SCHLOSS RUED
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Allgemeine Informationen
Kurzinfo-Text: Ihren jüngeren Sitz erbauten die Herren von Rued vermutlich im 13. Jhdt. in Spornlage über dem Dorf Schlossrued. Nach mehreren Besitzerwechseln gelangte die Burg 1520 an die Berner Patrizierfamilie von May. Diese liess die Anlage als schlossartigen Landsitz neu errichten, nachdem sie 1775 durch einen Brand zerstört worden war. Der Bau steht seit vielen Jahren leer und ist in einem schlechten Zustand.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 17' 33.96" N, 08° 05' 21.16" E
Höhe: 540 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 649.210 / 238.190
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Aarau auf der Kantonsstrasse 24 in südlicher Richtung über Oberentfelden und Muhen bis nach Schöftland. Im Dorf links abbiegen in Richtung Schlossrued und der Hauptstrasse das Ruedertal aufwärts folgen. Parkmöglichkeiten in Schlossrued.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Aarau direkte S-Bahn-Verbindung (Linie 14) nach Schöftland. Hier umsteigen und mit der Busline 616 in Richtung Schiltwald bis zur Haltestelle Schlossrued, Dorf.
Wanderung zur Burg
In Schlossrued bei der Bushaltestelle Dorf nordseitig von der Hauptstrasse abbiegen und dem markierten «Erlebnisweg» über eine Weide zum Schloss hinauf folgen.
Öffnungszeiten
Das Schloss befindet sich in Privatbesitz und kann nur von aussen besichtigt werden.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
Der «Schlossrueder Erlebnisweg» erschliesst nicht nur das Schloss, sondern diverse kindertaugliche Erlebnisstationen.
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
über die Zufahrtsstrasse zum Schloss möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Schloss Rued
Quelle: Gezeichnet von O. Steimann, 2014, auf Basis eigener Beobachtungen und einem Plan aus dem 18. Jhdt. | In: Bosch, Reinhold - Die Burgen und Schlösser des Kantons Aargau | Aarau, 1949 | S. 107
Historie
Die Freiherren von Rued werden um 1152 erstmals schriftlich erwähnt – sie besassen das Ruedertal im Hochmittelater offenbar als geschlossene Grundherrschaft. Ihren Stammsitz bildete die Burg Alt-Rued auf der Südseite des Tals. Wahrscheinlich im frühen 13. Jhdt. verlegte die Familie ihre Residenz um 600 Meter nach Norden, auf die andere Talseite. Hier entstand auf einem Geländesporn, rund 40 Meter über dem Talgrund eine neue, deutlich umfangreichere Wehranlage.
Das Aussehen der ursprünglichen Burg lässt sich heute kaum noch nachvollziehen. Sie umfasste ein etwa 45 Meter langes und 25 Meter breites Areal auf der Geländekuppe, die bergseits durch einen breiten Graben vom Höhenzug abgetrennt war. Dieser Graben wurde von einer Zugbrücke überspannt, die zum Tor an der östlichen Ecke der Burg führte. Gemäss einer rudimentären Beschreibung aus dem späten 14. Jhdt. bestand die Anlage aus einem Turm, zwei Häusern und einer Kapelle. Der talseitig gelegene, grosszügige Burghof war von einem teilweise noch erhaltenen Bering umgeben. Diesem ist einige Meter tiefer ein schmaler Zwinger vorgelagert, dessen Umfassung auch als Stützmauer dient.

Mit «Heinricus de Ruoda» tauchen die Herren von Rued 1227 als Dienstleute im Gefolge der Grafen von Kyburg wieder in den Urkunden auf. Ob es sich um dieselbe Familie handelt, ist nicht restlos geklärt. Es ist denkbar, dass die Freiherren um 1200 ihre einst unabhängige Stellung unter dem Einfluss der Herzöge von Zähringen verloren haben. Die Burg war im 14. Jhdt. zur einen Hälfte ein Lehen der Herzöge von Teck – einem Seitenzweig der Zähringer – zur anderen Hälfte ein Lehen der Freiherren von Aarburg.
Unter habsburgischer Herrschaft brachten es die Familie von Rued zu einigem Ansehen und stellte zwischenzeitlich auch den Aargauer Landvogt. Doch 1369 starb der letzte männliche Vertreter, und es folgte ein langjähriger Streit um das Erbe. Eine Hälfte der Burg übernahmen zunächst die Herren von Büttikon. Erst 1429 gelang es Henman von Rüssegg, beide Teile des Lehens wieder in einer Hand zu vereinen. In diese Zeit fiel auch die Eroberung des Aargaus durch die Berner (1415). Es ist unklar, ob die Burg Rued damals Schaden nahm.

Von den Rüsseggern kam die Anlage an die Herren von Scharnachthal und 1491 an die bürgerliche Familie Herport aus Willisau. 1516 gehörte Rued erneut für vier Jahre den Herren von Büttikon, bevor es an die Berner Patrizierfamilie von May gelangte. Über die Jahrhunderte muss die Anlage mehrfach umgebaut worden sein, bis sie ihren Wehrcharakter weitgehend verloren hatte. Im 18. Jhdt. bestand sie aus einem zusammengewürfelten, schlossartigen Komplex. Ein Hauptturm oder eine Burgkapelle lassen sich auf dem damals angefertigten Grundrissplan nicht mehr erkennen.

1775 kam es zu einer Brandkatastrophe, welche die Burg grösstenteils zerstörte. Die Familie von May versuchte zunächst, die Ruine wieder herzurichten. Schliesslich entschied man sich aber für einen Neubau. Von 1792 bis 1796 wurde auf den massiven Grundmauern des nordöstlichen Teils der alten Burg ein neues Schloss erstellt. Die Pläne dazu lieferte der bekannte Berner Architekt Carl A. von Sinner. Mit dem Mauerschutt der Brandruine füllte man den Burggraben auf und schuf so einen weiten Vorplatz.
1861 wechselte Schloss Rued erneut den Besitzer und kam durch Heirat an Hans von Hallwyl. Weil er in Geldnot kam, musste die Anlage 1877 zwangsversteigert werden. Danach war sie für mehrere Jahrzehnte im Besitz der Familie Gams aus Basel.

Die ganze Anlage mit ihren Nebengebäuden und 21 ha Land wechselte 1989 für 5,5 Mio. Franken in den Besitz des Geschäftsmanns Herbert Strittmatter. Der neue Schlossherr begann sofort mit einer teuren Sanierung, die aber schon bald wegen Geldmangels eingestellt werden musste. Mehrere grosse Projekte wie der Umbau in ein Edelhotel, in einen Golfklub oder eine Seniorenredsidenz liessen sich nicht realisieren. 2006 ersteigerte die Firma Erowa in Büron das Schloss Rued für 2,7 Mio. Franken, um es in ein Zentrum für Seminare und Events umzugestalten. Auch von diesen Plänen wurde bis heute (2014) nichts realisiert - das Schloss dämmert in einem baulich schlechten Zustand vor sich hin.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel beim Schloss und aktuelle Medienberichte
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 37
  • Bosch, Reinhold - Die Burgen und Schlösser des Kantons Aargau | Aarau, 1949 | S. 105-109
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 3: Aargau | Kreuzlingen, 1967 | S. 101-102
  • Maurer, Ursula - Wird das Schloss zwangsversteigert? Mancherlei Bauherren in Schlossrued | In: Heimatschutz / Patrimoine, 99. Jhg./Heft 4 | Zürich, 2004 | S. 18-21
  • Stettler, Michael - Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen | Basel, 1948 | S. 216-219
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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