Wappen von Mammern
Burg Neuburg / Mammern - Kanton Thurgau
Historie


Die Neuburg, grösste Burgruine des Thurgaus und eine der bedeutendsten mittelalterlichen Wehranlagen am Untersee, liegt im Einzugsbereich der alten Herrschaft Mammern. Hier stand die Stammburg eines gleichnamigen Adelsgeschlechts, das jedoch im 12. Jhdt. aus der Gegend verschwand. Ulrich III. von Klingen dürfte im Gegensatz zur alten, damals bereits zerfallenen Burg um 1270 auf einem Geländerücken hoch über dem See die Neuburg errichtet und damit eine eigenständige kleine Herrschaft gegründet haben. Im März 1274 stellte er jedenfalls auf einer Burg namens "Nüwenberg" eine Urkunde aus und nannte sich 1280 "dominus castri Nuwenberch". Zusammen mit Hohenklingen (Kanton Schaffhausen) dürfte die neue Burg der Überwachung des Handelsverkehrs auf dem Untersee gedient haben. Die ursprüngliche Anlage bestand aus dem massiven Bergfried, einer Ringmauer und dem Palas, wobei eine Baufuge im Mauerwerk des Turms in etwa 10 Metern Höhe auf einen längeren Bauunterbruch hinweisen könnte. Bergseits wurde die Burg durch einen tiefen Graben geschützt.

1290 verkaufte Ulrich III. von Klingen die Burg an die Herren von Castell, die 1319 von der Abtei St.Gallen auch das Dorf Mammern samt Kirchensatz verliehen bekamen. Es folgten nun zahlreiche Besitzerwechsel, wobei Mammern und die Neuburg als st.gallische Lehen nahezu immer in denselben Händen verblieben. Ab der Mitte des 15. Jhdt. unterstand die Herrschaft den Herren von Hohenlandenberg. Im August 1522 verkaufte Hugo von Hohenlandenberg die Neuburg erneut. Der Urkunde ist zu entnehmen, dass die Anlage damals einen Vorhof und Scheunen umfasste. Nach weiteren raschen Besitzerwechseln gelangte sie 1540 durch Kauf an Ursula von Hutten aus der in der Ostschweiz reich begüterten Familie Thumb.

Die Thumb behielten die Neuburg bis 1621 und verkauften sie dann an die Familie von Roll aus Altdorf (Kanton Uri). Damals war das Archiv der Herrschaft in einem Gewölbe im Bergfried untergebracht, der alte Adelssitz diente demnach weiterhin als Verwaltungszentrum. Der Umbau der Burg, bereits im 16. Jhdt. begonnen, wurde von den neuen Besitzer vorangetrieben. Der Bergfried erhielt eine neue Geschosseinteilung, grössere Fensteröffnungen und einen neuen Zinnenkranz aus Backsteinen. Die alte Kernburg wurde von einer zweiten Ringmauer umgeben, deren Bastionen sich an neuen kriegstechnischen Bedürfnissen orientierten. Auch der Palas wurde verändert und repräsentativ zum See hin ausgerichtet. Von einem auf späteren Abbildungen erkennbaren Gebäude auf der Ostseite der Kernburg fehlt heute hingegen jede Spur.

Gemäss einem Inventar von 1697 war die Burg damals noch in gutem Zustand, obwohl die von Roll bereits kurz nach Übernahme der Herrschaft das Amtshaus in Mammern zum Schloss und neuen Herrschaftszentrum ausgebaut hatten. Über die ebenfalls aus der Innerschweiz stammende Familie Reding gelangten Burg und Herrschaft Neuburg 1669 an die Familie Püntener, welche die alte Festung noch bis 1690 bewohnt hat. Damals erwarb das Kloster Rheinau die Neuburg und liess sie um 1699 offenbar noch ein letztes Mal reparieren, nachdem ein Teil der Umfassungsmauer eingestürzt war. Gemäss den Schriftquellen mehrten sich nun jedoch die Hinweise auf die Baufälligkeit der Anlage, und 1742 liess der rheinauische Statthalter einen Teil der Burg "zu erspahrung der unnöthigen kösten" abtragen. Nachdem 1813 auch das Dach des Bergfrieds zusammengebrochen war, wurde die Anlage endgültig dem Zerfall überlassen, teilweise auch als Steinbruch ausgebeutet.
Als 1838 die Besitzungen des Klosters Rheinau verkauft wurden, gelangte die Ruine Neuburg an Rudolf Huber aus Basel. Dieser veräusserte das Grundstück bereits im folgenden Jahr an den Besitzer des etwas weiter östlich gelegenen Schlosses Glarisegg, Albrecht Georg Fürst zu Schaumburg-Lippe. 1930 wurde die Ruine schliesslich von Waldemar Ullmann aus Mammern erworben, dessen Erben sie noch heute besitzen. Ullmann liess selbst gewisse Sicherungsmassnahmen durchführen, über die jedoch keine Aufzeichnungen existieren. Nachdem seit den 1950er Jahren immer wieder Anläufe für eine grundlegende Sanierung der Anlage gescheitert waren, konnte eine solche 2001 endlich in Angriff genommen werden. Unter Leitung des Amtes für Archäologie des Kantons Thurgau und in Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen wurde die Burgruine bis Ende 2003 umfassend gesichert und bauhistorisch untersucht.

QUELLEN: BREM, Hansjörg et alt.. Die Sanierung der Ruine Neuburg bei Mammern in den Jahren 2001-2003. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins. 9 Jhg., Nr. 1. Basel 2004. S. 1-27. / RAIMANN, Alfons/ERNI, Peter. Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. VI: Der Bezirk Steckborn. Bern 2001. S. 211-212. / REICKE, Daniel. "von starken und grossen flüejen": Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 91-92. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel / Berlin 1995. Nr. 577. / Infotafel auf der Burg.


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