BURG CASTELS (PUTZERBURG)
 Weltweit | Europa | Schweiz | Kanton Graubünden | Region Prättigau / Davos | Luzein

Klicken Sie in das Bild, um es in voller Grösse ansehen zu können!
Allgemeine Informationen
Imposante Ruine einer weitläufigen, möglicherweise sehr frühen Höhenburg mit Resten des Hauptturms und der Umfassungsmauer. 1499 und 1622 von den Bündnern erobert, wurde Castels spätestens um die Mitte des 17. Jhdts. aufgegeben und zerstört.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 55’ 29.22" N, 09° 44’ 41.73“ E
Höhe: 1065 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 775.630 / 199.660
Kontaktdaten
Förderverein Burg Castels | Grosshus 68 | CH-7242 Luzein
E-Mail: info@burgcastels.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Der Hauptstrasse durch das Prättigau bis nach Küblis folgen. Beim Bahnhof nordseitig in Richtung St. Antönien abbiegen und auf dieser Strasse bergauf über Luzein bis zum Weiler Scams fahren. Kurz nach Scams biegt links das Strässchen nach Putz ab. Parkmöglichkeiten vor Ort. Die Burg liegt unmittelbar südlich von Putz direkt am Steilhang über der Landquart.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Landquart mit der Rhätischen Bahn bis nach Schiers. Von hier weiter mit der Buslinie 214 in Richtung Pany bis zur Haltestelle Putz, alte Post.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
Klicken Sie in das jeweilige Bild, um es in voller Grösse ansehen zu können!
Grundriss
Grundriss Castels
Quelle: Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 279 | bearbeitet von O. Steimann, 2009
Historie
Über die Anfänge der Burg Castels ist nichts bekannt. Der Name und die Weitläufigkeit des Burghofs werden als Hinweise auf ein frühmittelalterliches Refugium oder ein rätisches Kirchenkastell gedeutet. Im Verlauf des Hochmittelalters gelangte offenbar eine Adelsfamilie in den Besitz der Anlage und baute sie zur Feudalburg aus. Die ältesten Teile der Ringmauer stammen wahrscheinlich aus dem 12. Jhdt.
Zu Beginn des 14. Jhdts. war Castels das Herrschaftszentrum aller Güter, welche die Familie von Aspermont im oberen Prättigau besass, während der untere Talabschnitt von der Burg Solavers aus verwaltet wurde. 1338 wurden beide Burgen mit allen Herrschaftsrechten an Graf Friedrich V. von Toggenburg und Ritter Ulrich von Matsch verkauft. Als diese beiden 1344 ihre Besitzungen im Prättigau aufteilten, fiel die «burg zu Castels» den Matsch zu.

1394 stellte Graf Friedrich VII. von Toggenburg «ze Castell in vnser vesty» eine Urkunde aus – offenbar war die Wehranlage damals wieder in toggenburgischem Besitz. Doch als Friedrich 1436 als Letzter seines Geschlechts starb, kam Castell zurück an die Matsch. Gaudenz von Matsch, des öfteren in Geldsorgen, wohnte zeitweise auf der Burg, musste sie und das zugehörige Gericht aber verschiedentlich verpfänden. 1496 verkaufte er den ganzen Besitzkomplex an König Maximilian.
Als habsburgische Feste wurde Castels im so genannten Schwabenkrieg zum Angriffsziel für die Bündner: Am 16. oder 17. Februar 1499 eroberten sie die Burg und liessen deren Bewohner und die Leute der zugehörigen Gerichte ihnen die Treue schwören. Allerdings sass Mitte November mit Hans Schuler von Davos bereits wieder ein österreichischer Vogt auf Castels. Offenbar war dem König mit dem Friedenschluss von Basel die Burg zurückerstattet worden. Fortan wurden, um Konflikte mit den Talleuten zu vermeiden, vorwiegend Vögte aus Bündner Adelsgeschlechtern auf Castels eingesetzt, beispielsweise die Herren von Marmels oder von Salis.

Im Dreissigjährigen Krieg kam es dennoch wieder zu Kampfhandlungen: Die aufständischen Prättigauer belagerten 1622 die Burg drei Tage lang und schnitten ihr die Wasserzufuhr ab. Am 25. April ergab sich die Besatzung und die Festung wurde teilweise zerstört. Anfangs September konnte Graf Sulz Castels für Österreich zurückerobern. Im Lindauer Friedensvertrag vom 6. September 1622 wurde festgehalten, dass die Bündner die Burg wieder herzurichten hätten. Ob der Wiederaufbau aber tatsächlich stattfand, ist fraglich. 1649 konnte sich das Prättigau von Österreich loskaufen, Castels wurde daraufhin von den Talbewohnern zerstört.

Die Burgruine umfasst heute hauptsächlich noch den weitläufigen Bering und den Hauptturm. Letzterer, rund 2 Meter von der Umfassungsmauer abgesetzt, misst im Grundriss 8,5 x 8,5 Meter und war einst mindestens vier Stockwerke hoch. Der alte Hocheingang befindet sich westseitig auf der zweiten Etage. Die Ringmauer, offensichtlich der älteste Teil der Burg, wurde über die Jahrhunderte immer wieder umgestaltet. Auf der Nordseite sind noch Reste eines Wehrgangs aus dem 16. oder 17. Jhdt. erhalten, der mit Schlüsselscharten für Handfeuerwaffen ausgestattet war. Auf der Ostseite war der Ringmauer ein Zwinger vorgelagert, den man mit einem kleinen Schalenturm befestigte.
Im südwestlichen Teil der Burganlage stand einst der Wohntrakt, von dem heute aber kaum noch Spuren erhalten sind. Auch von der übrigen Innenbebauung des grossen Burghofs ist nichts mehr erkennbar. Ein 1616 erstelltes Burginventar erwähnt die verschiedenen Räume und Möbel im zweigeschossigen Palas, darunter auch ein Kornlager, einen Weinkeller und die Burgkapelle. Im Hof gab es einen Brunnen, Ställe, einen Wäscheofen und eine kleine, beheizbare Badestube. Der Turm wurde damals nur noch als Gefängnis und Waffenmagazin benutzt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 297
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 70
  • Clavadetscher, Otto P. / Meyer, Werner - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Schwäbisch Hall, 1984 | S. 277-279
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 3: Kanton Graubünden (deutschsprachiger und romanischer Teil) | Zürich, 1983 | S. 24-26
  • Poeschel, Erwin - Das Burgenbuch von Graubünden | Zürich/Leipzig, 1930 | S. 271-273
  • Poeschel, Erwin - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. II: Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal | Basel, 1937 | S. 109
  • Von Castelmur, Anton - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg | Basel, 1940 | S. 36-37
Webseiten mit weiterführenden Informationen
zurück nach oben | zurück zur letzten besuchten Seite Download diese Seite als PDF-Datei
Alle Angaben ohne Gewähr! | Die Bilder auf dieser Webseite unterliegen dem Urheberrecht! | Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30.12.2018 [OS]