Wappen von La Roche
Burg La Roche / La Roche - Kanton Freiburg
Historie


Der Name La Roche taucht erstmals in einer Urkunde von 1160 auf, in welcher "Petrus et Turincus de Rupe" erwähnt werden. 1172 wird in einem anderen Schriftstück ein "Joranus de Rupe" genannt. Vertreter dieser Familie haben höchstwahrscheinlich die Burg auf dem Felsgrat zwischen Pont-la-Ville und La Roche errichtet, die um 1164 erstmals als "castrum de Rupe" in den Quellen Erwähnung findet. Das Aussehen dieser Anlage ist mangels archäologischer Forschungen unklar, doch dürfte sie sich über die beiden östlichen Teile des Burgareals erstreckt haben.

Schon bald nach den ersten Erwähnungen teilte sich die Familie von La Roche in verschiedene Zweige. Während der eine im Besitz der Stammburg blieb, nannte sich ein anderer nach der Burg Schönfels (nahe der Grasburg, Kt. Bern). Ein dritter Zweig erwarb das Bürgerrecht zu Biel und nannte sich "von der Flüe", was der schweizerdeutschen Form von La Roche entspricht.

Die Herren von La Roche, deren Herrschaft ursprünglich wohl ein Reichslehen war, standen in den Auseinandersetzungen des 13. Jhdts. auf Seiten der Grafen von Savoyen. Am deutlichsten wird dies unter Wilhelm von La Roche, der zusammen mit anderen Rittern 1251 auf der Burg Arconciel den Savoyern die Treue schwor. 1253 trat er als Gefolgsmann von Ulrich von Neuenburg auf, einem wichtigen Verbünden von Graf Peter II. von Savoyen im Gebiet der heutigen Westschweiz. Wilhelm musste sich an der Bewachung von Arconciel beteiligen, indem er in Friedenszeiten jährlich für einen Monat einen Wächter auf diese Burg entsandte. In Kriegszeiten war der Ritter von La Roche verpflichtet, selbst für einen Monat pro Jahr auf Arconciel Wohnsitz zu nehmen.

1264 setzte der Niedergang des Hauses La Roche ein. Wilhelm verschuldete sich und so musste die Familie vorübergehend einen Teil ihrer Herrschaft an Ulrich von Wippingen veräussern. Dieser errichtete nun zu La Roche einen neuen Donjon, der nur durch einen Abschnittsgraben von der bestehenden Burg getrennt war. Der Turm misst im Grundriss etwa 10x10 Meter und war nur über einen heute nicht mehr erhaltenen Hocheingang zugänglich. In den Schriftquellen wurde fortan immer zwischen dem Turm und der Burg unterschieden. Noch heute heisst die Anhöhe nördlich der Burg "vers les châteaux" und deutet damit auf eine Mehrzahl mittelalterlicher Festungen hin.

1276 konnten die Herren von La Roche noch einmal die gesamte Herrschaft in ihren Besitz bringen. Ausserdem suchten sie sich einen neuen Herrn: Ab 1308 traten sie klar erkennbar als Vasallen des Bischofs von Lausanne auf. 1316 wurde dieser auch offiziell Lehnsherr über La Roche. Doch der ökonomische Niedergang der Familie war dadurch nicht mehr aufzuhalten. Anthonia von Schliern, Witwe von Rudolf III. von La Roche, verkaufte Turm, Burg und Herrschaft 1349 an den Bischof. Den Rest der alten Familienbesitzungen, welcher Heinrich III. von La Roche gehörte, erwarben zunächst die Ritter von Blonay. Sie verkauften diese Güter und Rechte 1357 aber ebenfalls dem Bistum, für den Preis von 1700 Florin. Die Familie La Roche und ihre Seitenlinien scheinen um 1400 alle ausgestorben zu sein.

Wann die Burg La Roche aufgegeben wurde, ist ungeklärt. Bereits die letzte Generation der Gründerfamilie hat möglicherweise nicht mehr auf ihr residiert, da sie das Bürgerrecht von Freiburg erworben hatte. 1518 standen der Donjon und der Turm der östlichen Burg noch aufrecht. 1536, als Bern und Freiburg die Waadt eroberten, besetzten freiburgische Truppen die Herrschaft La Roche. Die Burg hatte damals keine strategische Bedeutung mehr. 1652 bis 1656 wurden Teile von ihr abgerissen, um Baumaterial für die neue Kirche im Dorf La Roche zu gewinnen. Seither ist die Ruine sich selbst überlassen worden.

QUELLEN: DE VEVEY, Bernard. Châteaux et maisons fortes du Canton de Fribourg [Archives de la société d'histoire du Canton de Fribourg, Tome XXIV]. Freiburg i.Ü. 1978. S. 218-224. / REINERS, Heribert. Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, II. Teil. Basel 1937. S. 45-47. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 211.


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