CHÂTEAU DE LUCENS
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Allgemeine Informationen
Grosse, pittoreske Burg über dem gleichnamigen Städtchen im Broyetal. Die im 13. Jhdt. errichtete Anlage mit ihrem runden Hauptturm diente den Lausanner Bischöfen als Sommerresidenz und Verwaltungszentrum für die Region. 1476 wurde sie von den Bernern ein erstes Mal erobert und zerstört, 1536 endgültig besetzt und fortan als Landvogteisitz genutzt. Heute befindet sich die Burg in Privatbesitz und kann für exklusive Anlässe gemietet werden.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 42’ 39.15“ N, 06° 50’ 13.10“ E
Höhe: 564 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 553.990 / 173.470
Kontaktdaten
Château de Lucens | Rue du Château | CH-1522 Lucens
Tel: +41 (0)21 906 60 40 | E-Mail: info@chateaudelucens.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Ab Lausanne der Hauptstrasse 1 in nordöstlicher Richtung über Epalinges, Montpreveyres und Moudon bis nach Lucens folgen. Auf der Route de Moudon bis ins Ortszentrum fahren, dann bei der Post links in die Rue du Marché einbiegen, die an den Fuss des Burghügels führt. Parkmöglichkeiten im Ort.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Lausanne mit der S-Bahn (Linie 9) in Richtung Kerzers bis nach Lucens fahren. Vom Bahnhof aus ist die von weither sichtbare Burg zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Die Burg ist nicht öffentlich zugänglich. Ihre Räume können jedoch für private und geschäftliche Anlässe oder zivile Trauungen gemietet werden. Informationen unter:
www.chateaudelucens.ch
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
Zimmer für Eventgäste in den historischen Gebäuden zu Füssen der Burg
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
teilweise möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Lucens
Quelle: nach verschiedenen Vorlagen neu gezeichnet von O. Steimann, 2018
Historie
Das mittlere Broyetal mit der Region rund um Lucens gehörte im 10./11. Jhdt. zum Krongut des Königreichs Hochburgund. Herrschaftsmittelpunkt war vermutlich schon damals die Burg von Curtilles an der östlichen Talflanke. Jedenfalls stand hier im 12. Jhdt., als die Hoheitsrechte ans Bistum Lausanne übergegangen waren, eine Wehranlage. Diese Burg wurde während Fehden des Bischofs mit den Grafen von Genevois und den Herzögen von Zähringen zweimal zerstört. Um 1200 entschloss sich deshalb Bischof Roger de Vico-Pisano, auf der anderen Talseite eine neue Wehranlage zu errichten: die Burg Lucens. Der felsige Geländesporn zwischen dem Tal der Broye und dem Vallon des Vaux bot dafür den idealen Standort.
Auf diese erste Bauphase geht der mächtige runde Hauptturm der Burg zurück, mit einer Mauerstärke von bis zu 4 Metern. Der alte Hocheingang liegt in 8,5 Metern Höhe auf der Westseite. Ob der Bau als bewohnbarer Donjon oder als reiner Wehrturm (Bergfried) konzipiert wurde, lässt sich heute kaum noch ausmachen. Manche Spuren im Innern deuten auf eine einstige Bewohnbarkeit hin. Zusammen mit dem Turm entstand die Ringmauer der Kernburg, welche den Palas und den Burghof mit seinem 29 Meter tiefen Sodbrunnen umfasst.

Lucens war ein beliebter Aufenthaltsort der Lausanner Bischöfe und wurde von einem Kastellan verwaltet, der über zehn Wachtleute verfügte. In der Burg wurde im Juli 1406 Bischof Guillaume III. de Menthonay – Bauherr des Château de Saint-Maire – von einem Diener ermordet. Während der Burgunderkriege wurde die Anlage 1476 von den Bernern auf ihrem Zug von Murten nach Lausanne geplündert und in Brand gesteckt. Doch nach dem Kriegsende erhielt sie der Bischof zurück und liess sie umgehend wieder herstellen und noch stärker befestigen.
Im Spätmittelalter erhielt das Château de Lucens eine zweite Ringmauer, eine befestigte Unterburg und zwei äussere Burgtore. Das eine befindet sich am südöstlichen Fuss des Hügels. Von hier führte der Weg durch eine heute weitgehend verschwundene Siedlung mit Wohn- und Ökonomiebauten hinauf zur Kernburg. Eine zweite Toranlage entstand auf der Bergseite: Von einem kleinen Turm aus überquert hier eine Brücke den Burggraben und führt in den äusseren Zwinger. Ebenfalls aus dem Spätmittelalter stammen die zahlreichen kleinen Artillerietürmchen (Pfefferbüchsen), die an verschiedenen Punkten auf der inneren und der äusseren Ringmaier angebracht wurden.

1536 fielen die Berner erneut in die Waadt ein und konnten Lucens kampflos besetzen. Sechs Jahre später wurde der Sitz des Landvogts von Moudon hierher verlegt. Die Berner Statthalter residierten bis zum Umsturz der alten Ordnung im Château und liessen dieses baulich weiter verändern – vor allem durch einen grossen, um 1580 ebauten Wohntrakt im westlichen Teil der Kernburg, der fortan als «château neuf» (neue Burg) bezeichnet wurde. Im Revolutionsjahr 1798 wurde die Anlage durch waadtländische Aufständische zusammen mit französischen Truppen besetzt, bleib jedoch unversehrt. 1801 wechselte sie in Privatbesitz und beherbergte ab 1860 ein Knabeninternat.
Der Winterthurer Alfons Haefliger, der die Anlage 1920 erwerben konnte, liess eine umfassende Restauration durchführen und etliche bauliche Veränderungen aus dem 18. und 19. Jhdt. rückgängig machen. Ab 1965 gehörte das Château de Lucens für einige Jahre den Nachfahren des Schöpfers von Sherlock Holmes, Sir Arthur Conan Doyle. Seither hat es bereits wieder mehrfach den Besitzer gewechselt.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. 1 | Neuenburg, o.J. | S. 40-41
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 684
  • Bourgeois, Victor H. - Die Burgen und Schlösser des Kantons Waadt, II. Teil | Basel, 1936 | S. 15-18
  • De Raemy, Daniel - Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), Vol. 2 [Cahiers d'archéologie romande 99] | Lausanne, 2004 | S. 542-547
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 12: Waadt, Wallis, Genf | Kreuzlingen, 1976 | S. 71-75
  • Lipski, Eli / Locher, André - Schlösser der Schweiz | Bern, 2013 | S. 50
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis | Zürich, 1981 | S. 40-41
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 160-161
  • Pradervand, Brigitte - Châteaux en pays de Vaud: Du château médiéval à la maison de campagne du XVIIIè siècle | Lausanne, 2010 | S. 170-175
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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