Wappen von San Vittore
Burg Torre Palas / San Vittore - Kanton Graubünden
Historie


Zur "Torre Palas" genannten Burg bei San Vittore existieren keine historischen Nachrichten. Die baulichen Merkmale der kleinen Anlage lassen aber verschiedene Nutzungsphasen unterscheiden. Ältester Teil der Burg ist der vermutlich im späten 12. Jhdt. entstandene Wohntrakt. Der rechteckige, zweistöckige Bau wurde auf dem exponierten, talseitigen Teil eines gespaltenen Felsblocks errichtet. Als Bauherr käme allenfalls der in einer Urkunde von 1168 erwähnte Albertus de sancto Victore in Betracht, der wohl einer lokalen Adelsfamilie angehörte.

Im 13. und 14. Jhdt. wurden die kleinräumigen Adelsherrschaften überall im Misox durch die Herren von Sax verdrängt, die im ganzen Tal eine geschlossene Territorialherrschaft errichteten. Ähnlich wie auf der Burg Norantola, auf Santa Maria di Calanca oder im Falle der Torre Fiorenzana in Grono scheint auch die Burg zu San Vittore gegen 1300 in die Hände der Sax gelangt zu sein. Um diese Zeit wurde auf dem nördlichen Teil des Felsblocks der mächtige Wohnturm errichtet, der ursprünglich fünf Stockwerke hoch war. Sein Eingang befindet sich direkt über der rund 4 Meter breiten Felsspalte und war damit nur über eine Brücke vom Wohntrakt her erreichbar. Obwohl keine schriftlichen Nachrichten dazu vorliegen, kommen um 1300 im Misox wohl nur die von Sax als Bauherren für einen so repräsentativen Turm in Frage.

Auf der Ostseite des Turms bot der felsige Untergrund allenfalls Platz für einen kleinen Bering. Verputzreste an der östlichen Aussenwand deuten zudem auf die Existenz eines kleinen Anbaus hin. Aus Platzgründen befanden sich die Ökonomiegebäude der Festung vermutlich am Fuss des Burgfelsens. Einen letzten Umbau erfuhr die Anlage um 1400, als dem Turm ein sechstes Stockwerk mit Satteldach aufgesetzt wurde. Ob damals eine nicht näher bekannte Seitenlinie des Hauses Sax-Misox oder ein Dienstmann die Burg bewohnte, bleibt unklar. Wohl noch im 15. Jhdt. wurde sie aufgegeben und dem Zerfall überlassen.

QUELLEN: CLAVADETSCHER, Otto P./MEYER, Werner: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 263-265. / MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 2: Kantone Tessin und Graubünden (italienisch-sprachiger Teil). Zürich 1982. S. 91-92.


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