STADTBEFESTIGUNG STEIN AM RHEIN
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Frauenfelder, Reinhard - Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen, Bd. II: Der Bezirk Stein am Rhein | Basel, 1958 | S. 2
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Allgemeine Informationen
Die befestigte Altstadt von Stein am Rhein hat ihre kompakte spätmittelalterliche Form weitgehend bewahrt. Die Stadtmauer ist in den Fassaden der eng zusammenstehenden Häuser vielerorts enthalten. Von den auf das 14. Jhdt. zurückgehenden Wehrbauten bestehen zudem noch das Unter- und das Obertor, der Hexenturm und der halbrunde Kretzenturm. Geistliches Zentrum von Stein war im Mittelalter das Kloster St. Georgen, das ebenfalls noch weitgehend erhalten ist. Vollständig verschwunden ist hingegen der Schanzenring aus dem Dreissigjährigen Krieg. Eine Besichtigung der Stadtbefestigung lohnt sich vor allem in Kombination mit einem Besuch der Burg Hohenklingen.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 39’ 34.75“ N, 08° 51’ 32.96“ E
Höhe: 400 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 706.710 / 279.750
Kontaktdaten
Tourismus Stein am Rhein | Oberstadt 3 | CH-8260 Stein am Rhein
Tel: +41 (0)52 632 40 32 | E-Mail: tourist-service@steinamrhein.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Schaffhausen auf der Hauptstrasse 13 in östlicher Richtung über Diessenhofen bis nach Stein am Rhein fahren. Kostenpflichte Parkplätze am westlichen Rand der befestigten Altstadt.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Schaffhausen gelangt man per S-Bahn (Linie 8) oder Bus (Linie 1 oder 6) nach Stein am Rhein.
Wanderung zur Burg
Die ViaRhenana und der Uferweg Stein am Rhein führen an der befestigten Altstadt vorbei.
Öffnungszeiten
Die Bauten der Stadtbefestigung sind nur von aussen zu besichtigen. Die Stadt bietet verschiedene thematische Führungen an. Infos unter:
www.tourismus.steinamrhein.ch
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
zahlreiche Gasthäuser in historischen Gebäuden der Altstadt
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
mehrere Hotels in historischen Gebäuden der Altstadt
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Stein am Rhein
Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 240 | überarbeitet und ergänzt von O. Steimann, 2017
Historie
Frühe Siedlungsentwicklung:
Am untersten Ende des Bodensees hatte es bereits seit Jahrtausenden wechselnde Siedlungsplätze gegeben, als im 1. Jhdt. n.Chr. beim heutigen Eschenz («vicus Tasgetium») ein römischer Handelsplatz, ein Militärposten und eine erste Brücke über den Rhein angelegt wurden. Unter Kaiser Diocletian (284-305) wurde auf dem Hügel «auf Burg» ein starkes Kastell errichtet, dessen Ruinen noch heute sichtbar sind. Im 6. Jhdt. entstand hier eine erste Kirche. Dass der Ort am Südufer des Rheins auch in karolingischer Zeit eine gewisse Bedeutung besass, belegt eine 876 hier ausgestellte königliche Urkunde Karls III.
Im Hochmittelalter verlagerte sich der Siedlungsschwerpunkt jedoch ans Nordufer, wo bereits in römischer Zeit ein befestigter Brückenkopf bestanden haben dürfte. Im 10. Jhdt. befand sich hier ein Fronhof, der wahrscheinlich zur Herrschaft Kunos von Öhningen gehörte, einem Adligen aus dem Umfeld der Herzöge von Schwaben. Um 1007 wurden die Bendiktiner vom Hohentwiel durch Kaiser Heinrich II. hierhin umgesiedelt – es entstand das Kloster St. Georgen zu Stein. Nun scheint sich der Ort rasch entwickelt zu haben, denn bereits 1094 wird er als «munitionem que dicitur Stein» erwähnt. Das Kloster verfügte über Münz- und Marktrecht und kontrollierte somit den Warenumschlagplatz an dieser wichtigen Stelle. Die Vogtei lag wahrscheinlich in den Händen der Herzöge von Zähringen, die im 11. oder 12. Jhdt. auf der Anhöhe über dem Ort die Vorgängeranlage der Burg Hohenklingen erbauten. Als sie 1218 ausstarben, gelangten Burg und Kastvogtei an die Freiherren von Klingen.

Spätmittelalterliche Stadtbefestigung:
Bis um die Mitte des 13. Jhdts. wurde der Rhein zwischen Stein und Eschenz auf Fährbooten überquert, erst dann erbaute man eine neue Brücke. Und obwohl schon frühere Ansätze der Stadtentwicklung erkennbar sind, scheint der Ort erst damals seine heutige Form erlangt zu haben. In verschiedenen Häusern der Altstadt liessen sich Balken dendrochronologisch auf die zweite Hälfte des 13. Jhdts. datieren. Wie stark das Städtchen bereits befestigt war, ist mangels archäologischer Untersuchungen unklar. Denkbar wäre ein frühe Wallanlage, wie sie in Schaffhausen nachgewiesen werden konnte.
Sicher belegt ist die gemauerte Stadtbefestigung ab der Mitte des 14. Jhdts. Möglicherweise wurde sie erst nach dem grossen Brand von 1347 erbaut, der die südliche Hälfte der Stadt verwüstet hatte. Als erstes wird 1353 das Öhningertor genannt, 1363 das Obertor, 1367 das Untertor. Die «rinkmur» um die Stadt wird 1375 erstmals explizit erwähnt. Neben den drei landseitigen Haupttoren und dem Tor an der Rheinbrücke existierten noch kleinere Ausgänge gegen den Fluss hin. Ausserdem war die Stadtbefestigung durch drei Wehrtürme verstärkt. Die Mauer selbst wurde aus Bollensteinen erbaut, war rund 9 Meter hoch und an der Basis 1,1 Meter stark. Landseitig war ihr ein rund 14 Meter breiter Graben vorgelagert, mit einer Gegenmauer auf der Aussenseite. Der westliche Abschnitt dieses Stadtgrabens wurde durch den Rhein mit Wasser gefüllt.

Reichsfreiheit und Anschluss an Zürich:
Stein entwickelte sich dank seiner wichtigen Lage zu einem blühenden regionalen Handelszentrum. Stadtrechtliche Bestimmungen sind allerdings erst ab 1385 überliefert, mit Bürgermeister, grossem und kleinem Rat. Die niedere Gerichtsbarkeit übte der Schultheiss im Auftrag des Abtes von St. Georgen aus, das hohe Gericht oblag den Freiherren von Hohenklingen. Diese gerieten nun allerdings in ökonomische Schwierigkeiten und mussten ihre Rechte in Stein bis 1433 vollständig verkaufen. Danach gehörte die Vogtei den Herren von Klingenberg. Als diese 1457 ebenfalls zum Verkauf gezwungen waren, trat die Stadt selbst auf den Plan und erhielt für die hohe Summe von 24’500 Gulden den Zuschlag. Damit wurde sie faktisch reichsfrei, denn sie war nun Vogt des eigentlichen Stadtherrn, des Abtes von St. Georgen.
1459 schloss man ein Bündnis mit Zürich und Schaffhausen – insbesondere, um sich gegen Ansprüche von Österreich-Habsburg abzusichern. Die habsburgfreundliche Partei innerhalb der Stadtbevölkerung versuchte dies zu ändern, worauf sich Stein noch stärker an Zürich anzulehnen begann. 1484 akzeptierte man formell die Oberhoheit der Limmatstadt. Noch enger wurde diese Bindung in der Refomationszeit: Die Steiner Bevölkerung bekannte sich geschlossen zur neuen Glaubenslehre des Zürcher Reformators Huldyrich Zwingli, 1525 wurde das Kloster St. Georgen aufgehoben und einem Zürcher Amtmann unterstellt.

Ausbau der Stadttore und Errichtung der Schanzen:
Um 1500 wurde die Stadtbefestigung den Erfordernissen der Zeit angepasst: Bei St. Georgen wurde der Stadtgraben erweitert, ausserdem erhielten die drei landseitigen Stadttore je einen befestigten Zwinger vorgelagert. In den 1520er-Jahren erbaute man schliesslich einen neuen Torturm am südlichen Ende der Rheinbrücke. Im Dreissigjährigen Krieg wurde jedoch rasch klar, dass diese Verstärkungen nicht ausreichend waren. 1619 begnügte man sich noch mit dem Ausheben eines zusätzlichen Grabens vor dem Untertor. Doch das erwies sich als nutzlos: Im August 1633 konnten schwedische Truppen ohne Mühe ihren Durchzug erzwingen. 1643 nahm man deshalb den Bau eines umfassenden Schanzenwerks in Angriff, das per Ende 1646 vollendet werden konnte. Die sternförmigen Befestigungswerke und der neue äussere Stadtgraben kosteten nach damaligen Berechnungen 27’102 Gulden. 1745 wurden diese Verteidungswerke nochmals modernisiert – und damit die letzte Bauetappe der Stadtbefestigung abgeschlossen.
Das Verhältnis zu Zürich hatte sich inzwischen merklich abgekühlt. Die Steiner Bürger forderten Rechte ein, die ihnen die Limmatstadt nicht zugestehen wollte. Und so kam es 1784 zu einem Aufstand, der mit harter Hand niedergeschlagen wurde. Als 1798 die alte Eidgenossenschaft zusammenbrach, entfernten die Steiner umgehend die Zürcher Hoheitszeichen von allen Gebäuden. In den Wirren der folgenden Jahre wechselten die Stadt und ihr Umland mehrfach zwischen den Kantonen Zürich und Schaffhausen, wurden 1803 aber endgültig Schaffhausen zugeteilt.

Entfestigung:
Die Entfestigung der Stadt setzte um 1820 ein. In jenem Jahr verfügte der Stadtrat die Schleifung des Zwingers vor dem Untertor. Ab 1837 wurden die Stadttore nicht mehr geschlossen, und 1840 begann man mit dem Abbruch der Schanzenwerke. Diese wurden bis 1860 restlos beseitigt und eingeebnet, heute erinnern nur noch einge Flur- und Strassennamen an die umfrangreichen barocken Wehranlagen. Aber auch die mittelalterliche Stadtbefestigung wurde nicht verschont: 1829 wurde das Rheintor abgerissen, 1841 das Öhningertor und 1887 der markante Pulverturm – einst städtischer Wohnsitz der Herren von Hohenklingen. Zudem fielen 1863 viele alte Gebäude einem grossen Stadtbrand zum Opfer.
Der Turm des Untertors wurde im Februar 1945 von einer irrtümlich abgeworfenen amerikanischen Bombe getroffen und musste ebenfalls weitgehend abgetragen werden. Das prägende Bauwerk wurde jedoch noch im gleichen Jahr neu errichtet. Heute präsentiert sich Stein am Rhein als mittelalterliches Städtchen mit Türmen und Toren, der Verlauf der alten Stadtmauer ist fast überall noch klar erkennbar. Der malerische Ort ist vor allem in den Sommermonaten ein Anziehungspunkt für viele Touristen.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas / Losse, Michael - Burgen und Schlösser am Hochrhein | Lörrach, 2012 | S. 10-11
  • Eugster, Erwin et al. - Stein am Rhein: Geschichte einer Kleinstadt | Stein am Rhein, 2007
  • Frauenfelder, Reinhard - Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen, Bd. II: Der Bezirk Stein am Rhein | Basel, 1958 | S. 2-35
  • Guisolan, Michel / Sigg, Roman - Stein am Rhein [Schweizerische Kunstführer GSK, Nr. 932/933] | 3. veränd. Aufl. | Bern, 2013
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 239-241
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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