BURG HATTIGEN
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Allgemeine Informationen
Bauernhaus im Weiler Hattigen am Dittligsee mit weitausladenem Dach und sichtbar integrierten Mauerresten aus Spätmittelalter und früher Neuzeit. Bei Ausgrabungen konnten 1991/92 auf der dahinterliegenden Anhöhe mächtige Pfostenlöcher nachgewiesen werden – möglicherweise die letzten Spuren einer Burg aus Holz. Das Geschlecht derer von Hattingen oder Hattigen ist im 14. und 15. Jhdt. in der Stadt Thun nachweisbar.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 45’ 17.20“ N, 07° 32’ 11.70“ E
Höhe: 667 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 607.480 / 178.180
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Die Autobahn A6 bei der Ausfahrt Thun-Nord verlassen und dem Autobahnzubringer (221.1) in westlicher Richtung bis zur Kreuzung mit der Hauptstrasse 221 (Aegertenstrasse) folgen. Von hier in südlicher Richtung nach Uetendorf. Im Zentrum rechts in die Hohlengasse und nach 250 Metern wieder rechts in die Schulrainstrasse einbiegen. An der nächsten Kreuzung in südwestlicher Richtung halten, weiter über die Weiler Egge und Weiermatt. Hier nach Westen halten, wo die Strasse 800 Meter später Hattigen am Dittligsee erreicht. Parkmöglichkeiten vor Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Thun mit der Buslinie 51 (in Richtung Blumenstein) bis zur Haltestelle Längenbühl, Grizzlibär. Der Standort der ehem. Burg befindet sich wenige Schritte nordöstlich der Haltestelle.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Das Gebäude mit den wenigen sichtbaren Spuren der Burg befindet sich auf einem Privatgrundstück.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
Das Familien-Erlebnisland «Grizzlybär» befindet sich auf dem Nachbargrundstück: www.grizzlybaer.ch
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Hattigen
Quelle: gezeichnet von O. Steimann, 2026 | auf Basis von: Archäologischer Dienst des Kantons Bern (Hg.) - Archäologie im Kanton Bern, Bd. 4A | Bern, 1999 | S. 187 und 189
Historie
Legendenhafte Ursprünge der Burg
Vieles deutet darauf hin, dass Hattigen im Hochmittelalter ein Adelssitz war, der sich auf einem sanften Hügel am Ufer des damals noch deutlich grösseren Dittligsees erhob. Die Entstehung dieser Burg wird in einer Volkssage entweder einer Familie von Dittlingen oder Diessbach zugeschrieben, die mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa ins Land gekommen sei. Oder dann einem Heinrich von Sax und seiner Frau Idda von Hettlingen, aus deren Name die Kurzform Hattigen entstanden sei. Historische Belege gibt es für beide Versionen nicht.

Hinweise auf eine Holzburg zu Hattigen
Ausgrabungen haben 1991/92 ergeben, dass auf der Anhöhe unmittelbar nördlich des heutigen Bauernhauses einst eine hölzerne Anlage stand, die möglicherweise im Hochmittelalter errichtet wurde. An zehn Stellen konnten mächtige Pfostenlöcher nachgewiesen werden, die zu einem Gebäude mit etwa 9,5 Meter Ausdehnung gehört haben dürften. Leider waren sie nur noch wenige Zentimeter tief, weil die Fläche in einer spätere Epoche ausplaniert worden war. Nordseitig dieses Pfostenbaus fand man Ansätze eines Grabens.
Wer hier im Mittelalter gebaut haben könnte, ist unklar. Eine Familie von Hatti(n)gen ist erst aber der Mitte des 14. Jhdts. in den Quellen fassbar: Ulrich und sein Sohn Johann wohnten in der Stadt Thun, wo das Geschlecht ein Haus besass. Johanns Sohn Kuno, der in der ersten Hälfte des 15. Jhdts. lebte, war Mitglied des Stadtrats. Ausser dem Namen verband die Familie damals aber nichts mehr mit Hattigen.

Erste Steinbauten im Spätmittelalter
Die Anlage aus Holz dürfte im Spätmittelalter aufgegeben worden sein, denn nun entstand am Ort des heutigen Gebäudes ein erstes Haus aus Stein. Dieses feste Haus wird in den Quellen auch «Sässhaus» genannt. Es mass im Grundriss 10,6 x 9,7 Meter und hatte im Sockelgeschoss 0,85 Meter starke Mauern. Während sie auf der Südseite später auf Höhe des Kellers abgebrochen wurden, sind sie auf der Nordseite – haute im Innern des Hauses – noch bis zu 9,5 Meter hoch erhalten.
Aber auch im Gelände zwischen diesem Haus und dem Hügel mit der vermuteten Holzburg wurde am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit gebaut. Hier konnte archäologisch ein Haus mit Ofen nachgewiesen werden. Mangels Funden ist allerdings unklar, was an diesem Ort produziert wurde.

Der Umbau zum Bauernhaus im 16. Jhdt.
Kurz vor 1530 kam es zu einem tiefgreifenden Umbau des spätmittelalterlichen Hauptbaus. Der steinerne Unterbau wurde nach Westen erweitert, darüber wurden neue Wohnräume aus Holz errichtet. Zu jener Zeit war Hattigen kein Herrschaftssitz mehr und in bäuerliche Hände übergegangen. Im Berner Zinsbuch wurde für 1530 festgehalten, was Diebolt Wenger für sein «Gut zu Hattingen uff dem Bül» abzuliefern habe. Darin wird auch vermerkt, dass das Gut zuvor seinem Vater Peter Wenger gehörte, und dass Diebolt kürzlich auf diesem Gut «Huss, Hof und Schür» erbaut habe.

Besitzerwechsel und weitere Umbauten
Im späten 16. Jhdt. kam das Gut Hattigen in den Besitz der Familie Dubi, ab dem 17. Jhdt. gehörte es der Familie Messerli. Diese liess 1778/79 den weit auslandenden Dachstuhl errichten, der das Gebäude noch heute prägt. Ebenfalls im 18. Jhdt. entstand auf der Nordwestseite ein Keller mit Tonnengewölbe. Interessanterweise ragten damals ans Haus angelehnt noch beträchtliche spätmittelalterliche Mauerreste in die Höhe – möglichweise von einem bis heute nicht genau lokalisierten Turm (siehe Bildergallerie).
Doch der Umbau ging weiter: In einem neu errichteten Anbau ans Haupthaus wurde 1857 eine Werkstatt eingerichtet, in der allerlei landwirtschaftliche Werkzeuge und Einrichtungsgegenstände hergestellt wurden, um sie auf dem Thuner Markt zu verkaufen. Aber selbst 1888, als Felix Messerli ein Nebengebäude abtrat, damit dort ein Gasthaus eröffnet werden konnte, wurde das Hauptgebäude noch immer als das Sässhaus der Herren von Hattigen bezeichnet.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Archäologischer Dienst des Kantons Bern - Längenbühl, Hattigen: Bauuntersuchung und Grabung 1991/92 | In: Ders. (Hg). - Archäologie im Kanton Bern, Bd. 4A | Bern, 1999 | S. 186-202
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 136
  • Schmid, Bernhard / Moser, Franz - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Mittelland, Emmental und Oberaargau, I. Teil | Basel, 1942 | S. 105-108
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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