BURG KASTELEN
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Allgemeine Informationen
Mächtiger Donjon, im 13. Jhdt. durch die Grafen von Kyburg an Stelle einer älteren Burg erbaut. Die im Bauernkrieg zerstörte Anlage wurde vorbildlich saniert, der Turm kann während der Öffnungszeiten bestiegen werden.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 08' 48.90" N, 07° 59' 34.45" E
Höhe: 652 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 642.040 / 221.920
Kontaktdaten
Verein Burgruine Kastelen | Bruno Bieri | Grundmühle 5 | CH-6130 Willisau
Tel: +41 (0)41 970 32 72
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A2 bei der Ausfahrt Dagmersellen verlassen und weiter auf der Kantonsstrasse 2a in südlicher Richtung über Nebikon und Schötz bis nach Alberswil. Parkplätze beim Schulhaus oder beim Museum Burgrain.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab den Bahnhöfen Willisau und Sursee regelmässige Busverbindungen nach Alberswil, Haltestelle Dorf.
Wanderung zur Burg
Von Alberswil führt der ausgeschilderte «Chastelenweg» in rund 30 Min. hinauf zur Ruine.
Öffnungszeiten
Zugang zum Turm:
Sommerzeit: täglich 8.00 bis 20.00 Uhr
Winterzeit: täglich 8.00 bis 17.00 Uhr
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Kastelen
Quelle: Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 8: Kantone Luzern und Aargau | Zürich, 1982 | S. 23 | bearbeitet und ergänzt von O. Steimann, 2010
Historie
Archäologische Funde belegen, dass die Hügelkuppe von Kastelen möglicherweise bereits in der Jungsteinzeit, sicher aber in der Bronzezeit besiedelt war. Ebenso konnte eine Vorgängerburg zur heute sichtbaren Anlage nachgewiesen werden: Durch Funde von hochmittelalterlichen Pfeilspitzen und Hufeisen sowie durch den Nachweis einer Palisadenreihe und von Fundamentgruben auf dem Areal der heutigen Kernburg. Auch der Sodbrunnen war wahrscheinlich bereits Teil dieser frühen Wehranlage.

Über die Besitzer und Erbauer der ersten Burg Kastelen herrscht Unklarheit. Im 12. Jhdt. gehörte die Herrschaft den Grafen von Lenzburg, nach deren Aussterben (1173) fiel sie mit einem grossen Teil des Erbes den Grafen von Kyburg zu. Einer der letzten Kyburger, Hartmann IV. oder sein Neffe Hartmann V., liess auf dem Hügel über Alberswil eine neue Burg errichten.
Mitten in der bestehenden Anlage entstand so um die Mitte des 13. Jhdts. ein mächtiger Wohnturm, der im Grundriss 12,3 x 14,8 Meter bei einer Mauerstärke von bis zu 2 Meter misst. Auf Fundamenten aus Nagelfluhfelsen wurde das donjonartige Gebäude aus äusserst exakt zugehauenen Tuffstein-Buckelquadern aufgeführt. Der Hocheingang befindet sich auf der Westseite, zwei weitere Türöffnungen führten in den oberen Turmgeschossen auf Balkone. Der Turm ragt heute noch 21 Meter hoch auf, was beinahe seiner ursprünglichen Höhe entspricht.

Der aufwändige Baustil weist darauf hin, dass es sich hier nicht um eine unbedeutende Ministerialenburg handelt, sondern um eine Anlage, welche den Machtanspruch der Kyburger eindrücklich demonstrieren sollte. Tatsächlich stellten die Grafen von 1258 bis 1262 auf Kastelen verschiedentlich Urkunden aus – sie betrachteten die Burg offenbar als wichtigen Stützpunkt für ihre Territorialpolitik. Ihr Aussterben (1264) durchkreuzte diese Pläne. Die Erbtochter Anna von Kyburg verkaufte Kastelen 1273 an Graf Rudolf von Habsburg, der im selben Jahr zum König des deutschen Reichs gewählt wurde. Die Burg war nun Verwaltungsmittelpunkt eines Amtsbezirks und wurde von habsburgischen Dienstleuten verwaltet: Zunächst durch die Herren von Wolhusen, um 1344 durch die Familie von Tannenfels und um 1363 durch die Mülner von Zürich. 1367 konnten die Herren von Luternau die Lehnsherrschaft über Kastelen für 2000 Gulden erwerben. Im Sempacherkrieg enthielten sie sich einer Parteinahme, weshalb ihre Burg, obwohl damals noch habsburgisches Lehen, von den Eidgenossen verschont wurde. Nach dem Krieg schlugen sich die Burgherren auf die Seite der Sieger, 1416 sicherte sich Peter von Luternau das Bürgerrecht von Luzern.

1482 verkaufte Hans Sebastian von Luternau Kastelen für 3175 Gulden an Petermann Feer, Schultheiss von Luzern. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Burg vernachlässigt und musste von Hauptmann Ulrich Heinserlin, der sie 1598 für 17'000 Florin erworben hatte, für viel Geld instand gesetzt werden. Gemäss zeitgenössischen Ansichten trug der Wohnturm damals ein hohes Satteldach und zwei kleine Erkertürmchen.
Der mit Schulden belastete Besitz wurde 1645 von der Stadt Luzern übernommen. 1653 geriet Kastelen in die Wirren des Bauernkriegs: Am 23. Mai zogen Aufständische aus Ettiswil und Alberswil auf die nur noch von einem Feuerwächter bewohnte Burg und zerstörten ihr Dach. Luzern verzichtete auf eine Instandstellung und verkaufte den zugehörigen Grundbesitz 1680 an den Komtur des Johanniterordens zu Reiden und Hohenrain, Franz von Sonnenberg. Seine Familie erstellte bereits zwei Jahre später unterhalb der Ruine ein Schloss als neuen Wohnsitz. Die alte Burg hingegen verblieb in Luzernischem Besitz. Es wurden Pläne für einen Wiederaufbau vorangetrieben, 1738 aber aus Kostengründen endgültig verworfen.

Im Sommer 1996 ging die stark vom Zerfall bedrohte Ruine in den Besitz des neu gegründeten Vereins Burgruine Kastelen über. Dieser erstellte zunächst neue Zugangswege und machte sich dann Schritt für Schritt an die Sanierung des mächtigen kyburgischen Turms. Diese Arbeiten wurden von partiellen archäologischen Untersuchungen und einer Bauuntersuchung begleitet. 2002 bis 2004 wurde ausserdem der Sodbrunnen ausgeräumt, untersucht und neu aufgemauert. Heute ist die Anlage wieder täglich zugänglich. Der Wohnturm, mit zahlreichen Fensteröffnungen aus verschiedenen Epochen, kann über eine inwendig angebrachte Metallkonstruktion bestiegen werden.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 404
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 118-121
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 5: Luzern, Zug | Kreuzlingen, 1969 | S. 54-57
  • Heinemann, Franz - Die Burgen und Schlösser des Kantons Luzern | Basel, 1929 | S. 52-53
  • Karrer, Peter - Burgenarchäologie im Kanton Luzern – ein Lauf durch die Forschungsgeschichte | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 17. Jhg./Nr. 2 | Basel, 2012 | S. 81-82
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 8: Kantone Luzern und Aargau | Zürich, 1982 | S. 23-24
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 260-261
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 128-129
  • Reinle, Adolf - Die Kunstdenkmäler des Kantons Luzern, Bd. V: Das Amt Willisau | Basel, 1959 | S. 6-9
  • Thüer, Hans Rudolf - Die Burgen und Schlösser im Amt Willisau und Umgebung, Teil 1 | In: Heimatkunde des Wiggertals, Heft 40 | Willisau, 1982 | S. 228-234
  • Thüer, Hans Rudolf - Luftbilder der Burgstellen, Burgruinen und Schlösser unserer Region | In: Heimatkunde des Wiggertals, Heft 44 | Willisau, 1986 | S. 118-121
Webseiten mit weiterführenden Informationen
  • www.kastelen.ch
    Internetseite des Vereins Burgruine Kastelen mit aktuellen Informationen zur Burg und Kontakt für Führungen.
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