Wappen von Pratval
BURG RIETBERG
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Hinterrhein / Pratval

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Historie

Grundriss

Die Gründungszeit der Burg Rietberg lässt sich heute kaum mehr ermitteln. Als ältester Teil gilt der Hauptturm, der wohl in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. entstanden ist. Die bis zu 2,5 Meter dicken Wände des Sockels scheinen aber die Mauern eines älteren Turms zu umschliessen. Dieser könnte bereits im 12. Jhdt. entstanden sein.
Als Erbauer der Burg gelten die Herren von Rietberg, die 1286 in einer Urkunde als Vasallen der Herren von Sax-Misox erwähnt werden. Im 14. Jhdt. tauchen sie verschiedentlich als Dienstleute des Bischofs von Chur auf. Sie besassen das Vizedominat im Oberhalbstein und im Oberengadin sowie Güter im Domleschg, im Schams und in Chur.

Die Burg wurde nahe am Rietbach auf eine Hangterrasse errichtet. Auf der Süd- und Ostseite war wegen des ebenen Geländes die Schaffung künstlicher Annäherungshindernisse nötig, die heute jedoch weitgehend verschwunden sind. Zentraler Bau der Burg war der Turm, der schöne Eckverbände aus Bossenquadern aufweist. Der ursprüngliche Hocheingang wird im 3. Stockwerk der Nordwand vermutet. Auch die Grundmauern des zweiteiligen Wohntrakts könnten mittelalterlichen Ursprungs sein. Seine heutige Gestalt geht allerdings auf verschiedene Bauetappen im dem 17. und 18. Jhdt. zurück. Mittelalterlich ist möglicherweise die Tankzisterne nordöstlich des Hauptturms, die im 17. Jhdt. mit einem barocken Rundturm überbaut wurde und vom Wohntrakt her über einen unterirdischen Gang erreichbar ist. Hingegen hat die zinnenbewehrte Ringmauer mit dem ursprünglichen Bering wohl nicht viel gemein. Auch sie wurde erst im 17. Jhdt. errichtet.

1320 heiratete Johann von Rietberg Berta von Rhäzüns. Im Ehevertrag wurde festgeschrieben, dass Berta die Burg bis zu ihrem Tod besitzen solle. 1343 überschrieb Johann seiner Frau allerdings ein anderes Leibding, um «mine vesti Rieperg» und Hoch-Juvalt samt seinen Lehen 1348 den mit ihm verwandten Herren von Landenberg übergeben zu können. Im folgenden Jahr starb er als Letzter seines Geschlechts. Hermann von Landenberg konnte seine Erbansprüche aber nicht durchsetzen – 1352 verzichtete er zu Gunsten des Bistums Chur auf Rietberg. Im Januar 1354 kam der Bischof persönlich auf die Burg und stellte hier einige Urkunden aus. Bis 1388 musste er sich allerdings mit weiteren Erben der Rietberger herumschlagen, denn auch die Herren von Rhäzüns und jene von Lumerins machten Ansprüche geltend und wollten entschädigt werden.
Das Bistum setzte einen Burggrafen als Verwalter auf Rietberg ein. Als solcher wird 1384 Eglolf von Juvalt erwähnt. 1398 verpfändete der Bischof die Burg für 500 Mark Silber an Jakob von Castelmur. Eine weitere Verpfändung erfolgte 1409 ans Domkapitel und an Conradin Rambach. Das Pfand und damit die Burg übernahmen zunächst 1426 Bartolomäus Planta, 1447 dann Hans Wellenberg. Nächster Burgherr war Hans Ringg, der Rietberg 1483 seinem Sohn Wilhelm übertrug. Die Besitzer wechselten auch weiterhin recht häufig: Um 1530 Anton von Travers, 1554 Hercules von Salis. 1617 kam die Familie Planta durch Vererbung wieder in den Besitz eines Anteils an der Burg.

In den Bündner Wirren, als sich die mit Spanien verbündete katholische Partei und die mit Frankreich verbündeten Evangelischen jahrelang hart bekämpften, wohnte Pompejus Planta auf Rietberg. Er galt als Anführer der Katholiken. Seine Gegner, angeführt von Jörg Jenatsch, überfielen ihn am 25. Februar 1621 auf der Burg und ermordeten ihn brutal. Eine Tat, die später von Conrad Ferdinand Meyer in seiner bekannten Novelle «Jürg Jenatsch» literarisch verarbeitet wurde.
Die Familie Salis veräusserte ihren Anteil an Rietberg 1664 für 9000 Gulden an Christoph von Rosenroll, dessen Söhne veräusserten ihn 1670 an die Familie Buol. Letztere erwarb 1758 auch noch jenen Anteil an Rietberg, der noch immer der Familie Planta gehörte. Johann von Buol-Schauenstein verkaufte die Anlage dann 1798 seinem Bruder, dem Churer Bischof Karl Rudolf. Dessen Plan, in der Burg ein Priesterseminar einzurichten, scheiterte an der Invasion der französischen Revolutionsarmee.

Auch im 19. Jhdt. wechselten sich die Burgbesitzer häufig ab: 1802 die von Travers, 1803 die Cadonau aus Waltensburg, anschliessend die von Bergamin aus Obervaz und 1822 nochmals die von Travers. Von letzteren erwarb im selben Jahr die Familie Casparis die Burg. Durch Heirat gelangte sie 1917 wiederum an einen Zweig der Planta. Heute bewohnt die Familie Hämmerle die Anlage und betreibt auf dem Burggut einen biologisch ausgerichteten Landwirtschaftsbetrieb.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 124-126. / Werner Meyer (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 3: Kanton Graubünden (deutschsprachiger und romanischer Teil). Zürich 1983. S. 85-86. / Peter Metz - Rietberg. In: Hilde Ribi et alt. - Graubündens Schlösser und Paläste, 2. Teil. Chur 1974. S. 72-82. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 195-198. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940. S. 117-121. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg. Basel 1940. S. 94-97. / Fritz Hauswirth - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden). 2. überarb. Aufl. Kreuzlingen 1981. S. 121-125. / Ric Berger - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. I. Neuenburg o.J. S. 116-117. / Ronald Gohl et alt. - Burgenparadies Schweiz: 40 Wanderungen zu Rittern, Grafen und Vögten. Zug/Basel 2004. S. 118-119. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 318.
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