Wappen von Ollon
Burg St. Triphon / Ollon - Kanton Waadt (Vaud)
Historie


Über die Anfänge der Burg St.Triphon ist wenig bekannt. Lage und Ausdehnung der Anlage sowie die späteren Besitzverhältnisse lassen jedoch vermuten, dass der markante felsige Hügel im Rhonetal bereits im 10. Jhdt. einer Festung der Könige von Hochburgund Platz bot. Ihre Blütezeit muss die Burg im 11. und 12. Jhdt. erlebt haben. Aus dem späten 11. Jhdt. stammt auch die romanische Kirche am äussersten nordöstlichen Ende des Burgareals. Wer St. Triphon damals bewohnt hat, ist unklar. Eine Familie, die sich nach der Burg benannte, verschwindet bereits vor 1200 wieder aus den Überlieferungen. Ihr Verhältnis zu den im 13. Jhdt. als Burgherren bezeugten Grafen von Savoyen ist unbekannt.

Die Savoyer waren es wohl, die in der alten Anlage eine neue, kompaktere Kernburg errichteten. Ihr Zentrum bildete der heute noch 14 Meter hoch aufragende Hauptturm aus sorgfältig behauenen Kalksteinquadern. Dieser war von einer nahezu exakt achteckigen inneren Ringmauer umgeben. Diese Bauweise ist für die Schweiz einzigartig. Sie ist eventuell auf Einflüsse aus dem süditalienischen Raum zur Zeit von Kaiser Friedrich II. zurückzuführen.

1232 überliess Graf Thomas von Savoyen St.Triphon tauschweise dem Freiherrn Guy von Saillon als Lehen und erhielt dafür dessen Stammburg im Wallis. Besondere Erwähnung fand bei diesem Handel ein Haus "intra castellum" und das Recht, Holz aus dem Herrschaftsbereich für die Befestigung von St. Triphon zu verwenden. Guy nannte sich fortan nach seiner neuen Burg, die 1238 als "majus castrum" erwähnt wird. Im 13. Jhdt. wurde St. Triphon von den Herren von Saillon und den mit diesen verwanden Herren von Pontverre verwaltet. 1341 vergaben die Savoyer das Lehen an die lombardische Bankiersfamilie Thome und 1367 an die Herren von Rovéréaz.

Im 15. Jhdt. begann sich die Herrschaft St.Triphon aufzulösen, und während den Kriegen der Eidgenossen gegen den Burgunderherzog Karl den Kühnen zerstörten die aufständischen Walliser 1475 die Burg St.Triphon. Die Hoheitsrechte gingen danach an die Stadt Bern über, während die Herren von Rovéréaz es schafften, den Güterbesitz der alten Herrschaft um 1530 nochmals zusammenzufügen. Sie konnten diesen bis zur Helvetischen Revolution von 1798 halten. Die Burg selbst blieb nach 1475 dem Zerfall überlassen.

QUELLEN: MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Band 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis. Zürich 1981. S. 57-58. / DE RAEMY, Daniel. Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), Bd. I [Cahiers d'archéologie romande 98]. Lausanne 2004. S. 145-148. / BOURGEOIS, Victor H. Die Burgen und Schlösser des Kantons Waadt, II. Teil. Basel 1936. S. 73-75. / FARNUM, Jerome H. 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz. Bern/Stuttgart 1976. S. 17-19. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 693.


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