Wappen von Cama
Burg Norantola / Cama - Kanton Graubünden
Historie


Die Burg von Norantola liegt mitten in der Talsohle des Misox und damit am wichtigen Verkehrsweg von Rätien über den Pass des San Bernardino nach Bellinzona und Italien. Errichtet wurde sie vermutlich im 12. Jhdt. von einer lokalen Adelsfamilie. 1248 wird ein Locarnus de Norantola urkundlich erwähnt, 1295 ein Petrus de Norantola. Zu dieser ersten Burganlage gehörten Teile der heutigen Ringmauer, an die sich inwendig verschiedene Gebäude anlehnten.

Im frühen 14. Jhdt. ging die Herrschaft über Norantola an die Herren von Sax über. Diese hochadlige Familie verfügte über weitreichende Besitzungen und Rechte beidseits der Alpen. Spätestens im 12. Jhdt. hatten sich die Sax im Misox festgesetzt und die das Tal dominierende Festung Mesocco in ihren Besitz gebracht. Als treue Parteigänger der Stauffer gelang es ihnen in den nachfolgenden Jahrzehnten, im Misox eine geschlossene territoriale Herrschaft aufzubauen. Andere Adelsgeschlechter wurden dabei verdrängt, so möglicherweise auch die Herren von Norantola. 1324 jedenfalls nennt sich Ugolinus von Sax in einer Urkunde "de Norantola". Anlässlich des Besitzerwechsels oder noch kurz davor war die Burg deutlich ausgebaut worden: Die Ringmauer erhielt Schwalbenschwanz-Zinnen, und in der südwestlichen Ecke der Anlage wurde der mächtige Wohnturm errichtet.

Im 14. und 15. Jhdt. nannten sich zahlreiche Angehörige der Familie von Sax-Misox nach Norantola. Auch beim Abtausch zweier Weideflächen zwischen den Dörfern Cama-Norantola und Verdabbio wird die Burg 1384 erwähnt: Sie lag genau auf der Grenze der beiden Grundstücke. Noch 1439 entschied das Talgericht in einem Weidestreit zugunsten der Familie Sax-Norantola. Um 1480 jedoch war die Burg zerstört, wobei unklar ist, ob sie zerfallen oder gewaltsam gebrochen worden war. Damals entschloss sich Graf Johann Peter von Sax-Misox, seine Herrschaft über das Tal zu verkaufen, da diese zum Streitobjekt zwischen Mailand, den Bündnern und der Eidgenossenschaft geworden war. Mailand schob den Condottiere Gian Giacomo Trivulzio als Käufer vor, der mit der Übernahme auch Norantola in seinen Besitz brachte.

Offenbar liessen Trivulzio oder der ihn unterstützende Herzog von Mailand die heruntergekommene Burg wieder instand stellen. Es wurden neue Zinnen mit Schiessscharten für Handfeuerwaffen angebracht und die Mauern an mehreren Stellen verstärkt. Dies war auch nötig, den Trivulzio verstrickte sich bald in eine Fehde mit Graf Johann Peter von Sax-Misox, da man sich nicht über die noch ausstehende Kaufsumme für die Herrschaft einigen konnte. 1483 zogen Truppen des Grafen vor die Burg und brannten sie nieder. Ob die Festung danach nochmals aufgebaut worden ist, bleibt unklar. Der Familienzweig der Sax-Norantola nannte sich noch bis ins 16. Jhdt. nach der Burg, hatte seinen Wohnsitz jedoch in Bellinzona. Die Burg blieb in den folgenden Jahrhunderten sich selbst überlassen, erst durch die jüngsten Konservierungsarbeiten konnte der Zerfall des Mauerwerks gestoppt werden.

QUELLEN: CLAVADETSCHER, Otto P./MEYER, Werner: Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 256-258. / MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 2: Kantone Tessin und Graubünden (italienisch-sprachiger Teil). Zürich 1982. S. 86-87.


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