BURG BLATTEN
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Allgemeine Informationen
Auf einem ins Rheintal vorragenden Hügel gelegene, sehenswerte Ruine mit einem noch fünf Stockwerke hohen Wohnturm, Resten der Umfassungsmauer und des Burgtors. Der einstige Sitz st. gallischer Vögte und der Ritter von Ramschwag wurde 1799 zerstört.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 18' 28.84" N, 09° 33' 53.26" E
Höhe: 453 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 760.760 / 241.860
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Gemeinde Oberriet liegt zwischen Widnau und Feldkirch (Österreich), am westlichen Ufer des Rheins. Die Autobahn A13 bei der Ausfahrt Oberriet verlassen. Unmittelbar südlich der Strasse ins Dorfzentrum erhebt sich die weithin sichtbare Burg auf dem Ausläufer des Blattenbergs. Vom Fuss des Burghügels (Parkplätze vorhanden) ist sie in wenigen Schritten erreichbar.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Mit der Bahn bis Buchs, ab hier weiter mit der Buslinie 300 in Richtung Altstätten bis zur Haltestelle Oberriet, Oberdorf. Von da in südlicher Richtung gehen bis an den Fuss des vom Dorf her gut sichtbaren Burghügels. An dessen östlichstem Ende führt eine Treppe hinauf zur Ruine.
Wanderung zur Burg
Der Burghügel wird auf der ersten Etappe des Appenzeller Wegs passiert.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
Burgwirtschaft jeden Sonntag von April bis September.
Öffentlicher Rastplatz
Feuerstelle im Burgareal
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
kleiner Spielplatz im Burgareal
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Blatten
Quelle: gezeichnet von O. Steimann 2007 auf Basis des Katasterplans und eigener Beobachtungen
Historie
Das Dorf Oberriet gehörte im Hochmittelalter zum Reichshof Kriessern, welcher 1230 von König Heinrich (VII.) dem Kloster St. Gallen geschenkt wurde. Diese Übertragung dürfte der Anlass für den Bau der Burg Blatten gewesen sein, denn spätestens im Interregnum musste der St. Galler Abt Berchtold von Falkenstein seine Güter im Rheintal gegen die Begehrlichkeiten mächtiger Nachbarn, etwa der Grafen von Montfort, schützen. Ob auf dem Burghügel bereits eine Vorgängerburg bestand, ist mangels archäologischer Erkenntnisse nicht sicher. Die Erwähnung eines «Burkardus de Blattûn» (1170) und eines «Vllrici de Blatenn» (1229) lassen dies aber vermuten.
Das Burgareal wurde bergseits durch einen Graben geschützt und mit einer Ringmauer umgeben. In der südwestlichen Ecke errichtete man einen mächtigen Wohnturm, der im Grundriss 12 x 12 Meter misst und über 2,5 Meter dicke Mauern verfügt. Er war ursprünglich über einen Hocheingang auf der Nordseite zugänglich. Das heute noch erkennbare Burgtor lag auf der Südseite der Anlage, während der heute verschwundene Wohntrakt den östlichsten Teil des Areals einnahm.

Gemäss den St. Galler Chroniken soll der erste Inhaber des Burglehens Ammann Fehr von Altstätten gewesen sein. 1274 erklärte König Rudolf von Habsburg den Hof Kriessern wieder zum Krongut, nur die Burg Blatten verblieb dem Kloster. Sie wurde 1277 durch Abt Rumo von Ramstein an Ritter Ulrich von Ramschwag verpfändet. Dessen Familie erhielt kurz darauf vom König auch den zugehörigen Reichshof. Es war dies der Dank König Rudolfs dafür, dass Heinrich Walther von Ramschwag ihm am 26. August 1278 in der Schlacht auf dem Marchfeld gegen Ottokar von Böhmen das Leben gerettet hatte.
Jener Zweig der Herren von Ramschwag, der sich nun auf Blatten niederliess, geriet im 14. Jhdt. verschiedentlich in Konflikte mit dem Kloster St. Gallen. Diese dauerten auch nach 1400 an, als sich die Ritter mit den aufständischen Appenzellern zu arrangieren versuchten, während ihre Verwandten auf Seiten des Klosters kämpften. Immerhin konnte die Burg auf diese Weise vor der Zerstörung bewahrt werden, erlitt aber doch einige Beschädigungen. Noch bis 1419 stritten die Vettern Burkhardt und Heinrich von Ramschwag um die Besitzrechte und die Unterhaltskosten. Geldnot zwang 1458 die Brüder Walter Heinrich und Ulrich von Ramschwag, Burg und Herrschaft Blatten zu verkaufen. Ihr Schwager Jakob Mangold, ein Konstanzer Bürger, konnte sie für eine geringe Summe erwerben. Nach seinem Tod verkaufte seine Frau die Burg 1468 an Abt Ulrich VIII. von St. Gallen.

Das Kloster setzte nun Vögte über die Herrschaft ein, denen die Burg bis 1798 als Amtssitz diente. Wohl in jener Zeit erhielt der Wohnturm einen ebenerdigen Zugang und grosse Fensteröffnungen im vierten und fünften Stockwerk. Um 1640 investierte das Kloster 4300 Gulden für ein neues Wohnhaus auf der Burg, weil der alte Palas nicht mehr benutzbar war.
Nicht die Auflösung der Herrschaft in der Helvetischen Revolution besiegelte schliesslich das Schicksal von Blatten, sondern Kämpfe zwischen österreichischen und französischen Truppen 1799 direkt vor der Burg. Sie wurde dabei durch Geschützfeuer schwer beschädigt. Die Ruine gehört seit 1803 dem Kanton St. Gallen, der den Oberrietern erlaubte, sich auf Blatten Steine für den Bau einer neuen Kirche zu holen. Nur der Turm sollte unbehelligt bleiben, weil er den Rheinschiffern als Orientierungspunkt diente. 1882 wurde anstelle des zerfallenen Wohntrakts eine Festwirtschaft errichtet, die 1892 jedoch einem Brand zum Opfer fiel. Erste Konservierungsarbeiten am Mauerwerk der Burg wurden 1911 ausgeführt. 1977 folgte eine umfassende Sanierung des Wohnturms, 1985 die Instandstellung des Berings mit den Resten des Burgtors.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 476
  • Boari, Benito - Denkmalpflege im Kanton St. Gallen 1981-1985 | Rorschach, 1988 | S. 140
  • Farnum, Jerome H. - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz | Bern/Stuttgart, 1976 | S. 147-149
  • Felder, Gottlieb - Die Burgen der Kantone St. Gallen und Appenzell, 1. Teil [47. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen] | St. Gallen, 1907 | S. 21
  • Felder, Gottlieb - Die Burgen der Kantone St. Gallen und Appenzell, 3. Teil [82. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen] | St. Gallen, 1942 | S. 7-8
  • Felder, Gottlieb - Über altes Burggemäuer | In: Meili, Hermann (Hg.) - Burgen, Schlösser und Burgherrengeschlechter der Ostschweiz | Trogen, 1970 | S. 39
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 2: St. Gallen, Appenzell, Fürstentum Liechtenstein | Kreuzlingen, o.J. | S. 19-20
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden | Zürich, 1983 | S. 24
Webseiten mit weiterführenden Informationen
    k.A.
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