Wappen von Scuol
TUOR
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Inn / Scuol

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Historie

Grundriss

Eine für 1095 bezeugte Klostergründung durch Eberhard von Tarasp unterstreicht, dass Scuol bereits im Hochmittelalter zu den wichtigsten Orten im Unterengadin gehörte. Obwohl keine schriftlichen Hinweise auf eine lokal ansässige Adelsfamilie vorliegen, weisen Überreste massiver mittelalterlicher Steinbauten auf deren Existenz hin. Am besten erhalten ist der ganz einfach «Tuor» (Turm auf Rätoromanisch) genannte Wohnturm, der im Haus Nr. 26 im unteren Dorfteil (Scuol sot) eingebaut ist.

Auf der Nordseite des Hauses gut sichtbar, ragt das mittelalterliche Mauerwerk mit Eckverbänden aus Tuffsteinen noch knapp drei Stockwerke hoch auf. An selbiger Fassade sind auch Reste des ursprünglichen Rasa-Pietra-Verputzes mit Fugenstrichen noch deutlich erkennbar. Wer den Turm erbaut und bewohnt hat, ist unbekannt. In Frage kämen allenfalls die in Zernez begüterte Familie Mor, die aus Zuoz im Oberengadin stammenden von Planta oder die Familie à Porta. Unklar ist auch, ob der Turm bei der Zerstörung von Scuol im Schwabenkrieg (1499) beschädigt und bereits damals umgestaltet wurde.

Während den Bündner Wirren wurde Scuol sot 1622 ein weiteres Mal eingeäschert. In die unmittelbare Zeit danach ist die Integration des Turmstumpfs in ein grösseres Bauernhaus zu setzen, denn Teile der Ausstattung des Hauses, beispielsweise mehrere Türen, reichen noch in diese Zeit zurück. In die mehr als 1 Meter dicken Turmwände wurden neue Fensteröffnungen eingebrochen, auch die ursprünglichen Geschosshöhen wurden verändert. Über der Stubentüre ist die Jahreszahl 1753 eingeschnitzt: Damals wurden getäferte Wände und eine Bretterdecke eingezogen. Seither ist am ehemaligen Turm, der auch heute noch bewohnt wird, kaum etwas verändert worden..

Quellen: Diego Giovanoli – Siedlungsinventar Scuol: Die historischen Bauten von Scuol suot, Vih, Stradun und Clozza. Chur 1988. Nr. 26. / Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 220. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 280. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, III. Teil: Viamala, Schams, Schyn, Albulatal, Oberhalbstein, Bergell, Engadin. Basel 1944. S. 76. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 335.
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