MASSERIA CESINE
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Allgemeine Informationen
Lage Die Masseria fortificata Le Cesine liegt inmitten der unberührten Feuchtgebiete der staatlichen Riserva Naturale Le Cesine an der Adriaküste des Salento.
Die adriatischen Küstendünen und das Meer liegen ca. 1,5 km östlich.
Die Provinzhauptstadt Lecce liegt ca. 13 km westlich, die Ortschaft Vernole ca. 7 km südwestlich.
Nutzung Staatliches Eigentum der Region Apulien, dauerhaft verpachtet und verwaltet durch den WWF Italia.
Naturkundemuseum, Informationszentrum und Bildungsstätte
Bau/Zustand Die Masseria fortificata le Cesine entstand als militärischer und wirtschaftlicher Stützpunkt in einem ehemals malariaverseuchten Sumpfgürtel, der sich von Brindisi bis Otranto erstreckte.

Das Bauwerk besteht aus dem charakteristischen lokalen Kalksandstein (Pietra Leccese). Die Anlage folgt dem Typus der geschlossenen Hofbauweise.
Das wehrhafte Prunkstück ist der wuchtige, quadratische Verteidigungsturm aus dem 16. Jahrhundert, der mit Schießscharten und barocken Konsolen ausgestattet ist.
Zum inneren Befestigungsgefüge gehören eine tiefe Felszisterne im Zentrum des Hofes sowie die vollständig fensterlosen Außenmauern im Erdgeschoss. Entgegen mancher historischer Erwähnungen existiert kein separat stehender Taubenturm (Torre colombaia); die Taubenzucht war historisch direkt in Nischen der oberen Turmelemente integriert.
Die Anlage ist gut und denkmalgerecht saniert sie dient als funktionales Besucherzentrum der Riserva Naturale Le Cesine.

Agrarhistorische Funktion & Territorialer Befestigungsring:
Historisch kontrollierte das Gut die großflächige Viehzucht (insbesondere Büffel- und Rinderhaltung im Sumpf) sowie den Getreideanbau.

Die Masseria Le Cesine operierte nicht isoliert, sondern bildete mit den umliegenden Gütern ein dichtes visuelles und ökonomisches Netzwerk zur flächendeckenden Verteidigung der Ebene von Vernole.
Masseria San Giorgio: Unweit westlich gelegen, ebenfalls stark befestigt und historisch eng mit der Bewirtschaftung des Sumpfrandes verknüpft.
Masseria Segine: Liegt südwestlich auf dem Weg nach Acaya, sicherte die Übergangszone zum trockeneren Hinterland.
Masseria Chicco Rizzo: Weiter landeinwärts gelegen; diente als rückwärtiger Agrarstützpunkt, der im Ernstfall über Sichtachsen mit den Küstenstrukturen kommunizierte.
Typologie Masseria fortificata (befestigter Bauernhof / Wehrmasseria) - Masseria turrita (Turmmasseria)
Baugeschichtlich handelt es sich um eine Masseria fortificata mit integriertem Wehrturm.
Bei diesem klassischen salentinischen Bautypus bildet der militärische Turm die älteste Bauphase, an die in späteren Jahrhunderten (17. und 18. Jh.) niedrigere Wohn- und Stallungsgebäude so angebaut wurden, dass ein uneinnehmbarer, vollständig ummauerter Innenhof entstand.
Sehenswert
  • Der Wehrturm:
    Der quadratische Hauptturm aus dem späten 16. Jahrhundert, welcher den Ursprungskern bildet.
  • Die Hof-Corte:
    Authentischer salentinischer Wirtschaftshof mit historischen Futtertränken aus Stein.
  • Aussichtspunkte:
    Blickachsen vom Turm zu den benachbarten Küstentürmen von San Cataldo und Torre Specchia.
  • Umweltzentrum:
    Die integrierte Ausstellung zur Flora, Fauna und den Wander- und Wasservogelrouten der Oase.
Bewertung Da die Masseria komplett in öffentlicher Hand verblieb und durch den WWF geschützt wurde, entging sie – anders als viele salentinische Masserien – einer Überformung durch modernen Luxustourismus.
Sie bewahrt die originale, raue bauliche Gliederung eines neuzeitlichen Wehr-Agrarkomplexes.
Sie bildete ein unentbehrliches Bindeglied im optischen Warnsystem zwischen den reinen Küsten-Wachtürmen (Torre Specchia) und dem militärischen Hauptquartier im befestigten Borgo von Acaya.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 40°21'00.0" N, 18°20'10.4" E
Höhe: 4 m ü. NN
Topografische Karte/n
Die Masseria Cesine auf der Karte von OpenTopoMap.
Kontaktdaten
Masseria Cesine | I-73029 Vernole (LE)
Tel: +39 0329 8315714 | E-Mail: lecesine@wwf.it
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Von Lecce über die Umgehungsstraße (Ausfahrt 8B Richtung San Cataldo), weiter auf der Küstenstraße Richtung Otranto; nach ca. 2,8 km links der Beschilderung zur Masseria Cesine folgen.
Kostenfreie Parkmöglichkeiten direkt am WWF-Zentrum.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Es gibt keine direkte Haltestelle am Objekt.
Von der Bushaltestelle an der Hauptstraße verbleibt ein ca. 1,2 km langer Fußmarsch entlang des geschützten Alleenwegs bis zum historischen Hoftor.
Außerhalb der Saison (Herbst bis Frühjahr) existiert kein verlässlicher ÖPNV zur Anlage.

Bahn:
Nächstgelegener Hauptbahnhof in Lecce.

Bus:
In den Sommermonaten steuert die Buslinie Salento in Bus die Küstenstraße SP366 an (Haltestelle nahe der Oasen-Einfahrt).
Wanderung zur Burg
Fünf offizielle Naturlehrpfade des WWF führen direkt von der Masseria Cesine durch das Feuchtgebiet, vorbei an historischen Entwässerungskanälen und Vogelbeobachtungshütten.
Öffnungszeiten
Außenbesichtigung jederzeit möglich.

Masseria Cesine (das offizielle WWF-Besucherzentrum)
Dienstag - Samstag: von 10:00 - 12:30 Uhr
Sonntag: von 09:45 - 12:30 Uhr
Montag: geschlossen
Eintrittspreise
Der Eintritt in die historische Masseria Cesine (das offizielle WWF-Besucherzentrum) ist kostenlos.
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Ein Picknickbereich ist vorhanden.
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
k.A.
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer erreichbar.
Bilder
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Grundriss
Grundriss Masseria Cesine
Quelle: Costantini, Antonio - Guida alle Masserie del Salento | Martina France, 2006 | S. 81
(durch Autor leicht aktualisiert)
Historie
ca. 1590 Errichtung des Kern-Wehrturms im Zuge des gesamtapulischen Küstenschutzprogramms nach dem Fall von Otranto (1480).
Der Turm dient als befestigter, militärischer Vorposten des Lehens von Acaya zur Seeüberwachung.
ca. 1690 Sukzessiver Ausbau der wehrhaften Struktur zu einer funktionalen Masseria turrita. Nach dem spürbaren Rückgang der osmanischen Piratenüberfälle zur See wandelt sich die reine Wehrfunktion.
Das Erdgeschoss des Turms wird zum landwirtschaftlichen Speicher umgenutzt, und erste landwirtschaftliche Wirtschaftsgebäude werden angebaut.
ca. 1790 Erweiterung um den Wohnkomplex.
Um der landwirtschaftlichen Expansion im Hinterland gerecht zu werden, erfolgt der rechtwinklige Anbau des zweistöckigen barocken Wohnhauses für den Gutsverwalter.
1948 Das militärgeografische Institut Italiens (IGM) erfasst die Gesamtanlage der Masseria Cesine offiziell in den topografischen Flurkarten des Staatsgebiets zur systematischen Landesaufnahme.
1971 Die Feuchtgebiete rund um die staatlichen und privaten Flächen der Masseria werden auf der Ramsar-Konferenz offiziell als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung deklariert.
ab 1988 Am 9. März 1988 übergibt die regionale Entwicklungsbehörde E.R.S.A.P. die historische Masseria Cesine mitsamt den umschließenden Parzellen offiziell in die Hände des WWF-Italia, welcher umgehend mit der Erstellung des heutigen Nutzungskonzepts als Umweltzentrum beginnt.
Quelle: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente.
Literatur
  • Cazzato, Mario & Constantini, Antonio - Guida di Acaya. Città campagna Cesine | Melendugno, 1990
  • Costantini, Antonio - Guida alle Masserie del Salento | Martina France, 2006
  • Costantini, Antonio - Le Masserie del Salento: Dalla masseria fortificata alla masseria-villa | Galatina, 1995
  • Muratore, M. R. - Guida del Salento vol. 2 - Castelli, masserie fortificate, torri costiere, torri colombaie, gastronomia, vino e olio | Milano, 1991
  • Pio Fersino, Francesco - Torri Costiere della Provincia di Lecce | Tricase, 2024
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  • [06.10.2026] - Neuerstellung.
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