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BURG SPLIATSCH
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Albula / Sur

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Historie

Grundriss

Der schöne Wohnturm auf dem Hügel über Furnatsch ist der letzte Rest einer Burganlage, welche direkt an den historischen Wegen zum Julier- und zum Septimerpass errichtet wurde. Er misst im Grundriss 8 x 8 Meter und verfügt über 1,4 Meter dicke Mauern. Auf der Westseite befindet sich im 2. Stockwerk ein gut erhaltener Hocheingang, während an den Wänden im Turminnern noch Reste von Glattverputz und der Rauchabzug eines Kamins erkennbar sind. Auch der Austritt auf den Abort ist noch erhalten.
Von den einstigen Nebengebäuden im südlichen Vorgelände ist hingegen nur noch wenig sichtbar. Die Anlage war offenbar durch eine rund 1,8 Meter dicke Trockenmauer eingegrenzt und über ein Tor auf der Westseite zugänglich. Innerhalb des einstigen Burgareals sind Terrassierungen und Geländevertiefungen erkennbar, die auf weitere Gebäude hindeuten. Es standen hier wohl die zur Burg gehörigen Ökonomiebauten.

Als Erbauer der Burg Spliatsch (auch «Splüdatsch» genannt) vermutete die ältere Forschung ein gleichnamiges Adelsgeschlecht. Die entsprechende historische Namensnennung bezieht sich allerdings auf die Familie von Bludesch aus dem Vorarlberg. Als Gründer der wohl im frühen 13. Jhdt. entstandenen Anlage sind deshalb die Herren von Marmels anzunehmen, deren Stammsitz, eine kaum zugängliche Grottenburg, sich nur 1 Kilometer südlich von Spliatsch befindet. Sie bauten damals ihre Herrschaft im Oberhalbstein aus und hatten auch die Kontrolle über diesen Abschnitt der Septimerroute. Bereits 1193 hatte Andreas von Marmels hier auf Geheiss des Kaisers den päpstlichen Kardinallegaten Cintius gefangen genommen.

1486 wird Spliatsch als Besitz der Brüder Anton und Augustin von Beccaria erwähnt. Sie hatten die Burg von ihrer Mutter, Anna von Marmels, geerbt. Der zugehörige Meierhof mit Weide- und Ackerflächen wurde damals als Erblehen verliehen. Wer das Lehen innehatte, musste «besunder den thurn tecken nach notturfft». Ob dieser im späten 15. Jhdt. noch bewohnt wurde, ist unklar. Im 16. Jhdt. tauchen wieder die Herren von Marmels als Burgbesitzer auf, zuletzt der 1550 verstorbene Hans von Marmels. Spätestens zu Beginn des 17. Jhdts. war Spliatsch eine verlassene Ruine.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 72-73. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 260. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940. S. 301. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, III. Teil: Viamala, Schams, Schyn, Albulatal, Oberhalbstein, Bergell, Engadin. Basel 1944. S. 47-48. / Fritz Hauswirth - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 9: Graubünden 2, Tessin. Kreuzlingen 1973. S. 57-59. / Jerome H. Farnum - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz. Bern/Stuttgart 1976. S. 212-213. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 350.
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