Wappen von Frauenfeld
Burg Frauenfeld / Frauenfeld - Kanton Thurgau
Historie

 

Die Gründung der Burg Frauenfeld fällt in die erste Hälfte des 13. Jhdts.. Damals war die Grafschaft Thurgau ebenso wie die Schirmvogtei über das hier begüterte Kloster Reichenau in den Händen der Grafen von Kyburg. Auf einem Geländevorsprung über der Murg wurde zunächst aus groben Findlingssteinen der eindrückliche Bergfried errichtet, der im Grundriss rund 8,4 x 8,4 Meter misst und bis zu 2,85 Meter starke Mauern aufweist. Die dendrochronologische Datierung originaler Balken weist auf eine Erbauung in den Jahren 1235 bis 1240 hin. Das Gebäude war als reiner Wehrturm konzipiert und verfügte im zweiten Obergeschoss auf jeder Seite über eine vorkragende Laube - ähnlich wie bei der Turmburg Resti (BE).
Vermutlich war bereits im ursprünglichen Bauplan vorgesehen, dem Bergfried an der Südseite ein zweites Gebäude anzufügen, einen turmartigen Palas. Dieser wurde um 1250 errichtet: Der Sockel ebenfalls aus Megalithmauerwerk, darüber ein ummauertes Blockhaus.

Mit der Gründung von Frauenfeld – der Burg wurde nördöstlich auch ein gleichnamiges Städtchen vorgelagert - versuchten die Kyburger im Thurgau stärker Fuss zu fassen. Dies war möglich geworden, weil die Freiherren von Murkart um jene Zeit ausstarben und die Grafen von Toggenburg durch einen Brudermord geschwächt waren. Wer für die Kyburger auf der neuen Burg Wohnsitz nahm, ist unbekannt. Nach dem Aussterben des mächtigen Grafenhauses gelangte Frauenfeld 1264 an Rudolf von Habsburg, den späteren König.
In Frauenfeld residierte nun ein Zweig der Herren von Wiesendangen, der sich nach dem neuen Wohnsitz nannte. Der 1286 erstmals erwähnte Jakob I. von Frauenfeld war ein Gefolgsmann von König Albrecht von Habsburg und führte den Titel eines Hofmeisters. Er fiel 1315 auf österreichischer Seite in der Schlacht am Morgarten. Seine Nachkommen führten Titel und Herrschaft weiter, gerieten aber gegen Ende des 14. Jhdts. in wirtschaftliche Schwierigkeiten.

1373 tilgte Hug von Hohenlandenberg für die Habsburger eine Pfandschuld bei Jakob II. von Frauenfeld und wurde dadurch neuer Burgherr. Unter der Herrschaft der Hohenlandenberger wurde die Burg nochmals ausgebaut, möglicherweise motiviert durch einen gescheiterten Angriff der aufständischen Appenzeller von 1407. Der alte Palas wurde aufgestockt und ein neuer Westflügel errichtet. 1411 beklagte sich die Stadt Frauenfeld über ein separates Eingangstor, dass es Beringer von Landenberg erlaube, unbemerkt Leute in die Stadt einzulassen.
Die Eidgenossen hatten 1460 den Thurgau erobert und waren seit 1499 Inhaber des Landgerichts. Nun sollte Frauenfeld Sitz eines Landvogts werden. Die Landenberger wollten die Burg allerdings nicht abtreten, weshalb der eidgenössische Vogt zunächst im Spiegelhof residierte. Erst 1534 kam es zu einem Abtausch. Die Eidgenossenschaft liess die Burg zwar reparieren, doch dabei blieb es für die nachfolgenden Jahrhunderte.

Nach dem Untergang des alten Regimes wurde die Burg 1803 dem Kanton Thurgau zugesprochen. Sie beherbergte nun Amtsräume, das Appellationsgericht und Gefängniszellen. 1833 errichtete man den Ostflügel, der bis heute ein architektonischer Fremdkörper in der Anlage geblieben ist. Kurz darauf mussten die stadtseitigen Bauten, insbesondere Tor, Zwinger und Scheune (die ehemalige Burgkapelle), einem neuen Platz weichen.
Nachdem ein neues Regierungsgebäude errichtet worden war, wurde die Burg überflüssig und 1867 für 40'000 Franken an die Familie Bachmann verkauft. 1955 erhielt der Kanton die Anlage über einen Schenkungsvertrag wieder zurück. Nach einer umfassenden Renovation wurde 1960 darin das historische Museum des Kantons Thurgau eingerichtet.


QUELLEN: REICKE, Daniel. «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 58-61. / ZEHNDER, Ernst. Schloss Frauenfeld. In: Hermann Meili (Hg.). Burgen, Schlösser und Burgherrengeschlechter der Ostschweiz. Trogen 1970. S. 102-104. / MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St. Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden. Zürich 1983. S. 73-75. / MEYER, Werner/WIDMER, Eduard. Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich 1977. S. 294-295. / KNOEPFLI, Albert. Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Bd. I: Der Bezirk Frauenfeld. Basel 1950. S. 62-72. / HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser im Thurgau. Kreuzlingen o.J. S. 31-32. / KOMISSION DES HISTORISCHEN VEREINS DES KANTONS THURGAU. Die Burgen und Schlösser des Kantons Thurgau, I. Teil. Basel 1931. S. 54-57. / GIEZENDANNER, Heini. Burgen und Schlösser im Thurgau. Frauenfeld 1997. S. 65-67. / BERGER, Ric. Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. II. Neuenburg 1966. S. 108-111. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 570. / Infotafel auf der Burg


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