Wappen von Frauenfeld
Burgstelle Murkart / Frauenfeld - Kanton Thurgau
Historie

 

Die historischen Nachrichten zur Burg Murkart sind äusserst spärlich. 1102 wird in einer Urkunde des Herzogs Berchtold II. von Zähringen ein «Liutoldus de Murchart» als Zeuge genannt. Vermutlich derselbe Lütold von Murkart bezeugte 1122 ein Rechtsgeschäft des Erzbischofs Bruno von Trier. Auch in späteren Jahrzehnten muss das Freiherrengeschlecht noch in Rang und Ansehen gestanden haben, denn von 1222 bis 1224 war Adelheid von Murkart Äbtissin des Fraumünsterklosters in Zürich und somit Reichsfürstin. Eine andere Adelheid aus derselben Familie war ab 1256 erste Äbtissin des Klosters Selnau, ebenfalls in Zürich.
Die Güter derer von Murkart waren in der ersten Hälfte des 13. Jhdt. offenbar durch Erbgang an die Freiherren von Regensberg gefallen. Aufgrund sehr ähnlicher Wappen wird eine enge Verwandtschaft der beiden Familien vermutet. 1244 verkauften Lütold V. und Lütold VI. von Regensberg vier Ortschaften für 100 Mark Silber dem Augustinerkloster zu Kreuzlingen – darunter auch Murkart.

Bei der Burg, über deren Aussehen heute keine Angaben mehr gemacht werden können, muss spätestens nach dieser Handänderung der Zerfall eingesetzt haben. Das Kloster Kreuzlingen liess neben der Ruine eine Kapelle und ein Bruderhaus errichten. Der «Burgstall» zu Murkart wird 1437 in einer Urkunde erstmals erwähnt.
Ab 1462 pachtete die Stadt Frauenfeld den Hof Murkart vom Kloster Kreuzlingen. Wenige Jahre später lösten Beghinen die frommen Brüder ab und gründeten auf dem ehemaligen Burgareal eine neue Gemeinschaft, die nach den Regeln der Franziskaner lebte. 1529, während der Reformation, wurde das Beghinenkloster aufgelöst. Ein Wiederbelebungsversuch scheiterte um 1578.

Die Stadt Frauenfeld konnte den Hof Murkart 1592 endgültig erwerben. Das ehemalige Bruderhaus und die Kapelle wurden nun ebenfalls dem Zerfall überlassen. Von der einstigen Siedlung waren 1695 nur noch Ruinen zu sehen. Heute sind auf dem Areal noch zwei durch einen Graben voneinander getrennte Geländekuppen erkennbar. Auf der südlichen, die gegen die Murg hin steil abfällt, dürfte einst die Burg der Herren von Murkart gestanden haben. Unter der Erdoberfläche sollen noch geringe Mauerreste vorhanden sein.

QUELLEN: KOLB, Jean. Murkart: Eine verschwundene Burg und ein ehemaliges Kloster. In: Thurgauische Beiträge zur vaterländischen Geschichte, Heft 98. Frauenfeld 1961. S. 63-82. / KOMISSION DES HISTORISCHEN VEREINS DES KANTONS THURGAU. Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, II. Teil. Basel 1932. S. 34-35. / KNOEPFLI, Albert. Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. I: Der Bezirk Frauenfeld. Basel 1950. S. 119. / Infotafel bei der Burg.

 

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