Wappen von Maienfeld
STADTBEFESTIGUNG MAIENFELD
Europa / Schweiz / Kanton GraubŁnden / Bezirk Landquart / Maienfeld

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Historie

Grundriss

Am verkehrstechnisch wichtigen Punkt, wo die Strasse vom Bodensee durch das Rheintal zu den Bündner Pässen mit der Route aus Westen vom Walensee her zusammentraf, existierte bereits in römischer Zeit eine Siedlung. Auf der als Tabula Peutingeriana bekannten Weltkarte aus der Mitte des 4. Jhdts. wird der Ort «Magia» genannt. In karolingischer Zeit wird an gleicher Stelle ein Königshof mit dem Namen «curtis Lupinis» erwähnt. Zu diesem gehörte auch ein Fährbetrieb über den Rhein, wie ein Reichsguturbar von 831 festhält. Die beiden Namen für den Ort existierten im Mittelalter offenbar nebeneinander, wobei sich «Magia» über «Maging» und «Mayen» zu «Maienvelt» (1295) wandelte und schliesslich durchsetzen konnte.

Aus den Gütern des Könishofs dürften im Hochmittelalter die Herren von Aspermont ihre Herrschaft gebildet haben. Ihnen wird auch die Gründung der Burg Maienfeld im 13. Jhdt. zugeschrieben. Wie Bauuntersuchungen an der Stadtmauer ergaben, dürfte der Ort um die gleiche Zeit befestigt worden sein. Beim so genannten Pfrundhaus im Norden des Städtchens ist die älteste Mauer noch 4,5 Meter hoch erhalten. Das Mauerwerk aus Flusskieseln ist 1 Meter dick. Das befestigte Städtchen, das nordwestlich oberhalb der Burg steht, hatte offenbar von Beginn an denselben Umfang wie heute, mit einer Ausdehnung von etwa 120 x 170 Meter. Im Nordwesten, zur Strasse in Richtung Bodensee, befand sich das Lindauertor, dem auf der Ostseite das Churertor gegenüber stand. Auf der Südwestseite, gegen das Tal gerichtet, befand sich das Rheintor. Das ganze Städtchen war von einem 6 Meter breiten Trockengraben umgeben, dessen äusserer Rand von einer 0,5 Meter starken Mauer gesichert wurde.

Vermutlich im 14. Jhdt. wurde die Stadtbefestigung deutlich verstärkt und aufgestockt. Sie war nun mit Zinnen bewehrt und erreichte beim Pfrundhaus eine Höhe von 9,6 Metern. Ein 6,6 Meter bereites Mauerstück, das in den Untersuchungen als Schildmauer bezeichnet wird, könnte einst die Seitenwand eines Turms gebildet haben. Ob diese Verstärkungen noch auf die Aspermonter zurückgehen, oder ob sie den Grafen von Toggenburg zuzuschreiben sind, die ab 1355 über Maienfeld herrschten, muss offen bleiben. Auch eine dritte Bauphase lässt sich nicht eindeutig datieren. Damals wurden die Scharten der zweiten Phase zugemauert und darüber neue, 1,8 Meter breite Zinnen errichtet. Die Mauer beim Pfrundhaus erreichte nun eine Höhe von mindestens 10,5 Metern.

Wann Maienfeld in den Rang einer Stadt erhoben wurde, ist nicht bekannt. In den Schriftquellen wird der Ort erst ab 1434 als solche bezeichnet. Im September 1438 gewährten die damaligen Inhaber der Herrschaft, Wolfhart von Brandis und Thüring von Aarburg, den Maienfeldern ein paar kleinere Privilegien. Eine eigentliche städtische Organisation scheint sich aber nicht entwickelt zu haben. 1458 wurde die Stadt ausserdem durch eine Brandkatastrophe verwüstet. Und im Schwabenkrieg musste sie 1499 den kaiserlichen Truppen die Tore öffnen, wofür sich die Bündner mit einer Plünderung rächten. 1509 verkauften die schwer verschuldeten Herren von Brandis Burg und Stadt für 20000 Gulden an die Drei Bünde. Die weitere Entwicklung war damit gebremst. Und als 1529 bei Landquart die Tardisbrücke über den Rhein errichtet wurde, verlor die Stadt auch ihre verkehrstechnische Bedeutung. 1622 wurde Maienfeld bei einem weiteren Stadtbrand weitgehend verwüstet. Eine dritte Brandkatastrophe ist für 1720 überliefert.

Die Entfestigung des Städtchens setzte im 19. Jhdt. ein. Damals wurden alle drei Tore weitgehend abgebrochen. Auch der breite Stadtgraben wurde zugeschüttet. Trotzdem ist heute die Stadtmauer noch an verschiednen Stellen sehr gut sichtbar. Etwa rund ums Churertor, beim Pfrund- und beim Rathaus.

Quellen: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.). - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz. Kataloge, Darstellungen. Zürich 1996. S. 155-157. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. II: Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal. Basel 1937. S. 11-14.
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