GROTTENBURG DONGIO (CASA DEI PAGANI)
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Allgemeine Informationen
Kleine, gut erhaltene Grottenburg, die wahrscheinlich im 11. Jhdt. in einem Felsband oberhalb des Friedhofs von Dongio erbaut wurde. Erhalten sind der zweiteilige Haupttrakt und eine Traversenmauer, welche die Anlage gegen Norden abschirmte. Die einstigen Besitzer und die Dauer der Nutzung sind nicht bekannt.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 46° 26’ 17.30“ N, 08° 57’ 38.66“ E
Höhe: 620 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 716.970 / 144.110
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
Die Burg ist nur über schmale, ungesicherte Felsbänder zugänglich. Bei Nässe besteht Absturzgefahr.
Anfahrt mit dem PKW
Die Gotthardautobahn (A2) bei der Ausfahrt Biasca verlassen und anschliessend der Via Brughei in nördlicher Richtung ins Bleniotal hinein folgen. Talaufwärts über Brugaio, Rongie und Motto bis nach Dongio fahren. Unmittelbar vor dem Verkehrskreisel am Ortseingang rechts abbiegen und beim Friedhof parkieren. Weitere Wegbeschreibung: siehe unten.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Vom Bahnhof Biasca mit der Buslinie 131 in Richtung Olivone bis zur Haltestelle Dongio, Municipio. Weitere Wegbeschreibung: siehe unten.
Wanderung zur Burg
Die Erschliessung der Ruine ist seit einigen Jahren geplant, derzeit (2016) führt jedoch nur ein kaum erkennbarer Pfad hinauf zur Burg. Vom Friedhof am Ortseingang von Dongio dem Nebensträsschen nach Osten folgen, dann rechts abbiegen auf den Weg nach Marogno. Nach wenigen Metern führt links ein Feldweg bergauf in den Wald hinein. Am Waldrand trifft dieser auf eine Bachverbauung des Ri della Büza. Jenseits des Bachlaufs beginnt der steile unmarkierte Bergpfad, der zunächst an den Ruinen des alten Dorfes Dongio vorbei führt und am Fuss einer Bergwand endet. Von hier gelangt man auf zwei nach links führende, exponierte Felsbänder. Über das schmale obere Band kommt man direkt zur Ruine, über das untere Band gelangt man auf die Felsstufe unterhalb der Grottenburg.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
für Kinder ungeeignet
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Dongio
Quelle: Högl, Lukas - Burgen im Fels [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 12] | Olten, 1986 | Planbeilage 2 A | überarbeitet von O. Steimann, 2016
Historie
Im Tessin und insbesondere im Blenio-Tal existierten zahlreiche kleine Grottenburgen, die an kaum zugänglichen Orten hoch über den Dörfern in schroffen Felswänden errichtet wurden. Oft werden sie im Volksmund als «Case dei pagani» – Heidenhäuser – bezeichnet. In der älteren Literatur wurden sie mitunter als römische oder sarazenische Anlagen gedeutet, als Gefängnisse für Hexen, Häuser für Leprakranke, als Räubernester oder auch als Rückzugsort von Einheimischen, die sich der Christianisierung hätten entziehen wollen.
Die neuere Forschung hat diese phantasievollen Behauptungen gründlich widerlegt, nicht zuletzt anhand der besonders gut erhaltenen Grottenburg von Dongio. Auf dem Gebiet der bis 2004 eigenständigen Gemeinde gleichen Namens konnten gleich drei solche Anlagen nachgewiesen werden, doch heute noch klar erkannbar und halbwegs zugänglich ist nur «Dongio I». Die Ruine befindet sich an der östlichen Talflanke am unteren Rand einer Balm, hoch über dem Friedhof von Dongio.

Der vom Tal aus gut sichtbare, knapp 14 Meter lange Hauptbau besteht aus zwei Teilen. In den Nordtrakt ist das Tor integriert, erreichbar über drei in die Mauer eingebettete Felsplatten. Direkt darüber befindet sich ein Durchgang, der wohl auf eine Laube oder auf einen Wehrerker hinaus führte. Insgesamt war dieser Trakt dreigeschossig. In der Zwischenmauer zum südlichen Teil, der eine etwas andere Stockwerkeinteilung hatte, gab es auf jeder Etage eine Verbindungstür.
Der ursprünglich ebenfalls dreigeschossige Südtrakt wurde in einer zweiten Bauphase offenbar aufgestockt. Anstatt dem insgesamt sehr unregelmässigen Mauerwerk aus rohen Bruchsteinen sind die Aufbauten aus sorgfältig ausgewälten Steinplatten errichtet worden. In der Südwand dieses Trakts befand sich eine Abortnische mit schrägem Abflusskanal.
Die Mauerstärken sind nirgends grösser als 0,7 Meter – offenbar verliessen sich die Burgbewohner ganz auf den Schutz des kaum zugänglichen Standorts. Die obersten Aufbauten beider Teile des Haupttrakts bestanden wahrscheinlich aus Holz. Ungeklärt ist die Frage der Nebengebäude. Auf dem schmalen Felsband südlich der Burg hätten solche untergebracht werden können, doch fehlen hier eindeutige Spuren. Gut erhalten ist hingegen eine kurze Traversenmauer, welche die Nordflanke der Anlage gegen feindlichen Beschuss schützte.

Historische Angaben über diese Grottenburg fehlen. Die C14-Datierung eines hölzernen Gerüsthebels und der Vergleich mit ähnlichen Tessiner Anlagen legt eine Gründung im 11. Jhdt. nahe. Offensichtlich handelte es sich nicht nur um einen kurzfristig genutzten Zufluchtsort. Vielmehr dürfte die Anlage der repräsentative Wohnsitz einer lokalen Adelsfamilie gewesen sein. Das ursprüngliche, 1188 erstmals erwähnte Dorf Dongio lag am Hang unmittelbar südlich der Burg. Es wurde 1758 durch einen Bergsturz verschüttet und musste aufgegeben werden.
Die Burg wurde wahrscheinlich im Spätmittelalter verlassen, blieb im Schutz des überhängenden Felsbands aber recht gut erhalten. Gemäss älteren Berichten haben die Einwohner von Dongio um 1798 in der Ruine ein Feuer unterhalten, um den einmarschierenden Franzosen eine bewaffnete Festung vorzutäuschen. Sie seien aber vertrieben und durch französische Soldaten ersetzt worden. In den Jahren 1968/69 und 1980 wurde die Anlage vermessen und kartiert.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafeln unterhalb der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 619
  • Högl, Lukas - Burgen im Fels [Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 12] | Olten, 1986 | S. 17-20
  • Meyer, Werner (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 2: Kantone Tessin und Graubünden (italienischsprachiger Teil) | Zürich, 1982 | S. 37
  • Meyer, Werner / Widmer, Eduard - Das grosse Burgenbuch der Schweiz | Zürich, 1977 | S. 76-77
  • Meyer, Werner - Tessiner Grottenburgen | In: Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins, 41. Jhg./Nr. 3 | Basel, 1968 | S. 258-263
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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