fehlt heute hingegen jede Spur.

Gemäss einem Inventar von 1697 war die Burg damals noch in gutem Zustand, obwohl die von Roll bereits kurz nach Übernahme der Herrschaft das Amtshaus in Mammern zum Schloss und neuen Herrschaftszentrum ausgebaut hatten. Über die ebenfalls aus der Innerschweiz stammende Familie Reding gelangten Burg und Herrschaft Neuburg 1669 an die Familie Püntener, welche die alte Festung noch bis 1690 bewohnt hat. Damals erwarb das Kloster Rheinau die Neuburg und liess sie um 1699 offenbar noch ein letztes Mal reparieren, nachdem ein Teil der Umfassungsmauer eingestürzt war. Gemäss den Schriftquellen mehrten sich nun jedoch die Hinweise auf die Baufälligkeit der Anlage, und 1742 liess der rheinauische Statthalter einen Teil der Burg «zu erspahrung der unnöthigen kösten» abtragen. Nachdem 1813 auch das Dach des Bergfrieds zusammengebrochen war, wurde die Anlage endgültig dem Zerfall überlassen, teilweise auch als Steinbruch ausgebeutet.
Als 1838 die Besitzungen des Klosters Rheinau verkauft wurden, gelangte die Ruine Neuburg an Rudolf Huber aus Basel. Dieser veräusserte das Grundstück bereits im folgenden Jahr an den Besitzer des etwas weiter östlich gelegenen Schlosses Glarisegg, Albrecht Georg Fürst zu Schaumburg-Lippe. 1930 wurde die Ruine schliesslich von Waldemar Ullmann aus Mammern erworben, dessen Erben sie noch heute besitzen. Ullmann liess selbst gewisse Sicherungsmassnahmen durchführen, über die jedoch keine Aufzeichnungen existieren. Nachdem seit den 1950er-Jahren immer wieder Anläufe für eine grundlegende Sanierung der Anlage gescheitert waren, konnte eine solche 2001 endlich in Angriff genommen werden. Unter Leitung des Amtes für Archäologie des Kantons Thurgau und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen wurde die Burgruine bis Ende 2003 umfassend gesichert und bauhistorisch untersucht.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 577
  • Brem, Hansjörg et al. - Die Sanierung der Ruine Neuburg bei Mammern in den Jahren 2001-2003 | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 9. Jhg./Nr. 1 | Basel, 2004 | S. 1-27
  • Giezendanner, Heini - Burgen und Schlösser im Thurgau | Frauenfeld, 1997 | S. 50-51
  • Komission des historischen Vereins des Kantons Thurgau - Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, II. Teil | Basel, 1932 | S. 36-40
  • Raimann, Alfons/Erni, Peter - Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. VI: Der Bezirk Steckborn | Bern, 2001 | S. 211-212
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 91-92
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