Wappen von Kradolf-Schönenberg
Burg Schönenberg (Last) / Kradolf-Schönenberg - Kanton Thurgau
Historie

 

Die Burg Schönenberg wurde von Dienstleuten des Bischofs von Konstanz errichtet. Sie besteht aus einem wehrhaften Wohnturm, der im Grundriss 10,2 x10,9 Meter misst, bei einer Mauerstärke von rund 1,9 Metern. Als Baumaterial wurden hauptsächlich Findlinge aus Sandstein und Granit verwendet, vereinzelt auch Tuffstein. Der heute noch etwa 12 Meter hohe Turm verfügte über einen Hocheingang auf der Nordseite und trug früher vermutlich einen hölzernen Obergaden. Unklar ist, ob er von weiteren Gebäuden umgeben war. Der Burghügel hätte dafür Platz geboten. Die zur Burg gehörende Herrschaft bestand aus Eigengut der Herren von Schönenberg und Konstanzer Lehen, die sich bis nach Kesswil erstreckten.

Die Brüder Berthold und Rudolf «de castro Sconenberc» werden 1159 erwähnt. Dass der Turm damals schon bestanden hat, ist aufgrund der baulichen Merkmale unwahrscheinlich. Er dürfte erst in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. entstanden sein.
Ab 1170 tauchen mit Friedrich von Schönenberg und seinem Bruder Burkart weitere Familienmitglieder in den Schriftquellen auf. Ritter Friedrich, der fünf Söhne hatte, wird 1211 als Teilnehmer am 4. Kreuzzug erwähnt. Johannes von Schönenberg bekleidete 1282 das Amt des Kämmerers für den Bischof von Konstanz. Wenige Jahrzehnte später folgte der rasche ökonomische Niedergang des Geschlechts. 1350 war Johannes II. von Schönenberg gezwungen, die Burg zu verpfänden, zusammen mit einigen Gütern seiner Gemahlin Ursula von Altstätten. 1352 musste er seinen Stammsitz ganz an den Bischof abtreten, 1360 schliesslich auf alle noch verbliebenen Ansprüche verzichten.

Schönenberg kam nun an die Herren von Heidelberg, die 1385 als Burgherren erwähnt werden. Der älteren Literatur zufolge soll die Anlage 1407 von den aufständischen Appenzellern zerstört worden sein. Am Turm lassen sich allerdings keine Spuren einer gewaltsamen Eroberung oder eines Brandes ablesen. Möglicherweise wurde er nochmals hergerichtet, denn 1417 befanden sich Konrad und Albrecht von Heidelberg in einem Rechtsstreit mit dem Konstanzer Bischof. Die Heidelberger behaupteten gemäss der Schlichtungsurkunde, «Schloss Schönenberg mit aller zugehörd an Luten und gutren» gehöre ihnen und sei ihnen zusammen mit Schloss und Stadt Bischofszell verpfändet worden. Bald danach muss die Burg aber endgültig zerfallen sein, denn 1487 wird sie in einem Güterverzeichnis nur noch als Burgstal bezeichnet. In späteren Jahrhunderten wurde die Ruine wie das nahe Gehöft «Last» genannt. Dies könnte auf eine Abgabe zurückzuführen sein, die einst mit der Burg verbunden war.

Bei der Liquidation des bischöflichen Besitzes im Thurgau gelangte die Burg 1804 an den Kanton. Dieser veräusserte das Grundstück 1869 an die Familie Bissegger. Der Verkauf war mit der Auflage verbunden, die Ruine nicht überwuchern zu lassen, den Zugang offen zu halten und die Aussicht vom Burghügel nicht zu verbauen. Der Turm, bereits in schlechtem Zustand, kam 1960 an die damalige Gemeinde Neukirch, welche ihn 1974 der «Genossenschaft zur Erhaltung der Ruinen Last und Heuberg» anvertraute. Bis 1983 wurde die Burg gründlich saniert, weitere Arbeiten zum Schutz der Mauerkrone erfolgten 2004. Archäologische Untersuchungen wurden bislang nicht durchgeführt, mit Ausnahme eines Sondierschnitts, der 1973 im Turminnern angelegt wurde. Spuren eines Vorgängerbaus konnten dabei aber keine gefunden werden.


QUELLEN: REICKE, Daniel. «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 93-94. / KNOEPFLI, Albert. Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. III: Der Bezirk Bischofszell. Basel 1962. S. 486-487. / KOMISSION DES HISTORISCHEN VEREINS DES KANTONS THURGAU. Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, II. Teil. Basel 1932. S. 59-60. / BOXLER, Heinrich. Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2]. 2. Aufl. Arbon 1991. S. 192. / GIEZENDANNER, Heini. Burgen und Schlösser im Thurgau. Frauenfeld 1997. S. 105-107. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 586. / GOHL, Ronald et alt. Burgenparadies Schweiz: 40 Wanderungen zu Rittern, Grafen und Vögten. Zug/Basel 2004. S. 102-103. / Infotafel auf der Burg.

 

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