Wappen von Lanzenneunforn
Burg Liebenfels / Lanzenneunforn - Kanton Thurgau
Historie


Liebenfels gilt als Stammburg eines gleichnamigen Rittergeschlechts: Die Herren von Liebenfels waren Dienstleute des Bischofs von Konstanz und werden in einer Urkunde von 1254 erstmals erwähnt. Ihre Burg erbauten sie auf einem Geländerücken, der an jener Stelle liegt, wo die alte Strasse von Pfyn nach Mammern den Thurgauer Seerücken überquert. Das Burgareal wurde gegen Süden hin durch einen heute zugeschütteten Graben geschützt, der mittels einer Zugbrücke überquert werden musste. Über die Gestalt der ursprünglichen Burg ist nichts mehr bekannt, denn die ältesten noch erhaltenen Bauteile der heutigen Anlage gehen laut dendrochronologischer Datierung auf die Zeit um 1300 zurück. Damals entstand der schlanke Bergfried, der wohl von Beginn weg nur als Rückzugspunkt in Notzeiten gedacht war. Sein 7,6 Meter hohes Erdgeschoss verfügte ursprünglich über keine Fensteröffnungen. Der alte Hocheingang befindet sich auf der Nordseite. An den Turm schloss eine Ringmauer an, an welche auch der am nördlichen Ende der Anlage gelegene Palas angelehnt war.

1387 wird mit "Ruodin von Liebenvels" letztmals ein Ritter von Liebenfels erwähnt. Seine Witwe und seine Schwester Margarethe erhoben 1389 Anspruch auf seine Besitzungen. Wie das Erbe im Detail geregelt wurde, ist unklar. Bereits 1390 befand sich die Burg im Besitz des Hermann Gremlich aus Konstanz, der sie an die Familie Illikuser verkaufte. Von dieser erwarb 1395 Heinrich von Tettikofen Liebenfels mit allen Rechten und Gütern, wozu auch die Vogtei Lanzenneunforn gehörte. Heinrichs Enkelin, Anna von Tettikofen, brachte die Burg 1463 durch Heirat an Hans Lanz aus Konstanz, der sich Lanz von Liebenfels nannte, nachdem er von Kaiser Friedrich III. in den Adelsstand erhoben worden war. Im Streit um die Neubesetzung des Bistums Konstanz stellte er sich 1474 auf die Seite Ludwigs von Freiberg und damit gegen die Interessen der Eidgenossen. Liebenfels wurde deshalb im Mai 1475 von innerschweizerischen Truppen besetzt, musste aber nach einem Schiedsspruch der Tagsatzung von 1476 dem Besitzer wieder ausgehändigt werden.

In den nachfolgenden Jahrzehnten erfolgte ein erster tiefgreifender Umbau der Anlage, wobei unklar ist, ob dieser wegen Schäden durch die Besetzung nötig wurde. Auf der Südseite des Hofes wurde ein Zwinger errichtet, und das Innere des Bergfrieds wurde neu gestaltet. Um 1533 wurde schliesslich das Vorderschloss errichtet, dessen Bauten weit in den ehemaligen Burggraben hineinreichen. Der Bergfried erhielt damals vermutlich seinen heutigen Abschluss mit Treppengiebeln. Die Burg verblieb im Besitz der Familie, bis sie 1574 durch Jakob und Heinrich Lanz von Liebenfels dem schwäbischen Junker Hans Christoph von Gemmingen verkauft wurde. Obwohl die Herren von Gemmingen kaum auf der Burg gewohnt haben, kauften sie zahlreiche Güter in der Umgebung auf, um ihren Besitz abzurunden. Auch wurden unter ihrer Herrschaft die oberen Stockwerke des Vorderschlosses durchgehend umgestaltet, weitere Gebäude südlich an den Bergfried angebaut und spätestens 1627 eine Kapelle eingerichtet. 1654 verkauften sie Liebenfels ans Kloster St.Urban, das die Herrschaft bald mit jenen von Herdern und Schweikhof vereinen konnte. Die Burg wurde von 1798 bis 1799 von der französischen Armee besetzt, kam kurz unter helvetische Verwaltung, wurde 1803 jedoch dem Kloster zurückgegeben. Nach der Verstaatlichung der Klostergüter wurde die Domäne Liebenfels 1838 vom Kanton Luzern versteigert. Nach weiteren Wechseln gelangte sie 1847 in den Besitz des emigrierten Vormärz-Revolutionärs August Adolf Follen, 1855 an den Fabrikanten Kaspar Bébié. 1933 fiel der Palas einem Brand zum Opfer und wurde nur notdürftig wieder hergerichtet. Mittlerweile zum grössten landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Thurgauer Seerücken angewachsen, kam Liebenfels 1946 an Conrad Ferdinad Bodmer. Die ehemalige Burg wurde jedoch kaum noch bewohnt und verwahrloste zusehends. 1992 wurde sie schliesslich von der Familie Ebert erworben und bis 1994 durchgehend restauriert. Dabei wurde auch die alte Zugangsbrücke entfernt und durch einen Zwinger mit neuem Portal ersetzt.

QUELLEN: RAIMANN, Alfons/ERNI, Peter. Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. VI: Der Bezirk Steckborn. Bern 2001. S. 77-84. / MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden. Zürich 1983. S. 85-86. / REICKE, Daniel. "von starken und grossen flüejen": Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 145-146. / HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser im Thurgau [Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 1]. Kreuzlingen o.J. S. 75-76.


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