BURG ATTINGHAUSEN
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Allgemeine Informationen
Die wichtigste Burg des Kantons Uri steht gut sichtbar auf einem Hügel mitten im Dorf Attinghausen. Sie wurde bereits um 1100 von einem unbekannten Adelsgeschlecht gegründet und gelangte im frühen 13. Jhdt. an die Ritter von Schweinsberg aus dem Emmental. Diese erbauten die heute noch sichtbare Anlage und stiegen rasch zur mächtigsten Familie in Uri auf, bevor ihre Herrschaft um 1360 durch eine Reihe von Todesfällen abrupt endete. Um die gleiche Zeit fiel auch die Burg einem Brand zum Opfer und wurde nicht mehr aufgebaut. Sichtbar sind die Ruine des mächtigen Wohnturms, des Berings und die Grundmauern eines Wohntrakts.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 51’ 43.66“ N, 08° 37’ 47.05“ E
Höhe: 487 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 690.820 / 190.800
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Auf der Autobahn A2 oder A4 in Richtung Gotthard fahren und diese bei der Ausfahrt Altorf verlassen. Dann auf der Giessenstrasse in Richtung Süden fahren und an deren Ende rechts in die Allmendstrasse einbiegen. Diese führt nun als Reussstrasse/Industriestrasse der Autobahn entlang nach Süden bis zu einem Verkehrskreisel. Hier rechts abbiegen in Richtung Attinghausen und die Reuss überqueren. Die Strasse führt nun direkt auf den Burghügel zu. Parkmöglichkeiten im Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab dem Bahnhof Altdorf mit dem Bus in Richtung Attinghausen bis zur Endhaltestelle Seilbahn. Die Burg liegt gleich nebenan.
Wanderung zur Burg
Die Via Alpina führt an der Burgruine vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Picknickplatz mit Feuerstelle auf der Nordseite des Burghügels
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Attinghausen
Quelle: Meyer, Werner / Obrecht, Jakob / Schneider, Hugo - Die bösen Türnli: Archäologische Beiträge zur Burgenforschung in der Urschweiz [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 11] | Olten/Freiburg i.Br., 1984 | S. 10 | bearbeitet von O. Steimann, 2016
Historie
Die archäologischen Untersuchungen auf der Burg Attinghausen haben gezeigt, dass ihre Anfänge mindestens in die Zeit um 1100 zurückreichen. Damals existierte hier unter Einbezug der nahen Pfarrkirche ein befestigtes Herrschaftszentrum, das aus einer Kernburg mit Ringmauer, sowie einer weitläufigen, ummauerten Vorburg bestand. Diese Anlage war wesentlich grösser als die heutige Burgruine, ihre Überreste sind allerdings weitgehend verschwunden.
Wer die ersten Besitzer von Attinghausen waren, bleibt ungewiss. Die Burg entstand im Einflussgebiet der Herzöge von Zähringen, die seit 1092 die Reichsvogtei Zürich innehatten, zu der auch Uri gehörte. Vage Hinweise deuten an, dass sich bereits die Erbauer «von Attinghausen» nannten. So lässt sich beispielsweise ein Ritter Lamprecht von Attinghausen, der schon früh im Jahrzeitbuch der Kirche von Attinghausen vermerkt wurde, keiner der späteren Generationen der Familie zuordnen.

Klarer ist die Quellenlage ab 1240, denn ab diesem Jahr tritt im Emmental und in Uri ein Freiherr Ulrich in Erscheinung, der sich manchmal «de Sweinsperch» und manchmal «de Attinginhusen» nannte. Die Familie besass offenbar zwei Schweinsberg genannte Burgen bei Signau und Eggiwil (Kanton Bern), die heute nur noch als Burgstellen erhalten sind. Vielleicht war Ulrich durch die Heirat mit einer Erbtochter der älteren Familie von Attinghausen Burgherr in Uri geworden.
In seine Zeit fällt die grundlegende Umgestaltung der Wehranlage. Die neue Burg bestand aus einem Wohnturm mit rund 11 Metern Seitenlänge und einer Ringmauer, an deren Innenseite sich im Süden ein grosses hölzernes Gebäude anlehnte. Die Freiherren wurden zu dieser Zeit vor allem für lokale Rechtshändel als Zeugen beigezogen. Unter Werner II. erfolgte dann der steile politische Aufstieg der Familie. Nachdem er bereits ab 1290 als Anführer der Urner in verschiedenen Rechtshändeln tätig war, übernahm er um 1294 das Amt des Landammans. Dank königlicher Privilegien konnte Werner II. von Attinghausen das Land Uri diplomatisch absichern. Welche Rolle er 1315 in der Schlacht am Morgarten spielte, ist hingegen ungewiss.

Die Familie teilte sich damals in zwei Zweige. Der eine behielt den alten Namen «von Schweinsberg» und bewohnte die Burg Wartenstein im Emmental, während die Hauptlinie ihre Position in Uri stetig ausbaute. Der Name Schweinsberg wurde aber auch auf eine neue Burg übertragen, die im 13. Jhdt. unweit nördlich von Attinghausen errichtet und von Gefolgsleuten der Freiherren bewohnt wurde.
Die Burg Attinghausen selbst erfuhr um 1300 abermals eine bauliche Umgestaltung. Der hölzerne Südtrakt wurde durch ein repräsentatives steinernes Wohnhaus ersetzt. Darin spiegelt sich der gestiegene Machtanspruch der Familie. Werners Sohn Johann übernahm wohl das Amt des Landammans direkt von seinem Vater und war 1339 der Anführer der Urner in der Schlacht von Laupen. 1353 konnte er von König Karl IV. den Reichszoll zu Flüelen erwerben und wurde um die gleiche Zeit zum Rektor über das Wallis ernannt. Johann von Attinghausen starb wahrscheinlich im Sommer 1358. Die ältere Forschung hat vermutet, dass der selbstherrliche Landammann samt seiner Burg einem Aufstand zum Opfer gefallen sei. Heute geht man eher davon aus, dass er an der Pest oder auf einem Kriegszug starb.

Johanns Sohn Jakob war 1359 beim Papst in Avignon, kehrte von dieser Reise aber offenbar nie zurück. Zwei seiner Vettern, Werner und Johann von Simpeln, konnten sich einen Teil des Erbes sichern und nahmen 1359 wahrscheinlich für kurze Zeit auf Attinghausen Wohnsitz, bevor auch sie verstarben. Es ist möglich, dass sie in der Brandkatastrophe umkamen, die um 1360 die Burg vollkommen zerstörte. Ob böse Absicht im Spiel war, lässt sich heute nicht mehr klären. Die vielen Fundgegenstände im Brandschutt der Ruine zeigen aber, dass die Anlage vor ihrer Zerstörung nicht geräumt wurde, wie das bei einer Brandschatzung der Fall gewesen wäre.
Die Nächsten in der Erbfolge waren die Herren von Rudenz. Sie mussten zunächst hohe Schulden begleichen, die Johann von Attinghausen angehäuft hatte. Wohnsitz nahmen sie nicht mehr auf der zerstörten Burg, sondern im Turm von Flüelen, unmittelbar beim alten Reichszoll. Die weiteren Besitzverhältnisse für die Ruine von Attingshausen sind danach über längere Zeit unklar.

1894 wurde erstmals auf der Burg gegraben, zwei Jahre später wechselte sie für 1400 Franken in den Besitz des Vereins für Geschichte und Altertümer des Kantons Uri (heute: Historischer Verein Uri). Dieser liess die Anlage ausräumen und restaurieren. Eine professionelle archäologische Untersuchung erfolgte allerdings erst anlässlich der Sanierung der Ruine im Jahr 1979. Bei diesen Ausgrabungskampagnen fand man vor allem viele Pfeil- und Armbrustbolzen, Ofenkacheln, aber auch einen Helm, das Fragment eines Kettenpanzers, Werkzeuge, Schlüssel, Türbeschläge und weitere Gegenstände, die auf einen gehobenen Lebensstandard der Burgbewohner hinweisen.
Der schlechte Zustand des Mauerwerks führte 2007 dazu, dass der Zugang zur Ruine gesperrt werden musste. Dies veranlasste den Historischen Verein, eine wissenschaftlich begleitete Gesamtsanierung der Burg anzupacken, die dank umfangreichen Spenden in den Jahren 2011/2012 realisiert werden konnte. Dabei wurde erstmals auch das Mauerwerk der Ruine vollständig untersucht und dokumentiert. Seit dem Spätsommer 2012 ist die Burg Attinghausen wieder öffentlich zugänglich.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Birchler, Linus - Die Burgen und Schlösser der Urschweiz: Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden | Basel, 1929 | S. 13-16
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin 1995 | Nr. 653
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 6: Urschweiz (Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden) und Glarus | Kreuzlingen, 1970 | S. 16-20
  • Historischer Verein Uri (Hg.) - Die Burg Attinghausen: Die Geschichte der Burg und ihre Restaurierung [Historisches Neujahrsblatt 2011] | Altorf, 2012
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 1: Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug | Zürich, 1981 | S. 10-21
  • Meyer, Werner / Obrecht, Jakob / Schneider, Hugo - Die bösen Türnli: Archäologische Beiträge zur Burgenforschung in der Urschweiz [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 11] | Olten/Freiburg i.Br., 1984 | S. 7-36
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