BURGSTELLE BALDERN
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Allgemeine Informationen
Grosse zweiteilige Burganlage ohne Mauerreste auf der gleichnamigen Erhebung des Albisgrats, unweit nördlich der Bergstation Felsenegg. Die der Sage nach von König Ludwig dem Deutschen bewohnte Anlage könnte eventuell durch Herzog Ernst II. von Schwaben im frühen 11. Jhdt. befestigt worden sein. Um die Mitte des 12. Jhdts. befand sich die Burg Baldern im Besitz der Grafen von Lenzburg. Über den Zeitpunkt und Grund ihrer Auflassung besteht mangels archäologischer Untersuchungen keine Klarheit.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 18’ 52.49" N, 08° 30’ 20.58“ E
Höhe: 809 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 680.680 / 240.960
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Zürich der Hauptstrasse 4 (Sihltalstrasse) in südlicher Richtung bis nach Adliswil folgen. Unmittelbar nach dem Ortszentrum rechts in Richtung Albispass abbiegen und der Albisstrasse bergauf bis zum Wildnispark Langenberg folgen. Hier biegt rechts die steile Strasse hinauf zur Buchenegg ab. Dieser über mehrere Kehren bis hinauf auf die Passhöhe folgen (Parkplätze vor Ort). Von der Buchenegg führt der Albis-Gratweg in nördlicher Richtung zunächst zur Felsenegg und anschliessend auf die Anhöhe der Baldern (ca. 30 Min.).
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Zürich mit der Sihltalbahn (S4) bis nach Adliswil. Vom Bahnhof aus den Wegweisern zur LAF-Seilbahn folgen und mit dieser hinauf auf die Felsenegg fahren. Von hier führt der Gratweg in nördlicher Richtung in ca. 5 Min. zur Burgstelle.
Wanderung zur Burg
Der Zürich-Zugerland-Panoramaweg und der Albisgrat-Höhenweg führen an der Burgstelle vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Picknickplatz mit Feuerstelle auf dem Burggelände
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Baldern
Quelle: Zeller-Werdmüller, Heinrich - Zürcherische Burgen | In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jhrg. | Zürich, 1894-1895 | S. 299 | bearbeitet von O. Steimann, 2016
Historie
Nur wenige Kilometer südlich von Zürich befindet sich an exponierter Stelle auf dem Bergkamm des Albis die sagenumwobene Burgstelle Baldern. Die durch Abschnittgräben geschützte Anlage ist zweigeteilt: Das kleinere und tiefer gelegene nördliche Plateau trug wohl einst ein Vorwerk. Die Hauptburg muss auf dem südlichen Plateau gestanden haben, das auf allen Seiten steil abgeböscht ist und eine Ausdehnung von etwa 75 x 40 Meter aufweist. Vertiefungen im westlichen Teil der Hauptburg könnten auf ehemalige Gebäude hinweisen. Ausserdem sollen im südlichsten Teil der Anlage im 19. Jhdt. noch Spuren zugeschütteter Brunnen erkennbar gewesen sein.

Unter der Burgstelle breitet sich der Sihlwald aus, der historisch seit dem beginnenden Hochmittelalter zum Krongut der Reichsvogtei Zürich gehört hat, deren Zentrum die Königspfalz auf dem Lindenhof darstellte. Die Zürcher Chronisten des 16. Jhdts. wiesen der Burg Baldern eine grosse Bedeutung zu. Als «ein alt herrlich Schloss, hiess Baldren; uf deren was sesshaft Ludwig, ein künig von Frankrych» beschreibt etwa Heinrich Brennwalds Schweizerchronik die Anfänge der Burg. Gemeint ist damit der Karolinger Ludwig der Deutsche. Dieser ostfränkische König hat nachgewiesenermassen im Jahr 853 die Fraumünsterabtei in Zürich gegründet, mit Krongütern reich ausgestattet und hier nacheinander seine beiden Töchter Hildegard und Bertha als Äbtissinnen eingesetzt.
Dennoch ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass Baldern als karolingische Königsburg gegründet wurde. Höhenburgen dieser Art sind in der weiteren Umgebung erst ab dem frühen 10. Jhdt. bekannt.

1027 schrieb der Chronist Wipo in seiner «Gesta Chuonradi Imperatoris», dass Herzog Ernst II. von Schwaben bei seinem Aufstand gegen König Konrad II. eine Burg über Zürich befestigt habe. Das damit die Pfalz oder eine der andere Burg bei der Stadt gemeint sein könnte, kann nach diversen archäologischen Untersuchungen wohl ausgeschlossen werden. In Frage käme aber eventuell Baldern, das von seiner Ausdehnung her auch eine herzogliche Anlage gewesen sein könnte.

Ein Jahrhundert später befand sich die grosse Höhenburg offenbar im Besitz der Grafen von Lenzburg, welche auch die Pfalz Zürich samt Reichsvogtei verwalteten. Der 1168 verstorbene Kuno von Lenzburg wird im Jahrzeitbuch der Zürcher Grossmünsterabtei ausdrücklich «Comes Chuono de Baldern» genannt. Weitere historische Nachrichten fehlen. Nur die späteren Chronisten weisen die Burg im 13. Jhdt. den Freiherren von Regensberg zu. Obwohl die Regensberger im 13. Jhdt. tatsächlich Teile der alten Reichsvogtei innehatten, ist diese Nachricht zweifelhaft.
Baldern wurde bislang nicht archäologisch untersucht. Bei Schürfungen auf dem Burgareal sollen um 1860 zwar Spuren einer Ringmauer entdeckt worden sein, doch existieren darüber keine zuverlässigen Aufzeichnungen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Gedenktafel auf der Burg
Literatur
  • Baumann, Ernst et alt. - Adel und Burgen im Knonauer Amt [Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Affoltern 2010] | Affoltern am Albis, 2010 | S. 18-21
  • Schneider, Hugo - Burgen am Albis | In: Blätter der Vereinigung Pro Sihltal, Nr. 7/1957 | S. 26-27
  • Schneider, Hugo - Die Burgen und ihre Bewohner | In: Drack, Walter et alt. - Der Üetliberg | Zürich, 1984 | S. 53-80
  • Schneiter, Stefan - Der Uetliberg: Geschichte und Geschichten des Zürcher Hausbergs | Baden, 2011 | S. 68-69
  • Stauber, Emil - Die Burgen und adeligen Geschlechter der Bezirke Zürich, Affoltern und Horgen | Basel, 1955 | S. 87-88
  • Steimann, Oliver - Castrum, villa, palatium: Pfalzen und andere Aufenthaltsorte der Könige des Früh- und Hochmittelalters im Gebiet der heutigen Schweiz | Unveröff. Liz. Univ. Zürich | Zürich, 2000 | S. 137
  • Zeller-Werdmüller, Heinrich - Zürcherische Burgen | In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jhrg. | Zürich, 1894-1895 | S. 298-299
Webseiten mit weiterführenden Informationen
    -
Sonstiges
  • Burgsage: Der leuchtende Hirsch von der Baldern
    Der leuchtende Hirsch von der Baldern

    Hildegard und Bertha, die beiden Töchter König Ludwigs, wohnten zeitweise auf der Burg Baldern und stiegen nachts hinunter nach Zürich, um zu beten. Da schickte Gott ihnen einen Hirsch mit brennenden Kerzen auf dem Geweih, um ihnen den Weg zur Kapelle in der Au vor der Stadt zu leuchten. Der König bemerkte die nächtlichen Ausflüge seiner Töchter und rief sie zu sich, denn er wollte sie verheiraten. Die jungen Frauen antworteten aber, sie hätten Gott Keuschheit gelobt und möchten ihr Leben dort verbringen, wo sie immer beten würden. Der König erklärte sich daraufhin bereit, für sie ein Kloster zu gründen: die Zürcher Fraumünsterabtei.

    Quelle: gekürzte Fassung nach: Baumann, Ernst et alt. - Adel und Burgen im Knonauer Amt [Neujahrsblatt der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Affoltern 2010] | Affoltern am Albis, 2010 | S. 20
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