Wappen von Cazis
BURG HEINZENBERG
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Hinterrhein / Cazis

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Historie

Grundriss

Die Burg Heinzenberg hat dem ganzen Berghang auf der westlichen Talseite des Domleschgs den Namen gegeben. Denn obwohl die Burg erst 1394 erstmals direkt erwähnt wird, dürfte sie älter sein als der bereits 1380 auftauchende Flurname und geht wahrscheinlich auf einen Burgherrn mit Vornamen Heinz oder Heinrich zurück. Der Heinzenberg gehörte im Hochmittelalter zur Herrschaft der Vazer, dem damals mächtigsten Adelsgeschlecht in Rätien. Sie gelten auch als Erbauer der Burg, deren ältester Teil, der Turm, um 1200 entstanden sein dürfte.

Heinzenberg entstand auf einem felsigen Hügel, der bergseits durch einen tiefen natürlichen Einschnitt im Gelände gut geschützt ist. Auf der Südostseite wurde ein zusätzlicher Graben angelegt. Möglicherweise befand sich auf dem Areal bereits ein altes Refugium – die genaue Bedeutung einer entlang der Nordseite verlaufenden Trockenmauer ist bis heute ungeklärt. Der Turm stand an der höchsten Stelle des Areals und war im Grundriss fünfeckig. Am drei Stockwerke hoch aufragenden Mauerzahn sind schöne Bossenquader und inwendig Reste von Glattverputz erkennbar. Bevor sie 1956 einstürzte, war die Turmruine noch drei Stockwerke höher. Damals waren noch Türöffnungen und die Spuren von Laubengängen im 4. und 5. Geschoss erkennbar.
An den Turm wurde in einer zweiten Bauphase eine hohe Ringmauer angesetzt, von der heute der westliche Teil noch gut erhalten ist. Sie wurde offenbar mehrfach erhöht und umgestaltet. Von Anbauten auf der Innenseite ist nicht viel mehr als eine Quermauer erkennbar geblieben – möglicherweise stand in der Südecke der Burg ein Wohntrakt.

Aus der Zeit der Vazer Herrschaft fehlen schriftliche Hinweise auf die Burg. Nach dem Tod des letzten Freiherrn kam sie 1337 über die Erbtochter Ursula von Vaz an deren Ehemann, Graf Rudolf IV. von Werdenberg-Sargans. 1383 verkaufte dessen Sohn Johann alle Rechte am Heinzenberg seinem Schwager Ulrich Brun von Rhäzüns, wobei die Burg in der Urkunde unerwähnt bleibt. Erst im März 1394 wurde sie direkt als Besitz der Rhäzünser genannt, als die Untertanen ihre Zinsen «gen Haintzenberg in die vesti» abliefern mussten.
In der Schamserfehde von 1451, der etliche Burgen zum Opfer fielen, wurde auch Heinzenberg erobert, jedoch nicht zerstört. Über Anna von Rhäzüns kam die Herrschaft 1461 «mit burg und burgstal» wiederum an die Grafen von Werdenberg-Sargans. Ihr Gemahl Georg nannte sich daraufhin Herr zu Ortenstein und Heinzenberg. Die Herrschaft verkaufte er bereits 1475 an Bischof Ortlieb von Chur, allerdings ohne «das slos und burgstall am Haintzenberg». Wie lange die Anlage bewohnt blieb, ist unklar. Noch 1482 amtete Heinrich Grass als werdenbergischer Vogt auf der Burg. Die Anlage wurde wohl spätestens nach dem Tod von Graf Georg (1504) aufgegeben und dem Zerfall überlassen.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 154-156. / Werner Meyer (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 3: Kanton Graubünden (deutschsprachiger und romanischer Teil). Zürich 1983. S. 40-41. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 206-207. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940. S. 210. / Fritz Hauswirth - Die Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden). 2. Aufl. Kreuzlingen 1981. S. 61-62. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser des Kantons Graubünden, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg. Basel 1940. S. 115. / Heinrich Boxler - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2]. 2. Aufl. Arbon 1991. S. 149-150. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 319.
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