CHÂTEAU DE PORRENTRUY
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Allgemeine Informationen
Mächtige Anlage auf einer Anhöhe über dem befestigten Städtchen Porrentruy. Von der mittelalterlichen Burg der Grafen von Pfirt (Ferette) und von Montbéliard ist der runde Hauptturm erhalten geblieben. Die restlichen Bauten stammen grösstenteils aus dem 16. bis 18. Jhdt., als das Château dem Fürstbischof von Basel als Residenz diente.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 25' 09.50" N, 07° 04' 20.04" E
Höhe: 459 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 572.350 / 252.120
Kontaktdaten
Jura Tourisme | Grand'Rue 5 | CH-2900 Porrentruy
Tel: +41 (0)32 420 47 72 | E-Mail: info@juratourisme.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Porrentruy ist Hauptort der Ajoie und liegt in der nordwestlichsten Ecke der Schweiz, 21 km westlich von Delémont. Von der Altstadt her ist das Château über eine Treppe vom Faubourg de France her oder über die durch eine Allee führende Zufahrtsstrasse erreichbar. Parkmöglichkeiten in der Stadt.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Porrentruy ist per Bahn via Delémont erreichbar.
Wanderung zur Burg
Die Burg liegt am Ausgangspunkt des Trans Swiss Trail, einem Fernwanderweg vom Jura in den Tessin.
Öffnungszeiten
Burghof tagsüber frei zugänglich
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Porrentruy
Quelle: Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 7: Kantone Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Neuenburg, Jura und Laufental | Zürich, 1981 | S. 92 | Überarbeitet von O. Steimann 2008.
Historie
In Porrentruy (Pruntrut), dem Zentrum der Ajoie, ist seit karolingischen Zeiten ein königlicher Dinghof nachweisbar. Die Gegend gehörte seit 870 zum Ostfrankenreich. Um 1140 traten die Grafen von Montbéliard (Mömpelgard) als Besitzer des Hofs auf, zu dem damals bereits ein Dorf und eine Kirche gehörten. Wohl um 1200 errichteten die Grafen von Pfirt (Ferette), eine Nebenlinie der Montbéliard, nördlich über der Siedlung eine erste Burg. Als ihre Vögte vor Ort werden um 1230 die Herren von Bonfol erwähnt.

Über das Aussehen dieser frühesten Anlage ist nichts bekannt. Bald nach 1236, als wieder die Hauptlinie derer von Montbéliard die Rechte über Porrentruy erhalten hatte, begann Graf Thierry III. mit dem Bau einer neuen Burg. Deren Zentrum bildete der heute noch erhaltene Donjon (Tour Réfous). Der mächtige Rundturm verfügt über 3,5 Meter dicke Grundmauern und weist einen Durchmesser von 12,5 Metern auf. Im Innern befinden sich drei Räume mit Gewölbedecken, wovon einer über einen grossen Kamin beheizt werden konnte. Die weiteren Teile der Burg dürften um den Donjon herum gebaut worden sein, sind heute aber grösstenteils verschwunden. Vom mittelalterlichen Baubestand erhalten ist der Sodbrunnen, in die nördliche Aussenfront des bischöflichen Schlosses wurde zudem ein Teil der alten Ringmauer integriert.

Bereits 1234 versuchte das Bistum Basel, seit dem frühen 11. Jhdt. in der Ajoie reich begütert, sich in Porrentruy eine Machtstellung aufzubauen. Vorerst schlugen diese Bestrebungen zwar fehl, doch der Machtkampf wurde während dem Interregnum wieder aufgenommen. 1270 sprach ein Schiedsgericht dem Bischof von Basel die ganze Herrschaft zu, doch die Grafen von Montbéliard und von Pfirt waren nicht bereit, auf ihre Ansprüche zu verzichten. Durch eine Entschädigung konnte das Bistum 1281 zumindest die Pfirter zum Einlenken bewegen. Doch Thierry III. von Montbéliard übertrug seine Rechte 1282 an Rainald von Burgund. Nun griff König Rudolf von Habsburg ein, zog mit einem Heer vor die Burg und belagerte Porrentruy sechs Wochen lang. Nach seinem Sieg überliess er das Gebiet dem Basler Bischof.

Porrentruy wurde fortan von bischöflichen Kastellanen verwaltet. 1343 wird Johann von Knoeringen in dieser Funktion erwähnt, doch auch der Bischof selbst nahm zeitweise auf der Burg Wohnsitz. 1335 zerstörte ein grosser Brand Teile der Anlage. Und 1386 musste das in Geldnot geratene Bistum Porrentruy mit der gesamten Ajoie für 13'000 Gulden an die Grafen von Montbéliard-Württemberg verpfänden. Diese scheinen an der Burg aber kein grosses Interesse gezeigt zu haben. Als Bischof Johann von Venningen 1467 das Pfand schliesslich wieder auslösen konnte, war die Anlage in einem derart schlechten Zustand, dass er sie umfassend erneuern lassen musste. 1528, durch die Reformation aus Basel vertrieben, liess sich der Bischof endgültig auf der Burg nieder.

Ein weiterer Grossbrand machte 1558 eine Umgestaltung der Anlage notwendig. Aus der mittelalterlichen Grafenburg wurde nun eine Renaissanceresidenz. Um 1590 entstand das bischöfliche Schloss: Ein langgezogener Bau am nördlichen Bering. Am östlichen Ende der nun sehr weitläufigen Anlage wurde um 1600 ein Rondell errichtet, der so genannte «Tour du Coq» (Hahnenturm). Zwischen diesen und das Schloss setzte man in der ersten Hälfte des 17. Jhdts. das Kanzleigebäude. Ausserdem erhielt die einstige Burg im nordwestlichen Vorgelände eine ausgedehnte Schanzenanlage. Der Dreissigjährige Krieg warf den Ausbau allerdings immer wieder zurück. 1635 wurde Porrentruy von den Franzosen belagert und fünf Tage lang beschossen. Der Bischof konnte erst 1650 ins Schloss zurückkehren, und erst gegen Ende des 17. Jhdts. waren alle Kriegsschäden behoben. Nun folgte eine letzte Ausbauetappe mit dem 1697 für die Prinzessin Christine von Schweden errichteten Haus entlang der Südfront und dem um 1700 errichteten «Tour du Trésor» (Schatzturm).

Beim Einmarsch der französischen Revolutionstruppen gab Fürstbischof Joseph Sigismund von Roggenbach seine Residenz auf und floh ausser Landes. Das Château stand nun leer. Als der Jura 1815 dem Kanton Bern zugesprochen wurde, wollte die Regierung das Schloss zunächst abbrechen. Doch die Bevölkerung wehrte sich erfolgreich gegen die Entfernung des Wahrzeichens ihrer Stadt. 1837 wurde die Anlage den Gemeinden der Ajoie übertragen, die darin ein Alters- und ein Waisenheim einrichteten. Im 20. Jhdt. wurde das Château, das zwischenzeitlich auch als Kaserne und als Schuhfabrik gedient hatte, etappenweise saniert. Es beherbergt heute Büro- und Repräsentationsräume des Kantons Jura.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente inkl. Infotafel auf der Burg.
Literatur
  • Aeschbacher, Paul - Die Burgen und Schlösser des Kantons Bern: Jura und Seeland, II. Teil | Basel, 1936 | S. 30-40
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 400
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 1 | Neuenburg, o.J. | S. 66-69
  • De Raemy, Daniel - Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330) [Cahiers d'archéologie romande 98], Volume 1 | Lausanne, 2004 | S. 95-96
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 11: Bern 2, Neuenburg, Freiburg | Kreuzlingen, 1975 | S. 58-63
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 86
  • Meyer, Werner - Burgen von A bis Z: Burgenlexikon der Regio | Basel, 1981 | S. 179-181
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 7: Kantone Basel-Stadt, Basel-Land, Solothurn, Neuenburg, Jura und Laufental | Zürich, 1981 | S. 92-93
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 197-198
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