Wappen von Sent
BURG SAN PEDER (NUNSBERG)
Europa / Schweiz / Kanton GraubŁnden / Bezirk Inn / Sent

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Historie

Grundriss

Bei Ausgrabungen wurden 1937 auf dem Hügel der alten romanischen Kirche von Sent die Überreste eines mächtigen mittelalterlichen Wohnturms entdeckt. Sein Grundriss misst rund 12 auf 13 Meter, die Mauern sind 2,3 Meter dick. Über die Datierung des Bauwerks, das offenbar auf den Überresten eines Vorgängerbaus errichtet wurde, besteht keine Einigkeit: Kleinfunde von der Burg, die Ausmasse des Turms und dessen Mauerwerk aus wenig bearbeiteten Blöcken und Eckquadern mit Kantenschlag deuten auf das 13. Jhdt. hin. Hingegen dürfte die heute auch nur noch als Ruine erhaltene Kirche San Peder neben dem Turm bereits im 12. Jhdt. entstanden sein. Undeutliche Spuren am südlichen Rand des Burghügels lassen ausserdem vermuten, dass Turm und Kirche einst von einer Wehrmauer umgeben waren – vielleicht war San Peder ursprünglich ein kleines Kirchenkastell.

Schriftliche Quellen zur Burg fehlen. Hingegen taucht ab 1160 die Familie der Herren von «Sindes» (Sent) in verschiedenen Urkunden auf. Sie waren Dienstleute des Bischofs von Chur. Weil Albert von Sent aber 1167 letztmals genannt wird, ist fraglich, ob diese Adelsfamilie als Erbauerin des Turms in Betracht gezogen werden darf. Die Fundlage deutet darauf hin, dass die Turmburg im 14. Jhdt. wieder aufgegeben wurde.

Fortunat Sprecher von Bernegg nennt die Anlage in seiner rätischen Chronik von 1617 «Burgus sancti Petri» und erklärt, die Burg werde auch «Nunsperg» genannt. Gleich unterhalb des Burghügels befindet sich eine Anhöhe, die noch heute «Nuns» heisst. Hier sind allerdings keinerlei Spuren einer Befestigung erkennbar.

Die Kirche San Peder wird bereits 1340 nur noch als Kapelle bezeichnet, hatte damals ihren Rang als wichtigstes Gotteshaus in Sent also an die heutige Dorfkirche St. Lorenz verloren. Trotzdem wurde ihr Inneres noch im 15. Jhdt. mit neuen Malereien ausgestattet, bevor sie in der Reformationszeit aufgegeben wurde. 1856 kam der Burghügel in den Besitz des romanischen Dichters Peider Lansel, der die Kirchenruine 1901 zu restaurieren begann. 1937 wurden die Grundmauern des Burgturms entdeckt und daraufhin konserviert. Letzte Erhaltungsarbeiten wurden 1968/69 ausgeführt.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 221. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 280. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940. S. 484-487 und S. 495. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, III. Teil: Viamala, Schams, Schyn, Albulatal, Oberhalbstein, Bergell, Engadin. Basel 1944. S. 84. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 338. / Infotafel auf der Burg.
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