Wappen von Greyerz
Burg Greyerz (Château de Gruyeres) / Greyerz - Kanton Freiburg
Historie


Das Alpenrandgebiet am Oberlauf der Saane wurde ab dem 11. Jh. durch Rodung erschlossen. In dieser Zeit setzten sich wohl die Vorfahren der Grafen von Greyerz hier fest. Es wird vermutet, dass sie dem Hochadel des rudolfingischen Königreichs Hochburgund (888 - 1032) entstammten, doch ist ihre Herkunft letztlich ungeklärt. In den Schriftquellen ist die Familie erst ab 1161 zweifelsfrei fassbar.

Die erste nachweisbare Burganlage auf dem Hügelzug 4 Kilometer südöstlich von Bulle wurde etwa um 1200 vollendete. Sie wies einen quadratischen Bergfried und eine starke Ringmauer auf. Zusammen mit der Burg entstand das Burgstädtchen, dem die Grafen von Greyerz auch das Marktrecht gaben. 1195 musste darauf nach einem Streit mit dem Bischof von Lausanne, der die Konkurrenz für seinen Markt in Bulle fürchtete, vorübergehend verzichtet werden.

Spätestens ab 1221 führte die Familie als Wappen einen weissen Kranich auf rotem Grund (Greyerz = frz. Gruyère / Kranich = frz. grue). 1244 wurden die Grafen Vasallen der mächtigen Savoyer, begleiteten diese auf Kriegszügen und mehrten so ihr Vermögen. Um 1250 wurde die Burg daher im savoyischen Stil umgebaut und erhielt einen mächtigen Donjon mit rundem Grundriss und schönen Steingewölben in allen Stockwerken. Auch die 1324 erstmals erwähnte Burgkapelle in der Vorburg ist vermutlich im Zuge dieser Ausbauphase entstanden.

Zur Grafschaft Greyerz gehörten zahlreiche benachbarte Ländereien, zu denen die Grafen im 15. Jhdt. noch die Herrschaften von Corbières, Charmey und Jaun dazukauften. 1396 erhielt Graf Rudolf IV. von Greyerz vom Reich sogar das Münzrecht verliehen. Dieser Aufstieg spiegelte sich in einem weiteren Ausbau der Stammburg. Als Belohnung für ihre Hilfe bei den Bauarbeiten gewährte Graf Franz I. seinen Untertanen zusätzliche Freiheiten, wie Urkunden aus den Jahren 1439 bis 1454 beweisen. Vor allem die östliche Vorburg wurde nun ausgebaut und erhielt einen heute noch erhaltenen Ziergarten.

Die Grafen versuchten die Unabhängigkeit ihrer gewachsenen Herrschaft zu behaupten und traten mit der Stadt Freiburg ins Burgrecht. In den Burgunderkriegen gegen Karl den Kühnen stellten sie sich auf die Seite der Eidgenossen entgingen so einer Besetzung, als die Städte Bern und Freiburg 1536 das Waadtland unter sich aufteilten.

Die letzten grossen Umbauarbeiten am Palas, die Errichtung des Treppenturms und andere teure Erweiterungen von Burg und Städtchen trieben die Grafen jedoch in den Ruin. Ihr letzter Vertreter, Graf Michael von Greyerz, war ein Gefolgsmann von Kaiser Karl V. und verbrachte viele Jahre in Kriegsdiensten im Ausland. Da er jedoch ständig in Geldnot war, musste er von den ihm unterstehenden Herrschaften eine nach der anderen verpfänden. Als die Schulden trotzdem weiter anstiegen, verfügte die eidgenössische Tagsatzung im November 1554 schliesslich den Konkurs und wies die gesamte Grafschaft den Gläubigern zu. Das Territorium wurde nun unter Bern und Freiburg aufgeteilt. Graf Michael scheiterte bei seinen Bemühungen, seine Familiengüter mit Hilfe von Geldgebern aus Flandern zurückzukaufen. Er starb 1575.

Bis zur Helvetischen Revolution von 1798 residierte nun ein freiburgischer Landvogt zu Greyerz. An der Burg wurden in dieser Zeit kaum nennenswerte bauliche Veränderungen vorgenommen. Bis 1848 diente sie noch als Sitz eines Oberamtmanns, dann wurde Greyerz mit dem Bezirk Bulle zusammengelegt. Der Kanton Freiburg hatte nun keine Verwendung mehr für die grosse Burganlage und verkaufte sie 1849 an Jean und Daniel Bovy aus La Chaux-de-Fonds. Sie waren reiche Industrielle, hielten die Burg gut instand und machten aus ihr ein Anziehungspunkt für Künstler. 1938 konnte der Kanton Freiburg die Anlage über eine Stiftung zurück erwerben und liess darin ein Museum einrichten.

QUELLEN: MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Band 9: Kantone Bern und Freiburg. Zürich 1983. S. 72-73. / FLÜCKIGER, Roland. Mittelalterliche Gründungsstädte zwischen Freiburg und Greyerz [Freiburger Geschichtsblätter, Bd. 63]. Freiburg i.Ü. 1984. S. 148-169. / REINERS, Heribert. Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, I. Teil. Basel 1937. S.82-89. / HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 11: Bern 2, Neuenburg, Freiburg. Kreuzlingen 1975. S. 133-139. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 202.


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