Wappen von Lausanne
STADTBEFESTIGUNG LAUSANNE
Europa / Schweiz / Kanton Waadt (Vaud) / District de Lausanne / Lausanne

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Historie

Grundriss

An einem günstigen Landeplatz am nördlichsten Punkt des Genfersees entstand in den letzten Jahrzehnten v.Chr. ein Warenumschlagplatz, denn von hier führten römische Strassen über Avenches an den Rhein und über Orbe nach Besançon. Im 1. und 2. Jhdt. n.Chr. entwickelte sich «Lousonna» zum stadtähnlichen «vicus» mit zahlreichen Wohn- und Lagerbauten, Hafenanlagen, einem Forum und Tempeln. Auch auf dem Kathedralhügel wurden Überreste spätantiker Handwerksbetriebe gefunden – das hier vermutete römische Kastell konnte bislang aber nicht nachgewiesen werden.
Im 6. Jhdt. entstand auf dieser dominierenden Anhöhe eine erste Kirche. Sie wurde zur Kathedrale, nachdem Bischof Marius von Avenches um 590 den Sitz seines Bistums nach Lausanne verlegt hatte. Südwestlich davon, nahe am steilen Hang zur Unterstadt, entstand im Hochmittelalter die Bischofspfalz («Ancien Evêché»), die vielleicht auch von den Königen von Hochburgund zeitweise als Residenz genutzt wurde. Jedenfalls pflegten die Herrscher aus dem Geschlecht der Rudolfinger eine enge Beziehung zu Lausanne, die Kathedrale diente im 10. Jhdt. als Krönungsort. 1011 übertrug König Rudolf III. dem Bischof sogar die Grafschaft in der Waadt.

Wann eine erste Stadtbefestigung angelegt wurde, ist nicht bekannt. 891 wird ein «castrum» erwähnt - doch ist unklar, ob sich diese Bezeichnung auf die Bischofspfalz, die ganze Kernstadt oder eine andere Befestigungsanlage bezieht. Bei Ausgrabungen wurden unter der heutigen Kathedrale Strukturen gefunden, die zu einer ersten Ummauerung der «Cité» gehört haben könnten.
Spätestens im 11. Jhdt. muss das Zentrum auf dem Kathedralhügel aber ummauert gewesen sein. Die Umrisse dieser Stadtbefestigung, die im 12. Jhdt. gegen Südosten hin ausgedeht wurde, sind heute noch deutlich erkennbar. Sie umschloss einen Bezirk, der nebst Bischofsresidenz und Kathedrale auch das Château de Saint-Maire (14. Jhdt.) und das verschwundene Château de Menthon (15. Jhdt.) umfasste. Von der hochmittelalterlichen Mauer und ihren Türmen sind heute nur noch wenige Spuren vorhanden. Eine Ausnahme bildet der in späteren Jahrhunderten allerdings stark umgestaltete Tour des Séminaires auf der Westseite des Hügels.

Im frühen 13. Jhdt. wurde die Unterstadt südlich des Kathedralhügels mit einer eigenen Stadtmauer umgeben. Die aus Sandsteinquadern gefügten Befestigungsanlagen wurden von den Lausannern gegen den Willen des Bischofs errichtet. Die Stadt erlebte damals einen wirtschaftlichen Aufschwung und ihre Bürger erstritten sich nach und nach mehr Selbstbestimmungsrechte gegenüber ihrem geistlichen Herrn. Und obwohl zwei verheerende Brände in den Jahren 1219 und 1235 unzählige Häuser zerstörten, brauchten die Einwohner bereits um die Mitte des 13. Jhdts. mehr Platz und erweiterten die Stadt nach Westen über die Louve hinaus bis zur Porte de Saint-Laurent. Nur wenige Jahre später begann bereits die nächste Erweiterung: Auch die Aussenquartiere vor den wichtigsten Toren, die sogenannten Faubourgs, wurden nun nach und nach in die Stadtbefestigung einbezogen, zunächst allerdings nur mit Gräben und Pallisaden. Diese wurden zwischen 1336 und 1343 teilweise durch massive Mauern ersetzt, und die ganze Befestigung der Unterstadt wurde nun mit zahlreichen Wachtürmen ergänzt.
In dieser Zeit entstand auch der einzige heute noch vollständig erhaltene Turm der Stadtbefestigung, der im äussersten Westen gelegene Tour de l'Ale. Der mächtige Bau aus bis zu 1,7 Meter langen Sandsteinquadern misst im Durchmesser rund 8 Meter und wurde gemäss dendrochronologischen Datierungen um 1340 errichtet. Er ist fünf Stockwerke hoch und verfügte früher im Obergeschoss über vier Wehrerker. Das zylindrische Dach stammt aus dem frühen 15. Jhdt.

Lausanne lag im Spätmittelalter mitten im Herrschaftsbereich der Grafen von Savoyen. Der mit diesen verbündete Herzog Karl der Kühne von Burgund sammelte hier 1476 sein Heer, mit dem er gegen Murten zog, wo er von den Eidgenossen vernichtend geschlagen wurde. Als Reaktion auf diese verheerende Niederlage versuchten die Lausanner, politisch unabhängiger zu werden. 1481 schlossen sich die Bürger der Ober- und der Unterstadt zu einer einzigen Bürgergemeinde zusammen. Und um die Oberhoheit der Savoyer und die Macht des Bischofs weiter zu schwächen, gingen sie 1525 eigenständig ein Bündnis mit den Städten Fribourg und Bern ein. 1536 erklärte Bern Savoyen den Krieg und eroberte in einem raschen Feldzug die Waadt. Bereits am 31. März besetzten Berner Truppen Lausanne. Die Hoffnungen der Stadtbewohner auf mehr Unabhängigkeit erfüllten sich allerdings nicht: Bern verjagte zwar den Bischof, setzte aber an seiner Stelle einen Landvogt mit umfassenden Befehlsgewalten ein. So regierten sie Lausanne bis zur helvetischen Revolution von 1798.

Über den aufwändigen Unterhalt der Stadtbefestigung geben zahlreiche Abrechnungen aus dem 14., 15. und 16. Jhdt. Auskunft. Immer wieder mussten Mauerpartien, Türme und Tore ersetzt oder verstärkt werden. Noch im späten 17. Jhdt. lobten verschiedene Autoren die starken Verteidigungsanlagen der Stadt. Doch spätestens im 18. Jhdt. waren sie militärisch veraltet und weitgehend nutzlos geworden. Man begann nun mit dem Abbruch des Mauerrings, bereits 1787 wurde die Porte de Sainte-Pierre niedergelegt. Die Entfestigung setzte sich fort, bis 1890 mit der Porte Saint-Marie auch das letzte Stadttor verschwunden war. Beinahe wäre auch der Tour de l'Ale der Stadtmodernisierung geopfert worden. Nach einer längeren Debatte entschloss man sich aber, ihn zu erhalten und liess ihn 1903 umfassend sanieren.

Quellen: Marcel Grandjean - Les monuments d'art et d'histoire du Canton de Vaud, Tome I: La ville de Lausanne. Basel 1965. S. 22-33 und S. 61-120. / Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz. Kataloge, Darstellungen. Zürich 1996. S. 304-306. / Anne Radeff/Denise Francillon - Lausanne: Chronologie d'une ville. Lausanne 1991. / Infotafel am Tour de l'Ale.
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