BURG RADEGG
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Allgemeine Informationen
Kompakte Ruine einer kleinen Rodungsburg aus der Zeit um 1200, bestehend aus Bergfried und Wohntrakt mit dazwischenliegender Zisterne. Die Ruine steht auf einem künstlich aus einem Bergsporn gehauenen Kalksteinklotz, der sich am äussersten Punkt eines weitläufigen, wohl bereits früher befestigten Siedlungsareals befindet. Die Quellenlage zur Burg ist unsicher – wahrscheinlich war sie im 13. Jhdt. der Wohnsitz der Freiherren von Radegg. Um 1300 wurde die Anlage bei einem Angriff zerstört.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 39’ 06.35“ N, 08° 30’ 23.68“ E
Höhe: 586 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 680.230 / 278.450
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Von Schaffhausen auf der Hauptstrasse 14 in Richtung Neuhausen fahren, dann in die Hauptstrasse 13 abbiegen und dieser in westlicher Richtung nach Neunkirch folgen. Kurz vor Neunkirch zweigt beim Ergoltingerhof links das Strässchen ins Ergoltingertal und zum Rossberg ab. Diesem nun durch den Wald hinauf bis zum Gasthaus Rossberghof folgen. Parkplätze direkt beim Gasthof nur für Gäste. Ab hier ist die Burgruine auf einem ausgeschilderten Wanderweg in 20 Min. zu erreichen.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Schaffhausen zunächst mit der S-Bahn in Richtung Erzingen (D) bis zur Haltestelle Wilchingen-Hallau fahren. Ab hier weiter mit der Buslinie 27 bis zur Endhaltestelle Osterfingen, Lindenhof. Nun dem ausgeschilderten Wanderweg in südöstlicher Richtung ins Wangental hinein folgen. Nach rund 2 km biegt der Weg links in den Wald ein und führt steil hinauf auf den Burghügel (Fussweg ca. 40 Min.)
Wanderung zur Burg
Der Schaffhauser Grenzweg führt an der Ruine vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
Picknickplatz mit Feuerstelle auf dem Areal der Vorburg
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
vom Rossberghof her bis zum inneren Graben möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Radegg (SH)
Quelle: Schib, Karl - Chronik der Ausgrabungen und Geschichte der Herren von Radegg | In: Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 15 | Schaffhausen, 1938
Historie
Wann der hoch über dem Wangental gelegene Bergsporn von Radegg zum ersten Mal besiedelt wurde, ist bis heute ungklärt. Die weitläufige, durch Wall und Graben befestigte Siedlungsfläche der sogenannten Vorburg könnte sowohl aus prähistorischer Zeit wie auch aus dem Hochmittetlater stammen. Die Ausgrabungen haben lediglich ergeben, dass das Areal ursprünglich durch einen inneren Wall gesichert war, dessen Material später in den äusseren Graben gestossen wurde. Möglicherweise bestand hier vor der Adelsburg eine primitiv befestigte Fluchtburg für die Bewohner der umliegenden Höfe.

Auch die Entstehungszeit der eigentlichen Burg Radegg ist nicht klar festzulegen. Die Kleinfunde weisen auf eine Besiedlung ab dem 12. Jhdt. hin, doch das erhaltene Mauerwerk wird auf die Zeit um 1200 datiert. Möglicherweise erbauten sich die Herren von Radegg zunächst eine Holzburg, welche sie später durch einen massiven Steinbau ersetzten. Dabei wurde aus der Bergkuppe künstlich ein Kalksteinklotz herausgeschlagen, den Aushub verwendete man zugleich als Baumaterial. Die in einem Zug errichtete Kernburg war dreiteilig, mit einem Bergfried auf der Ostseite (mit Mauerstärken bis zu 4 Metern) und einem turmähnlichen Palas auf der Westseite. Der Raum dazwischen wurde als Zisterne genutzt.

Die Burg Radegg wird urkundlich nicht erwähnt. 1188 taucht mit «Heinric Scado» ein erster Vertreter jener Familie auf, die sich in späteren Urkunden Schad von Radegg nannte. Doch ist unklar, ob man ihn dieser Burg oder der gleichnamigen Anlage am Irchel im Kanton Zürich zuweisen muss. Die Radegger verfügten beidseits des Rheins über verstreuten Besitz und versuchten diesen offenbar gewaltsam zu vermehren. 1225 musste ein «Rudolf nobilis dictus Schade de Radegge» dem Kloster St. Blasien ein Gut abtreten, weil er ihm durch Raub und Brand Schaden zugefügt hatte.
Neben den Freiherren von Radegg existierte auch eine Ministerialenfamilie gleichen Namens, die ein sehr ähnliches Wappen führte. Die beiden Linien sind deshalb kaum auseinanderzuhalten. Letztere liess sich im Spätmittelalter in Schaffhausen nieder, während die Freiherren nach 1332 aus der Überlieferung verschwinden. Da ihre letzten Vertreter im Kloster Rheinau auftraten, darf man annehmen, dass sie zu diesem in guten Beziehungen standen. Möglicherweise versuchten die Radegger um 1270 das Kloster vor den Ansprüchen seiner Vögte, der benachbarten Freiherren von Krenkingen zu schützen. Jedenfalls ist die Burg Radegg um jene Zeit gewaltsam zerstört worden: Die auf der Innenseite geröteten Kalksteine lassen auf einen Brand schliessen. Bei den Ausgrabungen stiess man auf eine Ascheschicht und zahlreiche Pfeilspitzen und Armbrustbolzen.

Die Burg wurde danach dem Zerfall überlassen. Im 18. und 19. Jhdt. wurde die Ruine mehrmals von Schatzgräbern aufgewühlt. 1923, 1927 und 1936-1937 wurde sie schliesslich ausgegraben und konserviert.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 518
  • Boxler, Heinrich / Müller, Jörg - Burgenland Schweiz: Bau und Alltag | 2. Aufl. | Solothurn, 1991 | S. 98-107
  • Boxler, Heinrich - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2] | 2. Aufl. | Arbon, 1991 | S. 203
  • Frauenfelder, Reinhard - Die Kunstdenkmäler des Kantons Schaffhausen, Bd. III: Der Kanton Schaffhausen (ohne Stadt Schaffhausen und Bezirk Stein) | Basel, 1960 | S. 304-306
  • Grütter, Daniel - Burgruinen im Kanton Schaffhausen | In: Mittelalter: Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 19. Jhg./Nr. 2 | Basel, 2014 | S. 80-82
  • Kläui, Paul - Die Freiherren Schad von Radegg | In: Schweizerische Heraldische Gesellschaft (Hg.) - Genealogisches Handbuch zur Schweizer Geschichte, Bd. II: Hoher und niederer Adel | Zürich, 1935-1945 | S. 125-132
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 5: Kantone Zürich und Schaffhausen | Zürich, 1982 | S. 94
  • Reicke, Daniel - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22] | Basel, 1995 | S. 111-112
  • Schib, Karl - Chronik der Ausgrabungen und Geschichte der Herren von Radegg | In: Schaffhauser Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 15 | Schaffhausen, 1938 | S. 228-260
  • Schweizerischer Burgenverein (Red.) - Radegg (Schaffhausen) | In: Nachrichten der Schweizerischen Vereinigung zur Erhaltung der Burgen und Ruinen, 12. Jhg./Nr. 5 | Zürich, 1939 | S. 30-32
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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