BURG GRÜNENBERG
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Allgemeine Informationen
Grünenberg, unmittelbar westlich von Langenstein und Schnabel gelegen, war die bedeutendste der drei Burganlagen auf dem Melchnauer Schlossberg. Bereits im 10. oder 11. Jhdt. als Holz/Erd-Burg gegründet, wurde sie um 1200 in eine steinerne Anlage umgewandelt und immer wieder ausgebaut. Grünenberg war die Stammburg der gleichnamigen Freiherrenfamilie, die im 14. Jhdt. in habsburgischen Diensten grosse Bedeutung erlangte, bevor sie sich in Konflikten mit den aufstrebenden Städten aufrieb. Die Stadt Bern zerstörte die Burg 1383 und eroberte sie 1444 endgültig. Sie diente noch wenige Jahre als Vogteisitz und wurde bald darauf aufgegeben. Sichtbar sind konservierte Reste der Ringmauer, des Bergfrieds und zweier Wohntrakte. Wichtigster Teil der Anlage ist aber die Ruine der Burgkapelle mit ihrem gut erhaltenen Boden aus St. Urban-Ziegeln. Sie wird durch einen modernen Pavillon geschützt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 10' 44.31" N, 07° 51' 29.33" E
Höhe: 613 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 631.800 / 225.420
Kontaktdaten
Stiftung und Verein Burgruine Grünenberg | Postfach 35 | CH-4917 Melchnau
E-Mail: verein@gruenenberg.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Langenthal in südöstlicher Richtung der Melchnaustrasse bis nach Melchnau folgen. Grosser Parkplatz bei der Kirche im Oberdorf. Unmittelbar hinter der Kirche beginnt der markierte Aufsteig auf den Schlossberg mit den drei Burganlagen Grünenberg, Schnabel und Langenstein.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Von Langenthal mit der Buslinie 51 nach Melchnau, Oberdorf. Ab hier obiger Wegbeschreibung folgen.
Wanderung zur Burg
Der Grenzpfad Napfbergland führt an den Burganlagen auf dem Melchnauer Schlossberg vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Picknickplatz mit Grillstelle auf dem Burgareal
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Bei Aufstieg von Osten her auf den Schlossberg evtl. möglich, aber nicht zu empfehlen.
Bilder
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Grundriss
Grundriss Grünenberg
Quelle: Infotafel des Archäologischen Diensts des Kantons Bern | überarbeitet von O. Steimann, 2015
Historie
Die Dreifach-Burganlage auf dem Schlossberg bei Melchnau bildete im Hoch- und Spätmittelalter das Zentrum ritterlicher Kultur und Herrschaft im Oberaargau. Die bedeutendste der drei Adelsresidenzen war Grünenberg, dessen konservierte Mauerreste sich noch heute am westlichen Ende des Burghügels erheben. Bei archäologischen Untersuchungen wurden Spuren von Grubenhäusern, Balkenauflager und Pfosterlöcher entdeckt, die beweisen, dass an dieser Stelle bereits im 10. oder 11. Jhdt. eine Holz/Erd-Burg entstanden ist. Die Gründer sind unbekannt, doch dürfte es sich um die Vorfahren der Herren von Langenstein gehandelt haben. Diese ab 1191 erwähnte Familie war es, die 1194 mit verwandten Adligen das bedeutende Zisterzienserkloster St. Urban in Pfaffnau (LU) gründete.
Zur gleichen Zeit wurde auf Grünenberg die Holzburg durch eine steinere Wehranlage ersetzt. Südwestlich des Burgareals hob man einen tiefen Graben aus, der auch als Steinbruch diente. Auf der Nordostseite entstand sogar ein Doppelgraben. Damals wurde die Ringmauer errichtet, die im Grundriss ein langgezogenes, unregelmässiges Rechteck bildet. Das Burgtor wurde auf der Südostseite angelegt, während man in der Nordwestecke einen Turm zu bauen versuchte. Diese Arbeiten mussten aber abgebrochen werden: Wahrscheinlich, weil sich unter dem Bauwerk ein Spalt im Sandsteinfelsen bildete. Leicht versetzt wurde kurz darauf ein Neubau errichtet, dessen Aussenwände mit mächtigen Bossenquadern verkleidet sind. Ungefähr in die gleiche Zeit fallen die beiden repräsentativen Wohnbauten in der Südecke und entlang der Nordostseite. Etwas später entstand ein gedeckter, 26,8 Meter tiefer Sodbrunnen und um 1275 die Burgkapelle. Letztere ist bis heute der kulturhistorisch bedeutendste Teil der Burganlage, denn ihr Boden aus rotgebrannten Ziegeln und etliche Gewändesteine – alle von der Abtei St. Urban hergestellt – sind sehr gutr erhalten. Ziegel und Backsteine sind mit zahlreichen Ornamenten verziert, die Tier- und Pflanzensymbole zeigen.

Die Ritter von Langenstein verschwinden nach 1224 aus den Schriftquellen. Ihre Erben waren die offenbar eng mit ihnen verwandten Freiherren von Grünenberg, die 1218 mit Ulrich I., Sohn von Heinrich I. im Gefolge der Grafen von Kyburg auftauchen. Sehr wahrscheinlich handelt es sich um eine Seitenlinie der Langensteiner, die nach dem steinernen Neubau den Namen der westlichen Burg angenommen hat. Auch dieses neue Geschlecht war eng mit dem Kloster St. Urban verbunden und machte ihm 1224 eine umfangreiche Schenkung von Gütern in Langenthal.
In der nächsten Generation kam es zur Spaltung in zwei Hauptlinien. Die Nachkommen von Heinrich II. residierten fortan auf Burg Grünenberg, jene von Markwart I. auf Burg Langenstein und später auch auf dem dazwischen gelegenen festen Haus, dem Schnabel.

Im 14. Jhdt. erlebte die Burg Grünenberg ihre Blütezeit. Der Nordpalas wurde damals deutlich vergrössert. Zu einem unbekannten Zeitpunkt verlegte man auch das Burgtor von der Südost- auf die Nordseite. Dort wurde ein neuer Zwinger errichtet, der über eine Zugbrücke erreichbar war. Das alte Tor wurde hingegen zugemauert und an seiner Stelle ein Backhaus errichtet. Einen letzten Umbau erfuhr die Anlage im 15. Jhdt., als der Torzwinger verändert werden musste, damit breitere Wagen in die Burg fahren konnten.

Die Freiherren von Grünenberg lehnten sich im 14. Jhdt. immer enger an die Habsburger an, was ihnen zusätzlichen Einfluss und verschiedene Lehen einbrachte, beispielsweise die Herrschaft über das Städtchen Huttwil. Familienangehörige kämpften auf habsburgischer Seite gegen König Ludwig den Bayer und am Morgarten gegen die Schwyzer. Gute Beziehungen wurden aber auch zu den Grafen von Neu-Kyburg gepflegt, was Ulrich III. von Grünenberg 1321 das Amt des Schultheissen von Burgdorf einbrachte. 1364 wurde Markwart VII. zum Fürstabt des Klosters Einsiedeln gewählt. Petermann von Grünenberg stieg zur gleichen Zeit zum geschworeren Rat der Herrschaft Österreich auf, erlangte durch Heirat Burg und Herrschaft Aarwangen und wurde schliesslich habsburgischer Vogt in Rothenburg (LU).
1375 fielen die Söldnertruppen von Enguerrand VII. von Coucy, die sogenannten «Gugler» ins Herrschaftsgebiet der Grünenberger ein. Aarwangen wurde zerstört und das Kloster St. Urban besetzt. Petermann von Grünenberg organisierte den Widerstand gegen die Plünderer und griff von seiner Stammburg aus die Abtei an, zunächst allerdings erfolglos. Nach mehreren Niederlagen steckte Enguerrand VII. St. Urban in Brand und zog im Frühjahr 1376 zurück nach Frankreich. Petermann fand bei den Kämpfen möglicherweise den Tod, im April 1376 war er nicht mehr am Leben.

Der nun einsetzende Abstieg der Familie beschleunigte sich, weil sie die Grafen von Neu-Kyburg im «Burgdorferkrieg» gegen die Städte Bern und Solothurn unterstützte. Im Juli 1383 zogen deshalb Krieger aus Bern nach Melchnau, eroberten die Burg Grünenberg und verwüsteten sie gründlich. Sie wurde zwar bald wieder hergerichtet, doch häuften sich nun die Niederlagen: 1385 wurde Hemmann von Grünenberg aus Rothenburg vertrieben und in der nachfolgenden Schlacht von Sempach fielen mehrere Grünenberger auf habsburgischer Seite.
Zu Beginn des 15. Jhdts. versuchte die Familie zwar, weiteren Konflikten auszuweichen und schloss 1407 einen Burgrechtsvertrag mit Bern. Doch 1432 wurde dieser durch Wilhelm, den letzten Grünenberger, wieder aufgelöst. Gleichzeitig verkaufte er Burg und Herrschaft Aarwangen an Bern und erwarb im Folgejahr die Burg Stein in Rheinfelden. Weil er sich im Alten Zürichkrieg auf die Seiten Habsburgs stellte, besetzten die Berner 1444 Grünenberg, während die Basler 1445 Wilhelms Burg Stein eroberten. Er starb als österreichsicher Amtmann von Rheinfelden spätestens 1453.

Bern behielt die Burg Grünenberg und machte sie zum Vogteisitz. Doch bereits 1455 wurde die Herrschaft mit Aarwangen vereinigt und von dort aus verwaltet. Grünenberg wurde nun nicht mehr gebraucht und zusammen mit dem Dorf Melchnau an den damaligen Burgherr von Langenstein, Hans Egbrecht von Mülinen, vergeben. Nachdem dessen Erben 1480 Langenstein und alle noch verbliebenen Besitzungen an Bern verkauft hatten, verlor die Stadt das Interesse an Grünenberg vollends und liess die Anlagen auf dem Schlossberg zerfallen.
Als man 1949 mit der Ausgrabung begann, waren nur noch wenige Mauern sichtbar. Die grösste Überraschung war damals die Freilegung der Schlosskapelle mit ihrem wertvollen Boden. Dieser wurde zwar geschützt, doch die restliche Ruine überliess man unkonserviert dem weiteren Zerfall. In mehreren Etappen wurde die historisch bedeutende Anlage dann von 1992 bis 1998 komplett saniert. Die Kapelle erhielt einen neuen, modernen Schutzbau mit Vitrinen für Fundstücke. Ausserdem wurde an Stelle der alten Zugbrücke ein moderner Zugangssteg gebaut. Und nicht zuletzt erbrachte die wissenschaftliche Dokumentation der Burgmauern viele neue Erkenntnisse zur Baugeschichte. Heute wird die Anlage durch den «Verein Burgruine Grünenberg» verwaltet.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln auf der Burg
Literatur
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Melchnau: Die Burgruine Grünenberg | Faltblatt | Bern, 2014
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 142
  • Gutscher, Daniel - Die Burganlage Grünenberg in Melchnau | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 1. Jhg./Nr. 4 | Basel, 1996 | S. 77-82
  • Gutscher, Daniel - Neue Wege der Burgendenkmalpflege: Konservierung und Revitalisierung | Das Beispiel der Ruine Grünenberg in Melchnau BE | In: Schweizerischer Burgenverein (Hg.) - Gesicherte Ruine oder ruinierte Burg? [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 31] | Basel, 2005 | S. 187-204
  • Jufer, Max - Die Freiherren von Langenstein-Grünenberg | In: Jahrbuch des Oberaargaus 1994: Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde | 37. Jhg. | Wangen a. A., 1994 | S. 109-214
  • Jufer, Max - Die frühesten Burgstellen im Oberaargau | In: Jahrbuch des Oberaargaus 1999: Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde | 42. Jhg. | Wangen a. A., 1999 | S. 55-56
  • Plüss, August - Die Freiherren von Grünenberg in Kleinburgund | In: Archiv des Historischen Vereins des Kantons Bern, Bd. 16/Heft 1 | Bern, 1900 | S. 43-292
  • Schmid, Bernhard / Moser, Franz - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau, I. Teil | Basel, 1942 | S. 96-102
  • Wenger, Lukas - Ganerbensitz Grünenberg? Eigentumsverhältnisse der Freiherren von Grünenberg, untersucht mit Hilfe einer genealogischen Datenbank | In: Burgen und Schlösser: Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e.V., 2007/Nr.4 | Braubach am Rhein, 2007 | S. 152-155
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