Wappen von Filisur
BURG GREIFENSTEIN
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Albula / Filisur

Information

Bilder

Historie

Grundriss

Oberhalb des Dorfes Filisur erhebt sich aus dem Bergwald ein zerklüftetes, schroffes Felsmassiv, das die Reste einer dreiteiligen Burganlage trägt. Der alte Zugang befindet sich in einer Lücke am Fuss des Grats. Hier sind heute noch Mauerspuren einer Toranlage zu erkennen. Dahinter erstreckt sich die Terrasse der Unterburg. Talseitig war sie einst durch eine Mauer geschützt, von der heute aber nichts mehr erkennbar ist.
Die mittlere Stufe der Burg lag deutlich höher, auf einem dreiseitig steil abfallenden Plateau westlich unterhalb des Felsgrats. Zwischen den beiden Teilen der Burg muss sich auf halber Höhe eine Toranlage befunden haben: An der betreffenden Stelle ist noch ein Balkenführungskanal für eine Sperrvorrichtung erkennbar. Auf der mittleren Stufe stehen heute noch die Reste einer massiven Umfassungsmauer, die einst die Wohnbauten der Burg umfasste. An ihre Nordseite war ein grösseres Gebäude angelehnt, in dessen Obergeschoss sich die Burgkapelle befand. Der zugehörige Apsisraum samt kleinem Altar war aus der senkrechten Wand des Burgfelsens herausgemeisselt worden. Ebenfalls aus dem Fels geschlagen wurde ein kubischer Raum, der als Zisterne diente. Die Felsrinnen, die das Regenwasser in diesen Tank führten, sind stellenweise noch gut erkennbar.
Von der mittleren Stufe führte ein schmaler Treppenweg weiter zum höchsten Punkt des Grats – einen völlig exponierten Felskopf, der die anderen Teile der Burg um 30 Meter und mehr überragt. Heute ist der in die nahezu senkrechte Wand geschlagene Zugang kaum noch erkennbar. Die Oberburg bestand aus einem turmartigen Gebäude mit sechseckigem Grundriss (circa 9 x 16 Meter). Erhalten geblieben sind nur die Grundmauern.

Greifenstein bildete wahrscheinlich ab dem 12. Jhdt. den Mittelpunkt der gleichnamigen Herrschaft im Albulatal, welche die Dörfer Filisur, Bergün, Latsch und Stugl umfasste. Ihre Erbauer, die Freiherren von Greifenstein, gelten als enge Verwandte der einflussreichen Familie von Wildenberg-Sagogn. Im August 1233 war Rudolf von Greifenstein an der Ermordung des Churer Bischofs Berthold von Helfenstein beteiligt. Vom Papst wurde ihm zur Busse die Teilnahme an einem Kreuzzug auferlegt. Doch weil er lange zögerte, musste er schliesslich eine Fristerstreckung bis 1237 beantragen. Als Zeugen der Freiherren von Vaz traten 1243 ausserdem «Hainricus et Albertus de Grifinstain» in Erscheinung. Danach verschwindet die Familie aus der Überlieferung.
Die Herrschaft fiel nun den Wildenberg-Sagogn zu, welche die Burg durch einen Ammann verwalten liessen. Graf Hugo III. von Werdenberg-Heiligenberg und seine Ehefrau Anna von Wildenberg verpfändeten sie 1320 für 1150 Mark Silber dem Bischof von Chur. Es ist denkbar, dass dieser Handel die mächtigen Freiherren von Vaz auf den Plan rief, deren Machtansprüche in Rätien verschiedentlich mit denen des Bischofs kollidierten. Jedenfalls besiegten sie um 1323 in einem Gefecht bei Greifenstein bischöfliche Truppen.

Ab 1339 verwalteten die Herren von Marmels die Herrschaft Greifenstein als Vögte des Bischofs. Doch das Pfand- und Rückkaufsrecht wechselte 1360 von den Herren von Wildenberg-Sagogn in den Besitz der Herren von Matsch. Sie scheinen die Burg auch tatsächlich in ihren Besitz gebracht zu haben, denn ab 1392 unternahmen sie von hier aus Raubzüge gegen bischöfliche Gebiete. Bischof Hartmann II. reagierte mit einem Gegenschlag und konnte Greifenstein 1394 erobern. Er setzte einen neuen Vogt ein, musste die Burg allerdings bereits 1411 wieder an die Familie Marmels verpfänden. Schon bald darauf kam es zu einer weiteren Fehde zwischen dem Bistum und den Freiherren von Matsch. In einem Schiedspruch legte Herzog Ernst von Österreich 1421 schliesslich fest, dass der Bischof die umstrittenen Burgen Greifenstein und Ramosch behalten dürfe, aber 2500 Mark Silber Entschädigung zu entrichten habe.

Um 1468 wurde Greifenstein zusammen mit anderen bischöflichen Burgen in einer Fehde vom Gotteshausbund besetzt, nach einer Intervention durch die Stadt Zürich aber wieder herausgegeben. Die Herren von Marmels amteten noch bis um 1500 als bischöfliche Vögte, danach übernahmen andere Familien dieses Amt, unter anderem die Planta von Zuoz. 1537 konnten sich die Gemeinden aus den Herrschaftsrechten loskaufen, weshalb die Burg ihre Bedeutung verlor und aufgegeben wurde. Trotzdem trugen manche Gebäude noch bis um 1840 ein Dach. Für den Bau eines Schulhauses in Filisur wurden in jenem Jahr aber viele Steine und Balken entfernt, was den Zerfall beschleunigte.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 63-65. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 255-256. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. II: Herrschaft, Prätigau, Davos, Schanfigg, Churwalden, Albulatal. Basel 1937. S. 399. / Fritz Hauswirth - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 9: Graubünden 2 und Tessin. Kreuzlingen 1973. S. 26-27. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, III. Teil: Viamala, Schams, Schyn, Albulatal, Oberhalbstein, Bergell, Engadin. Basel 1944. S. 34-40. / Jerome H. Farnum - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz. Bern/Stuttgart 1976. S. 223-226. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 280.
Alle Angaben ohne Gewähr!
Diese Webseite ist Bestandteil von www.burgenwelt.de und darf nicht von oder in Webseiten anderer Anbieter verlinkt werden (Deep-Link)!


© 2012